Schlafmütze, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungSchlaf-müt-ze (computergeneriert)
WortzerlegungschlafenMütze
Wortbildung mit ›Schlafmütze‹ als Grundform: ↗schlafmützig
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
veraltet Nachtmütze
2.
umgangssprachlich, abwertend, übertragen langweiliger, träger Mensch
Beispiele:
der Junge ist eine große Schlafmütze
Schimpfwort du Schlafmütze!
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlafen · Schlaf · Schläfe · beschlafen · entschlafen · schläfern · einschläfern · schläf(e)rig · zweischläfrig · Beischlaf · Schlafmütze · Schlafrock
schlafen Vb. ‘sich in einem (physiologisch bedingten) Ruhezustand befinden, in dem die Wahrnehmung der Umwelt stark herabgesetzt, nahezu ausgeschaltet ist’. Das starke, ursprünglich reduplizierende Verb ahd. slāfan (um 800), mhd. slāfen, asächs. slāpan, mnd. mnl. slāpen, nl. slapen, afries. slēpa, aengl. slǣpan, engl. to sleep, got. slēpan (germ. *slēpan) gehört zu einer im Germ. reich entwickelten Wortgruppe. Sie schließt sich an die unter ↗Lappen (s. d.) genannte Wurzel ie. *lē̌b-, *lō̌b-, *lā̌b- ‘schlaff herabhängen(d)’ an, die hier, wie auch in ↗schlapp, ↗schlaff (s. d.), mit anlautendem s- auftritt. Dazu stellen sich lat. lābī ‘hin-, herabgleiten, sinken’ (s. ↗labil, ↗Lapsus, ↗kollabieren), lat. labor ‘Mühe, Anstrengung, Arbeit’ (s. ↗laborieren) und mit anlautendem s- lit. slõbti ‘schwach werden’, aslaw. slabъ, russ. slábyj (слабый) ‘schwach’. schlafen ist ursprünglich ‘schlaff sein’. Schlaf m. ‘Zustand des Schlafens’, ahd. (8. Jh.), mhd. slāf, asächs. mnd. slāp, mnl. slaep, nl. slaap, afries. slēp, aengl. slēp, slǣp, engl. sleep, got. slēps (germ. *slēpa-). Demgegenüber sind anord. svefn, schwed. sömn, dän. søvn, aengl. swefn (germ. *swefna-) ebenso wie die Bezeichnungen des Schlafes in anderen ie. Sprachen aind. svápnaḥ, griech. hýpnos (ὕπνος) (s. ↗hypnotisch), lat. somnus (s. ↗somnambul), aslaw. sъnъ, russ. son (сон) Fortsetzungen eines alten r/n-Stammes zur Wurzelerweiterung ie. *su̯ep-, *sup- ‘schlafen’, zu der ebenso mhd. swep (Genitiv swebes) ‘Schlaf, Schlummer’, aengl. swefan, anord. sofa, schwed. sova, dän. sove ‘schlafen’ gehören. Spätmhd. slāf wird auch Bezeichnung für ‘Schläfe’. Vielleicht als ‘Stirnseite, auf der der Schlafende ruht’? Vgl. mnd. slāp, mnl. slaep, nl. slaap ‘Schlaf, Schläfe’. Der in dieser Bedeutung auftretende Plural wird im 18. Jh. zum Singular Schläfe f. beschlafen Vb. ‘mit einer Frau schlafen’, mhd. beslāfen, auch ‘schwängern’; ‘eine Nacht Bedenkzeit verstreichen lassen, ehe ein Beschluß gefaßt wird’ (16. Jh.). entschlafen Vb. ‘sterben’, ahd. intslāfan (9. Jh.), mhd. entslāfen ‘einschlafen, sterben’. schläfern Vb. ‘müde, schläfrig sein’, mhd. slāfern ‘schläfrig werden, einschlafen’; heute selten und meist unpersönlich es schläfert mich; dazu einschläfern Vb. ‘müde, schläfrig machen, in Schlaf versetzen’ (17. Jh.), heute besonders ‘(Tiere) durch Medikamente schmerzlos töten’, auch ‘narkotisieren, betäuben’; älter einschläfen, zu mhd. slæfen ‘schläfrig machen’. schläf(e)rig Adj. ‘müde’, auch ‘träge’ (16. Jh.), ahd. slāf(e)rag (9. Jh.), mhd. slāferic, slæferic. zweischläfrig Adj. ‘für zwei Schläfer passend’ (18. Jh.). Beischlaf m. ‘das Miteinanderschlafen’ (15. Jh.); dafür ahd. mitislāf (um 1000). Schlafmütze f. ‘Mütze, die im Bett aufgesetzt wird’ (17. Jh.), ‘langsamer, träger Mensch’ (18. Jh.). Schlafrock m. ‘bequemer, zum Schlafengehen und im Haus zu tragender Mantel, Morgenrock’, mhd. slāfroc (14. Jh.); nicht aus Schlaufrock (‘zum Hineinschlüpfen’) herzuleiten (s. ↗Schlaufe).

Thesaurus

Synonymgruppe
Lahmarsch  derb · ↗Penner  derb · Schlafmütze  ugs. · ↗Schnarchnase  ugs. · ↗Schnecke  ugs., fig. · ↗Tranfunzel  ugs. · ↗Transuse  ugs. · ↗Trantüte  ugs. · lahme Ente  ugs., fig.
Assoziationen
  • behäbig · ↗lahm · ↗langsam · ↗schleppend · ↗schwerfällig · ↗träge  ●  ↗bummelig  ugs. · ↗lahmarschig  derb · ↗tranig  ugs.
  • jemand mit der Einstellung "kommste heut nicht, kommste morgen"  ●  ↗Faulpelz  ugs., Hauptform · ↗Faultier  ugs., scherzhaft · fauler Hund  ugs. · fauler Sack  ugs., variabel
  • (sich) nicht aufraffen könnnen · (sich) zu nichts aufraffen können · in Lethargie verharren · in Untätigkeit verharren · nicht aktiv werden · nicht in die Gänge kommen  ●  (den) Arsch nicht hochkriegen  ugs., fig. · nicht aus dem Quark kommen  ugs., fig. · nicht in die Puschen kommen  ugs., fig.
  • Trödler  ●  ↗Lahmarsch  derb · ↗Langweiler  ugs. · ↗Schlaftablette  ugs. · ↗Träne  ugs. · ↗Tränentier  ugs. · trübe Tasse  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

aufsetzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schlafmütze‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich muß Power machen, dann werden sie wach sein von der ersten Minute und nicht mit Schlafmütze laufen.
Süddeutsche Zeitung, 04.09.1995
Unsere Schlafmützen haben sich wegen der orangenen Trikots einfach erschrocken - die dachten, es wäre schon EM.
Bild, 30.04.2004
Keinesfalls möchte sich der Müde als Faulpelz oder Schlafmütze abqualifiziert wissen.
Die Zeit, 15.07.1988, Nr. 29
Die Erde hat sich eine Schlafmütze über die Ohren gezogen - eine dicke Schlafmütze!
Scheerbart, Paul: Immer mutig! In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1902], S. 10299
Er trug eine gestrickte Schlafmütze aus dunkelblauer Wolle, zwischen den dichten Maschen schimmerte sein silbernes Kopfhaar.
Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 173
Zitationshilfe
„Schlafmütze“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schlafmütze>, abgerufen am 22.10.2019.

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