Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Schlange, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schlange · Nominativ Plural: Schlangen
Aussprache 
Worttrennung Schlan-ge
eWDG

Bedeutungen

1.
in zahlreichen Arten vorkommendes, oft giftiges, langgestrecktes, beinloses, wechselwarmes Kriechtier mit einem sehr beweglichen Kopf und einer langen, dünnen, gespaltenen Zunge
Beispiele:
(un)giftige, harmlose Schlangen
eine glänzende, züngelnde, sich ringelnde Schlange
eine Schlange schlängelt sich, windet sich durch das Gras
eine Schlange kroch aus dem Wasser
eine Schlange hat ihn gebissen
sich winden, krümmen wie eine Schlange (= sich sehr winden, krümmen)
sie ist falsch, listig, klug wie eine Schlange (= sehr falsch, listig, klug)
biblischseid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben
sprichwörtlicheine Schlange an seinem Busen nähren (= jmdm. Gutes erweisen, der sich später undankbar und als hinterhältiger Gegner zeigt)
2.
abwertend heimtückische, hinterhältige Frau
Beispiele:
sie ist eine listige Schlange
so eine gemeine, heimtückische, hinterlistige Schlange!
Schlange, du lügst. Dich fesselt was anders hier [ SchillerKabaleIII 4]
3.
übertragen Dinge, die einer Schlange äußerlich ähnlich sind
a)
umgangssprachlich (lange) Reihe dicht hintereinander stehender, wartender Menschen
Beispiele:
an der Kasse stand, bildete sich eine lange, endlose Schlange
eine Schlange von (wartenden) Menschen
die Schlange vor dem Geschäft, Fahrkartenschalter wuchs, wurde immer länger, rückte vor
in einer Schlange (an)stehen
sich in eine Schlange einreihen
Schlange stehenin einer langen Reihe dicht hintereinander stehender Menschen warten
Beispiel:
die Leute standen nach Eintrittskarten Schlange
b)
umgangssprachlich Reihe dicht hintereinander fahrender oder wartender Fahrzeuge, meist Autos
Beispiel:
eine lange Schlange von Fahrzeugen
c)
Technik schlangenförmig gekrümmtes Rohr in Heizanlagen und Kühlanlagen
d)
historisch, Militär vom 15. bis 17. Jahrhundert verwendetes Geschütz mit kleinem Kaliber, aber sehr langem Rohr für Eisenkugeln
e)
schlangenförmiger, spiralförmig gewundener Papierstreifen, Papierschlange
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schlange · schlängeln
Schlange f. Der Name des Kriechtieres ahd. slango m. (9. Jh.), mhd. slange m. (md. f.) ‘Schlange, Drache’, auch ‘Teufel’, asächs. slango m., mnd. slange m. f., mnl. slanghe m. f., nl. slang f. steht im Ablaut zu dem unter schlingen1 (s. d.) behandelten Verb in seiner Bedeutung ‘sich schlängelnd winden, kriechen’. Er verdrängt (als Tabuwort?) alte Bezeichnungen wie Natter, Unke, Wurm (s. d.). Fem. Genus setzt sich mit Luthers Bibelübersetzung durch. Die Schlange gilt seit alters wegen ihrer kriechenden Fortbewegung, ihres giftigen Bisses, der Fähigkeit, kleine Tiere gleichsam zu hypnotisieren, sowie auf Grund der biblischen Erzählung vom Sündenfall als ein listiges, verschlagenes, falsches Wesen, vgl. klug wie eine Schlange, falsche, giftige Schlange ‘hinterlistiger, unaufrichtiger Mensch’, auch ‘böse, hinterlistige Frau’, eine Schlange an seinem Busen ziehen, nähren ‘für erwiesene Wohltaten Undank ernten’; vgl. ferner (wie eine oder in einer) Schlange stehen ‘in langer (gewundener) Reihe nach etw. anstehen’ (20. Jh.). schlängeln Vb. ‘sich wie eine Schlange in Windungen fortbewegen’ (17. Jh.), seit dem 18. Jh. reflexiv.

Thesaurus

Synonymgruppe
Reihe · Schlange · Warteschlange
Assoziationen
Zoologie
Synonymgruppe
Schlange [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Furie · Zicke · zänkisches Weib  ●  Besen  ugs. · Drachen  ugs. · Gewitterziege  ugs. · Giftnudel  ugs. · Hausdrachen  ugs. · Hippe  ugs. · Kratzbürste  ugs. · Krähe  ugs. · Meckertante  ugs. · Meckerziege  ugs. · Megäre  geh., bildungssprachlich · Schlange  ugs. · Xanthippe  geh. · Zimtzicke  ugs., ruhrdt. · Zippe  ugs. · boshaftes Weibsstück  ugs. · feuerspeiender Drache  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Fahrzeugkolonne · Kolonne · Schlange  ●  Karawane (von Fahrzeugen)  fig. · Konvoi  geh.

Typische Verbindungen zu ›Schlange‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schlange‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schlange‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Äskulapstab mit der Schlange gilt als Symbol ärztlicher Kunst. [Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 50]
Eine schöne Schlange hast du da in mein Haus gebracht. [Funke, Cornelia: Tintenherz, Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 140]
Dieses Packen der Schlange schildern die amerikanischen Forscher als eine unglaublich aufregende Handlung. [Warburg, Aby Moritz: Schlangenritual, Berlin: Wagenbach 1996 [1923], S. 34]
Die Läden, so scheint es, sind voller Waren, niemand steht mehr Schlange. [Der Spiegel, 24.07.1995]
Mit dem Symbol der Schlange hat sich beispielsweise ausführlich Hans Egli (1982) befaßt. [Scheidt, Jürgen vom: Traum. In: Asanger, Roland u. Wenninger, Gerd (Hgg.) Handwörterbuch Psychologie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1980], S. 3577]
Zitationshilfe
„Schlange“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schlange>.

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