Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Schlepper, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schleppers · Nominativ Plural: Schlepper
Aussprache  [ˈʃlɛpɐ]
Worttrennung Schlep-per
Wortzerlegung schleppen -er
Wortbildung  mit ›Schlepper‹ als Letztglied: Ackerschlepper · Allradschlepper · Ballschlepper · Bugsierschlepper · Dampfschlepper · Gedingeschlepper · Hafenschlepper · Hochseeschlepper · Kettenschlepper · Motorschlepper · Radschlepper · Raupenschlepper · Sattelschlepper
eWDG und DWDS

Bedeutungen

1.
Fahrzeug, das andere Fahrzeuge schleppt
Beispiele:
ein großer, leistungsstarker Schlepper
der Schlepper (= der Schleppdampfer) zog die Kähne stromauf
ein Schlepper (= eine Zugmaschine) für die Landwirtschaft
2.
Synonym zu SchleppliftDWDS
Beispiele:
Im Skigebiet bis fast 1.800 Meter Höhe surren ein weiterer Sessellift, ein langer Schlepper und zwei Übungslifte; nennenswerte Wartezeiten sind selten. [Süddeutsche Zeitung, 27.12.1996]
Nun surren elf moderne Sessellifte und ebenso viele Schlepper auf den sechs bewaldeten Hügeln rund um den Kahlen Asten. [Der Spiegel, 10.01.2014 (online)]
Im Galzig‑Valuga‑Gebiet liften rund zwanzig »technische Aufstiegshilfen« stündlich 12.000 Pistensüchtige auf die Schneefelder; allein in Bayern werden in dieser Skisaison 120 TÜV‑geprüfte Schlepplifte neu zugelassen und die Stundenkapazität mit den bereits vorhandenen 820 Schleppern auf rund 70.000 beförderte Personen erweitert. [Die Zeit, 25.12.1970]
3.
Bergmannssprache jmd., der das Fördergut in Hunden zum Füllort bringt
Beispiel:
Dann geht Blemska mit seinem Schlepper Balko auf die Strecke […] [ StrittmatterOchsenkutscher222]
4.
umgangssprachlich, abwertend Person, die Flüchtlingen gegen Bezahlung bei der Reise oder beim (illegalen) Übertritt in ein anderes Land hilftDWDS
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: gewissenlose, skrupellose, kriminelle, professionelle Schlepper
als Dativobjekt: sich einem Schlepper anvertrauen
in Präpositionalgruppe/-objekt: von Schleppern geschleust, ausgesetzt werden
in Koordination: Schlepper und Schleuser, Menschenhändler
Beispiele:
Am 3. Oktober 2013 ertrinken wenige Hundert Meter vor der Insel 380 Flüchtlinge. Sie sind aller Wahrscheinlichkeit nach von Schleppern in der libyschen Stadt Misrata eingeschifft worden. [Die Zeit, 16.02.2014]
Rund 1.500 Dollar verlangen die Schlepper, um eine Person nach Europa zu bringen. [Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2015]
Nur mit modernen Gesetzen könnten Menschen davon abgehalten werden, »sich unmoralischen Schleppern auszuliefern, die aus ihrer Hoffnungslosigkeit ein Geschäft machen«. [Der Spiegel, 14.10.2013 (online)]
[…] Der Trick der Schlepper: Sie ließen die Asylanten insgesamt 20.000 Mark Sozialhilfe abkassieren und preßten ihnen das Geld hernach wieder ab. [Die Zeit, 30.05.1980]
5.
meist abwertend Person, die gegen Provision einem (unseriösen) Unternehmen Kunden, Arbeiter o. Ä. zuführtDWDS
Kollokationen:
in Koordination: Nepper und Schlepper
Beispiele:
Überall stehen Schlepper im Weg und drücken uns Zettel mit Adressen von Nachtclubs, Striptease‑Shows oder Begleitservices in die Hand. Auf die Dauer ist das einfach nur lästig. [Die Zeit, 04.09.2006]
Doch die Zahl der gewerbsmäßigen Schlepper, die gegen eine Vermittlungsgebühr ganze Kolonnen von Arbeitern für Straßenbaustellen oder Hochbauarbeiten abholen, ist nach Auskunft der Polizei in den vergangenen Jahren zurückgegangen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2005]
Angesichts solchen Eifers fällt eine Unsitte auf, die sich seit einiger Zeit auch in Singapur ausbreitet: Die belästigende Aufdringlichkeit von Schleppern und Anreißern, die[…] Touristen mit Zerren, Schieben und muskulösem Nachdruck in die Geschäfte ihrer Arbeitgeber befördern wollen. [Die Zeit, 12.05.1978]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schleppen · schleppend · Schleppe · Schlepper · Schlepptau
schleppen Vb. ‘auf dem Boden nachziehen, mühsam forttragen, fortziehen’, reflexiv ‘sich mit Anstrengung bewegen’. Mnd. slēpen ‘schleppen, schleifen’, die nd. Form des unter schleifen2 (s. d.) behandelten Verbs, wird im 13. Jh. in die Sprache der Deutschordensliteratur übernommen (vielleicht schon damals mit Kürzung des Stammvokals) und über das Md. weiter verbreitet. – schleppend Part.adj. ‘langsam, ohne Schwung’ (vgl. mnd. slēpen in seinen Bedeutungen ‘langsamen Schrittes gehen’, übertragen ‘langsamen Fortgang haben’), z. B. schleppendes Geschäft (17. Jh.), schleppende Schreibart, Sprache (18. Jh.), schleppender Gang (19. Jh.). Schleppe f. ‘hinten lang auslaufender Teil eines Rockes, Kleides’ (17. Jh.), unter lautlicher Anlehnung an das Verb aus nd. Slēpe, Sleep (vgl. mnd. slēpehoyke ‘langer, schleppender Mantel’). Die Mode, eine Schleppe zu tragen, entsteht im 12. Jh., dafür mhd. swanz, swenzelīn, swenzel ‘Schleppe, Schleppkleid’. Schlepper m. ‘wer schleppt’ (17. Jh.), ‘Schlepptau’ (18. Jh.), ‘Schiff, das andere (stromaufwärts) zieht, Schleppdampfer’ (19. Jh.), ‘Traktor’ (20. Jh.), nd. Slepper. Schlepptau n. ‘Tau zum Ziehen von Schiffen, von Lasten’ (18. Jh.); jmdn. ins Schlepptau nehmen ‘sich jmds. annehmen, ihm helfen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Schifffahrt
Synonymgruppe
Schleppdampfer · Schlepper · Schleppkahn
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Bulldog · Schlepper · Traktor · Trecker · Zugmaschine
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Fluchthelfer  ●  Menschenschmuggler  abwertend · Schlepper  abwertend · Schleuser  abwertend
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Marktschreier  ●  Schlepper  ugs.
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl. · unangenehmer Patron  ugs., männl.

Typische Verbindungen zu ›Schlepper‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schlepper‹.

Zitationshilfe
„Schlepper“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schlepper>.

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