Schlagwort, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Schlagwort(e)s · Nominativ Plural: Schlagworte/Schlagwörter
Aussprache
WorttrennungSchlag-wort
WortzerlegungSchlagWort
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Pl. -e
Pl. Schlagwörter
viel gebrauchtes Wort, Wortgruppe oder Losung, womit in gedrängter Form eine Forderung, besonders eine politisch-ideologische Forderung, zum Ausdruck gebracht wird und die Meinungs- und Bewusstseinsbildung gefördert werden soll
Beispiele:
die Schlagworte der Französischen Revolution waren »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit«
Der Mythos solcher Schlagworte wie »moderne Industriegesellschaft«, »soziale Marktwirtschaft«, »Wohlstand für alle« und anderer soll die realen Macht- und Herrschaftsverhältnisse [in der westdeutschen Gesellschaft] verhüllen [Urania1966]
abwertend abgegriffene Redensart, Gemeinplatz
Beispiele:
mit Schlagworten um sich werfen
vieldeutige, angelesene Schlagworte
wir müssen auf Argumente verzichten, die oftmals leider zu Schlagworten geworden sind [SteenbeckWissen41]
2.
Pl. Schlagwörter
Pl. -e
Buchwesen einzelnes Wort, Stichwort, Kennwort, das den Inhalt eines Buches andeutet und oft dem Buchtitel entnommen ist
Beispiel:
ein nach Schlagwörtern geordneter Katalog
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlagen · Schläger · Schlägerei · abschlagen · abschlägig · Abschlag(s)zahlung · anschlagen · veranschlagen · Anschlag · Voranschlag · aufschlagen · Aufschlag · ausschlagen · Ausschlag · beschlagen1 · beschlagen2 · Beschlag · einschlagen · einschlägig · entschlagen · nachschlagen · überschlagen · umschlagen · Umschlag · unterschlagen · verschlagen · verschlagen · Verschlag · vorschlagen · Vorschlag · schlagfertig · Schlaglicht · Schlagschatten · Schlagseite · Schlagwort · Schlagzeile · Schlagzeug · Schlager
schlagen Vb. ‘hauen, prügeln, töten, einen Gegner überwinden, besiegen, mit einer heftigen, gezielten Bewegung geräuschvoll einen Gegenstand treffen, sich in einer bestimmten Richtung entwickeln, nach jmdm. geraten’, ahd. slahan (8. Jh.), mhd. slahen, slān, asächs. slahan, mnd. slān, mnl. slaen, nl. slaan, afries. sla, aengl. slēan, anord. slā, schwed. slå, got. slahan (germ. *slahan). Auf grammatischem Wechsel zwischen h und g beruhen Präteritalformen wie ahd. sluog, asächs. aengl. slōg, denen im Nhd. die Präsensformen und der Infinitiv angeglichen werden; s. auch ↗Schlag, ↗Schlegel neben ↗Schlacht und ↗Geschlecht. Außergerm. Vergleichsmöglichkeiten bietet lediglich das Kelt. mit mir. slacc ‘Schwert’, ir. slacaire ‘Schläger’, mir. slachta ‘geschlagen’, ir. slacht ‘gute Erscheinung, von gutem Schlag’, gäl. slachdaim ‘schlage mit dem Hammer’, so daß eine Wurzel ie. *slak- ‘schlagen, hämmern’ angesetzt werden kann. Schläger m. ‘wer schlägt, wer jmdn. tötet’, ahd. irslahāri (8. Jh.), mhd. slaher, frühnhd. totslaher, -slager, -sleger (15. Jh.); auch ‘Raufbold’ (seit 17. Jh.). Schlägerei f. ‘Prügelei’ (wohl 15. Jh.), ‘Duell’ (17. Jh.). abschlagen Vb. ‘mit einem Hieb loslösen, lostrennen, abwehren, ablehnen’, ahd. abaslahan ‘abhauen, abschneiden’ (10. Jh.), mhd. abeslahen, auch ‘abschlachten, in Abzug bringen, vergüten, zurückweisen’; abschlägig Adj. ‘ablehnend’ (15. Jh.); Abschlag(s)zahlung f. ‘erster Teil einer abzugeltenden Summe, Teilzahlung’ (18. Jh.). anschlagen Vb. ‘anstoßen, mit Nägeln anhängen, gut wirken, bellen’, ahd. anaslahan (10. Jh.), mhd. aneslahen ‘an jmdn. oder etw. schlagen, anstoßen, mit Schlägen angreifen, durch Schlagen befestigen, rauben, anstiften, berechnen’; veranschlagen Vb. ‘taxieren’ (19. Jh.); Anschlag m. ‘Bekanntmachung, auf etw. zielender Gedanke, Plan, Vorhaben, Vorbereitung des Schützen zum Abschießen’, auch (seit 15. Jh.) ‘Attentat’, ahd. anaslag ‘Hieb, Stoß, Schlag’ (11. Jh.), spätmhd. aneslac, auch ‘Berechnung’; Voranschlag m. ‘vorläufige Kostenberechnung’ (18. Jh.). aufschlagen Vb. ‘(durch Schlagen) öffnen, aufprallen, auftreffen, einen Preis erhöhen, etw. aufstellen, errichten’, ahd. ūfslahan ‘an etw. schlagen’ (um 900), mhd. ūfslahen, auch ‘errichten, aufschieben, verzögern, anzünden, durch Schlagen öffnen, vorenthalten, den Lohn, Preis erhöhen, im Preis steigen, verzichten’; Aufschlag m. ‘Aufprall, Verteuerung eines Preises, umgeschlagener Teil an Kleidungsstücken’, mhd. ūfslac, auch ‘Aufschub, Verlängerung der Frist, Waffenstillstand’. ausschlagen Vb. ‘Knospen treiben, grün werden, um sich schlagen, durch Schlagen zerstören, mit etw. bedecken, ablehnen’, ahd. ūʒslahan ‘herausbrechen, durch Schlagen zerstören’ (9. Jh.), mhd. ūʒslahen ‘herausschlagen, umhauen, ablehnen, zurückschlagen, ausweisen, verjagen, verbannen, freilassen, zerstören, errichten, nach auswärts schlagen, fliehen’; Ausschlag m. ‘Austrieb der Schweine in die Eichelmast, Herabsinken des Waagebalkens nach der schweren Seite’ (15. Jh.), daher den Ausschlag geben ‘entscheidend sein’ (16. Jh.), ‘Entscheidung, Ergebnis, Erfolg, Ausgang’ (16. Jh.), medizinisch ‘Hautschorf, Erkrankung der Haut’ (17. Jh.), ‘Trieb, Sproß’ (18. Jh.). beschlagen1 Vb. ‘(durch Schlagen) mit etw. versehen, sich überziehen, anlaufen’, ahd. bislahan ‘behauen, tüchtig schlagen, fest-, niederschlagen’ (8. Jh.), mhd. beslahen ‘auf etw. schlagen, schlagend bedecken, mit Beschlag belegen, schlagend auf, an etw. befestigen, umschlagen, umschließen’; ein Pferd beschlagen ‘mit Hufeisen versehen’; beschlagen2 Part.adj. ‘gut versehen sein, bewandert in einer Sache, voller Kenntnisse’ (16. Jh.), eigentlich ‘durch (Metall)beschlag fest und dauerhaft’; Beschlag m. ‘Metallstück als Schutz oder Verzierung, Überzug, Hauch’ (15. Jh.), in Beschlag nehmen (17. Jh.), Beschlag auf etw. legen (18. Jh.), mit Beschlag belegen (19. Jh.) ‘etw. oder jmdn. für sich beanspruchen’. einschlagen Vb. ‘hineinschlagen, durch Schlagen zertrümmern, einwickeln, sich in eine bestimmte Richtung erfolgreich entwickeln, gedeihen’ (15. Jh.); einschlägig Adj. ‘in Betracht kommend’ (Ende 18. Jh.). entschlagen Vb. ‘(sich von einer Sache) frei-, losmachen, verzichten’, mhd. entslahen ‘freimachen, aufheben’. nachschlagen Vb. ‘ähnlich werden, nacharten’ (16. Jh.; vgl. mhd. slahen nāch), ‘in einem Buche suchen und nachlesen’ (17. Jh.). überschlagen Vb. ‘ungefähr berechnen, übereinanderlegen (die Beine)’, reflexiv ‘sich überkugeln’, ahd. ubarslahan ‘herausgehen, sich entfernen, vorzüglich sein, übertreffen’ (um 1000), mhd. überslahen ‘schlagend überziehen, beschlagen, überwältigen, besiegen, in Kürze sagen, erzählen, auslassen, ungefähr berechnen, schätzen, überlegen’. umschlagen Vb. ‘umlegen, umbiegen, zu Boden schlagen, ringsum bedecken, sich ändern (vom Wetter)’, mhd. umbeslahen ‘umgeben, -fassen, -zingeln, niederschlagen, Umschweife machen, sich verbreiten’; Umschlag m. ‘Hülle, Umhüllung, Änderung, umgeschlagener Rand’, auch (seit 17. Jh.) als medizinische Heilpackung, kaufmännisch ‘Umsatz, Vertrieb von Waren’ (16. Jh., nach mnd. ummeslach), mhd. umbeslac ‘Umhüllung, Wendung, Umkehr, Ausflucht’. unterschlagen Vb. ‘unrechtmäßig zurückbehalten, veruntreuen, verheimlichen’, mhd. underslahen ‘beiseite legen, abseits setzen, verbergen, aufgeben, niederschlagen, unterdrücken, überwinden, übertreffen’. verschlagen Vb. ‘mit Brettern abteilen, schließen, versehentlich umblättern, durch widrige Umstände an einen ungewollten Ort gelangen (lassen)’, ahd. firslahan ‘erschlagen, töten, verschließen’ (8. Jh.), mhd. verslahen ‘zerschlagen, verwunden, töten, abhauen, auseinanderschlagen, vertreiben, zurückweisen, wegnehmen, beschmutzen, durch Verschlag absperren’, reflexiv ‘sich verstecken, beschmutzen, entfernen’; verschlagen Part.adj. ‘listig, undurchsichtig, durchtrieben’ (15. Jh.), eigentlich ‘seine Pläne nicht bekanntgebend, versteckend, zurückhaltend’; Verschlag m. ‘durch Bretter(wände) abgetrennter Raum, abtrennende Bretterwand’ (18. Jh.). vorschlagen Vb. ‘einen Plan vorlegen, einen Rat geben und zur Erwägung anbieten’, ahd. furislahan ‘vorher-, vorwegnehmen’ (8. Jh.), mhd. vürslahen ‘treiben, im Übergewicht sein, veranschlagen, rechnen’; Vorschlag m. ‘zu erwägender Rat, Plan, Lehrsatz’ (16. Jh.), mhd. vürslac ‘erster Schlag, Befestigung, einschließende Belagerung, Berechnung als Vorlage’. schlagfertig Adj. ‘bereit zum Losschlagen’ (18. Jh.), ‘um keine Antwort verlegen, witzig’ (19. Jh.). Schlaglicht n. ‘heller Lichtstrahl zum Hervorheben eines einzelnen Gegenstandes’ (18. Jh.), häufig in der Malerei. Schlagschatten m. ‘von einer Person oder einem Gegenstand geworfener, scharf umrissener Schatten’ (18. Jh.). Schlagseite f. ‘Schräglage (eines Schiffs)’ (17. Jh.). Schlagwort n. ‘(schmerzlich) treffendes Wort, prägnanter Ausdruck zur Kennzeichnung einer Zeiterscheinung, Bühnenstichwort’ (18. Jh.), im Bibliothekswesen ‘Stichwort, Kennwort’. Schlagzeile f. ‘hervorgehobene, deutlich gemachte Überschrift’ (um 1880). Schlagzeug n. ‘Ensemble von Schlaginstrumenten’ (20. Jh.); zuvor ‘Geräte zum Einschlagen bzw. zum Beschlagen von Bauteilen’ (16. Jh.). Schlager m. ‘aktuelle, beim Publikum ein- bzw. durchschlagende Musiknummer’, aufgekommen (1881) als Ausdruck der Musikkritik, durch die Tagespresse verbreitet; dann auf andere besonders aktuelle und wirkungsvolle Erscheinungen (Buch, Theaterstück, eine reißend abgehende Ware) übertragen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Motto · ↗Parole · ↗Phrase · Schlagwort · ↗Stichwort
Unterbegriffe
  • dieses für das  ●  quid pro quo  lat.
Synonymgruppe
Schlagwort · ↗Spruch · ↗Werbespruch  ●  ↗Slogan  Hauptform · ↗Claim (werbesprachlich)  fachspr., engl., Jargon
Assoziationen
Computer
Synonymgruppe
Deskriptor · Schlagwort
Synonymgruppe
(politisches) Schlagwort · ↗Kampfbegriff · ↗Kollektivsymbol · ↗Reizvokabel
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Allgemeinplatz · ↗Banalität · ↗Binsenwahrheit · ↗Binsenweisheit · ↗Floskel · ↗Gemeinplatz · Gerede ohne tiefere Bedeutung · ↗Klischee · ↗Phrase · ↗Plattitüde · Schlagwort · ↗Sprachhülse · ↗Stammtischweisheit · ↗Trivialität · einfache Formel · leeres Gerede · nichts sagende Redensart · nichtssagende Redensart  ●  ↗Platitude  franz. · ↗Sprechblase (journal.)  fig. · ↗(nur so ein) Spruch  ugs. · ↗Binse  ugs. · flotter Sager  ugs., österr. · flotter Spruch  ugs. · leeres Stroh (dreschen)  ugs. · sinnentleerte Chiffre  geh.
Assoziationen
Computer
Synonymgruppe
Etikett · ↗Kennzeichnung · Schlagwort · ↗Zusatzinformation  ●  ↗Auszeichnung (Informatik)  fachspr. · Markup  fachspr., engl. · ↗Tag (Informatik)  fachspr., engl., Jargon, Hauptform
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Schlagwort · ↗Schlüsselwort  ●  ↗Keyword (Online-Marketing)  fachspr., Jargon, engl.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Globalisierung Leitkultur Phrase Politikverdrossenheit abgegriffen abgenutzt beliebt bloß demagogisch einprägsam gebraucht geistern griffig gängig hohl inhaltsleer lauten modisch populär prägen strapaziert umreißen umschreiben verbergen verwendet vielzitiert werbewirksam wohlfeil wohlklingend zusammenfassen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schlagwort‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und trotzdem wird man ihr mit derlei Schlagworten nicht gerecht.
Der Tagesspiegel, 10.07.1998
Und deswegen will ich mich auch nicht mit irgendwelchen Schlagworten einengen lassen.
Süddeutsche Zeitung, 16.05.1998
Und dieses einzige Schlagwort soll es gewesen sein, zauberkräftig genug, um sie davon abzuhalten, sich gegenseitig umzubringen?
Strauß, Botho: Der junge Mann, München: Hanser 1984, S. 96
Hier erregte das Schlagwort »Neue Musik« seinen charakteristisch erbitterten Zorn.
Austin, William W.: Neue Musik. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1979], S. 43415
Politische Freiheit ist ein Schlagwort geworden, das niemand ungestraft verlachen darf.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 26579
Zitationshilfe
„Schlagwort“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schlagwort>, abgerufen am 23.02.2019.

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