Schlepper, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schleppers · Nominativ Plural: Schlepper
Aussprache
WorttrennungSchlep-per
Wortzerlegungschleppen-er
Wortbildung mit ›Schlepper‹ als Letztglied: ↗Ackerschlepper · ↗Allradschlepper · ↗Ballschlepper · ↗Gedingeschlepper · ↗Hafenschlepper · ↗Hochseeschlepper · ↗Kettenschlepper · ↗Motorschlepper · ↗Radschlepper · ↗Raupenschlepper · ↗Sattelschlepper
eWDG, 1976 und WDG/DWDS, 2015

Bedeutungen

1.
Fahrzeug, das andere Fahrzeuge schleppt
Beispiele:
ein großer, leistungsstarker Schlepper
der Schlepper (= der Schleppdampfer) zog die Kähne stromauf
ein Schlepper (= eine Zugmaschine) für die Landwirtschaft
2.
Schlepplift, der Personen auf Skiern auf Schnee den Berg hinaufziehtQuelle: DWDS, 2015
Beispiele:
Im Skigebiet bis fast 1800 Meter Höhe surren ein weiterer Sessellift, ein langer Schlepper und zwei Übungslifte; nennenswerte Wartezeiten sind selten. [Süddeutsche Zeitung, 27.12.1996]
Nun surren elf moderne Sessellifte und ebenso viele Schlepper auf den sechs bewaldeten Hügeln rund um den Kahlen Asten. [Spiegel, 10.01.2014 (online)]
Im Galzig-Valuga-Gebiet liften rund zwanzig »technische Aufstiegshilfen« stündlich 12000 Pistensüchtige auf die Schneefelder; allein in Bayern werden in dieser Skisaison 120 TÜV-geprüfte Schlepplifte neu zugelassen und die Stundenkapazität mit den bereits vorhandenen 820 Schleppern auf rund 70000 beförderte Personen erweitert. [Die Zeit, 25.12.1970, Nr. 52]
3.
Bergmannssprache jmd., der das Fördergut in Hunden zum Füllort bringt
Beispiel:
Dann geht Blemska mit seinem Schlepper Balko auf die Strecke [StrittmatterOchsenkutscher222]
4.
abwertend Person, die Flüchtlingen gegen Bezahlung bei der Reise oder beim (illegalen) Übertritt in ein anderes Land hilftQuelle: DWDS, 2015
Beispiele:
Am 3. Oktober 2013 ertrinken wenige Hundert Meter vor der Insel 380 Flüchtlinge. Sie sind aller Wahrscheinlichkeit nach von Schleppern in der libyschen Stadt Misrata eingeschifft worden. [Die Zeit, 16.02.2014, Nr. 07]
Rund 1500 Dollar verlangen die Schlepper, um eine Person nach Europa zu bringen. [Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2015]
Nur mit modernen Gesetzen könnten Menschen davon abgehalten werden, "sich unmoralischen Schleppern auszuliefern, die aus ihrer Hoffnungslosigkeit ein Geschäft machen". [Spiegel, 14.10.2013 (online)]
[…] Der Trick der Schlepper: Sie ließen die Asylanten insgesamt 20000 Mark Sozialhilfe abkassieren und preßten ihnen das Geld hernach wieder ab. [Die Zeit, 30.05.1980, Nr. 23]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: gewissenlose, skrupellose, kriminelle, professionelle Schlepper
als Dativobjekt: sich einem Schlepper anvertrauen
in Präpositionalgruppe/-objekt: von Schleppern geschleust, ausgesetzt werden
in Koordination: Schlepper und Schleuser, Menschenhändler
5.
(meist) abwertend Person, die gegen Provision einem (unseriösen) Unternehmen Kunden, Arbeiter o. Ä. zuführtQuelle: DWDS, 2015
Beispiele:
Überall stehen Schlepper im Weg und drücken uns Zettel mit Adressen von Nachtclubs, Striptease-Shows oder Begleitservices in die Hand. Auf die Dauer ist das einfach nur lästig. [Die Zeit, 04.09.2006, Nr. 36]
Doch die Zahl der gewerbsmäßigen Schlepper, die gegen eine Vermittlungsgebühr ganze Kolonnen von Arbeitern für Straßenbaustellen oder Hochbauarbeiten abholen, ist nach Auskunft der Polizei in den vergangenen Jahren zurückgegangen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2005]
Angesichts solchen Eifers fällt eine Unsitte auf, die sich seit einiger Zeit auch in Singapur ausbreitet: Die belästigende Aufdringlichkeit von Schleppern und Anreißern, die […] Touristen mit Zerren, Schieben und muskulösem Nachdruck in die Geschäfte ihrer Arbeitgeber befördern wollen. [Die Zeit, 12.05.1978, Nr. 20]
Kollokation:
in Koordination: Nepper und Schlepper

Den originalen WDG-Artikel können Sie hier anschauen.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schleppen · schleppend · Schleppe · Schlepper · Schlepptau
schleppen Vb. ‘auf dem Boden nachziehen, mühsam forttragen, fortziehen’, reflexiv ‘sich mit Anstrengung bewegen’. Mnd. slēpen ‘schleppen, schleifen’, die nd. Form des unter ↗schleifen (s. d.) behandelten Verbs, wird im 13. Jh. in die Sprache der Deutschordensliteratur übernommen (vielleicht schon damals mit Kürzung des Stammvokals) und über das Md. weiter verbreitet. schleppend Part.adj. ‘langsam, ohne Schwung’ (vgl. mnd. slēpen in seinen Bedeutungen ‘langsamen Schrittes gehen’, übertragen ‘langsamen Fortgang haben’), z. B. schleppendes Geschäft (17. Jh.), schleppende Schreibart, Sprache (18. Jh.), schleppender Gang (19. Jh.). Schleppe f. ‘hinten lang auslaufender Teil eines Rockes, Kleides’ (17. Jh.), unter lautlicher Anlehnung an das Verb aus nd. Slēpe, Sleep (vgl. mnd. slēpehoyke ‘langer, schleppender Mantel’). Die Mode, eine Schleppe zu tragen, entsteht im 12. Jh., dafür mhd. swanz, swenzelīn, swenzel ‘Schleppe, Schleppkleid’. Schlepper m. ‘wer schleppt’ (17. Jh.), ‘Schlepptau’ (18. Jh.), ‘Schiff, das andere (stromaufwärts) zieht, Schleppdampfer’ (19. Jh.), ‘Traktor’ (20. Jh.), nd. Slepper. Schlepptau n. ‘Tau zum Ziehen von Schiffen, von Lasten’ (18. Jh.); jmdn. ins Schlepptau nehmen ‘sich jmds. annehmen, ihm helfen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Schifffahrt
Synonymgruppe
Schleppdampfer · Schlepper · ↗Schleppkahn
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Bulldog · Schlepper · ↗Traktor · ↗Trecker · ↗Zugmaschine
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Artillerieschlepper · Artillerietraktor · Artilleriezugmaschine
  • Einachser · Einachsschlepper · Einachstraktor
Synonymgruppe
Fluchthelfer · Menschenschmuggler · Schlepper · ↗Schleuser
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Girrmann-Gruppe · Unternehmen Reisebüro
Synonymgruppe
Marktschreier  ●  Schlepper  ugs.
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  ↗Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Barkasse Bauernfänger Dampfer Erntemaschine Fahrgeschwindigkeit Kahn Landmaschine Lastkahn Liegeplatz Lotse Menschenhändler Mähdrescher Nepper Pflug Schlauchboot Schleuser Schmuggler Schnellboot Schute Sessellift Trosse Zuhälter bugsieren einschleusen flottmachen freischleppen gewissenlos losreißen schleusen skrupellos

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schlepper‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zunächst will das WSA das Wrack mit Hilfe eines Schleppers auf Position halten.
Die Welt, 08.12.2005
Auf dem Haken eines Schleppers ist sie jetzt unterwegs zur Elbe.
Bild, 27.02.2001
Ein Schlepper zog stromabwärts, an langen Seilen vier schwer beladene Kähne hinter sich.
Kreuder, Ernst: Die Gesellschaft vom Dachboden, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1978 [1946], S. 51
Der Schlepper zog sie nur kurze Zeit; dann ging es mit eigener Kraft.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1929. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1929], S. 74
Nachstehend sollen auch für diese Schlepper die wichtigsten technischen Daten mitgeteilt werden.
o. A.: Ratgeber für den Feingemüsebau im Freiland, Berlin: VEB Dt. Landwirtschaftsverl 1962, S. 56
Zitationshilfe
„Schlepper“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schlepper>, abgerufen am 17.02.2019.

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