Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Schlafittchen, das

Grammatik Substantiv (Neutrum)
Aussprache 
Worttrennung Schla-fitt-chen
Mehrwortausdrücke  am Schlafittchen packen
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich, salopp, scherzhaft jmdn. am, beim Schlafittchen nehmen, packen (= jmdn. zu fassen bekommen und eben noch festhalten), jmdn. am, beim Schlafittchen fassen, haben, halten
Beispiele:
er konnte den Fliehenden gerade noch am Schlafittchen fassen
er nahm ihn beim Schlafittchen, hielt ihn am Schlafittchen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fittich · Schlafittchen
Fittich m. ‘Schwinge, Flügel’, heute fast nur noch dichterisch, ahd. feddā̌h (9. Jh.), später auch fettā̌ch, mhd. vet(t)ach(e), vet(t)ech(e), vit(t)ich, in heutiger Form seit Luther, ist als (wohl im Gedanken an heftigen Flügelschlag) geminierte Form verwandt mit Feder (s. d.) und gehört wie dieses zur Wurzel ie. *pet(ə)- ‘auf etw. los-, niederstürzen, fliegen, fallen’. Schlafittchen n. In der umgangssprachlichen, seit dem 18. Jh. belegten (doch wohl älteren) Wendung jmdn. beim (am) Schlafittich kriegen (packen) ist das Substantiv assimiliert aus Schlagfittich ‘Schwungfeder des (Gänse)flügels’, das dann in übertragener Bedeutung als ‘Kleiderzipfel, Rockschoß’ aufgefaßt wird. Der dazu gebildete Dativ Plur. Schlafittchen (eigentlich Schlagfittchen) wird für ein mit -chen gebildetes Deminutivum gehalten, daher (heute überwiegend) jmdn. beim Schlafittchen kriegen ‘(beim Kragen) packen, festhalten und zur Rede stellen’.

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Genick · Hals · Nacken  ●  Schlafittchen  ugs.
Oberbegriffe

Verwendungsbeispiele für ›Schlafittchen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch die hat der amerikanische Hund am Schlafittchen und holt noch den letzten abgenagten Knochen heraus. [Traven, B.: Das Totenschiff, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1929 [1926], S. 58]
Den schlägt man zu Hause in die Wand, und dann wird der Mantel am Schlafittchen aufgehängt. [Der Tagesspiegel, 11.09.2004]
Trivial, weil es Erwartungen bestätigt, statt neue Erfahrungen zu bieten, statt Fragen zu stellen, statt am Schlafittchen zu packen. [Die Zeit, 28.05.1998, Nr. 23]
Sie stellt sich schlafend – dann packt sie den Schlawiner an seinem Schlafittchen und schüttelt ihn mächtig durch. [Bild, 07.10.2002]
Herbert packte ihn am Schlafittchen und hob ihn zu sich hoch. [Jentzsch, Kerstin: Ankunft der Pandora, München: Heyne 1997 [1996], S. 67]
Zitationshilfe
„Schlafittchen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schlafittchen>.

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