Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Schleuse, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schleuse · Nominativ Plural: Schleusen
Aussprache 
Worttrennung Schleu-se
Wortbildung  mit ›Schleuse‹ als Erstglied: Schleusenkammer · Schleusenkanal · Schleusenschacht · Schleusentor · Schleusentreppe · Schleusenwärter
 ·  mit ›Schleuse‹ als Letztglied: Ablass-Schleuse · Ablassschleuse · Deichschleuse · Gasschleuse · Hafenschleuse · Kanalschleuse · Luftschleuse · Schallschleuse · Schiffsschleuse · Sicherheitsschleuse
 ·  mit ›Schleuse‹ als Grundform: schleusen
eWDG

Bedeutungen

1.
Technik Anlage zur Regulierung des Wassers
a)
Klappe, Tor zum Anstauen oder Freigeben des Wassers
Beispiele:
die Schleusen eines Stausees, Teiches, Flusses
die Schleuse öffnen, ziehen, schließen
bei der Sturmflut brachen die Schleusen des Deiches
bildlich
Beispiele:
spöttischdie Schleusen seiner Beredsamkeit ziehen (= viel und lange zu reden beginnen)
die Schleusen des Himmels öffneten sich (= es regnete stark)
b)
zwischen zwei Wasserstraßen mit unterschiedlicher Höhe der Wasserspiegel befindliche Anlage, wobei ein Schiff durch ein Tor in eine Kammer gelangt, in der durch Füllung oder Entleerung das Schiff auf den erforderlichen Wasserspiegel gehoben oder gesenkt werden kann
Beispiele:
die Schleusen eines Kanals
die Tore der Schleuse öffnen, schließen
in eine Schleuse einfahren
aus einer Schleuse ausfahren
Dann wurden wir in den Schleusen [des Panamakanals] emporgehoben [ WeitendorfLogbuch134]
c)
Stelle, wo die Abwässer auf Straßen und Plätzen in unterirdische Kanäle, Rohre abgeleitet werden
Beispiel:
die Schleusen konnten das viele Regenwasser kaum fassen
2.
abgetrennter Raum, in dem jmd., um Schädigungen, Infektionen zu verhindern, mit Schutzkleidung versehen wird, ehe er andere Räume betreten darf
Beispiele:
die Arbeitsräume des chemischen Labors sind durch Schleusen voneinander getrennt
Erst nach dem Passieren einer aseptischen Schleuse … dürfen Arzt und Pflegepersonal auf diese Station [von Frühgeburten] [ Gesundheit1960]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schleuse · schleusen · durchschleusen
Schleuse f. ‘Anlage zum Absperren eines Wasserlaufs’ (zur Überwindung von Höhenunterschieden in der Flußschiffahrt) wird im 16. Jh. aus mnd. slǖse ‘Anlage zum Stauen von Wasser’ in die Literatursprache aufgenommen und lautlich dem Hd. angeglichen. Mnd. slūse (so zuerst 1237 in einer Hamburger Urkunde), slǖse ist eine Entlehnung von mnl. slūse, sluise (nl. sluis), einem Wort, das die die Hamburger Marschen trockenlegenden Holländer dem Nd. vermitteln. Es stammt aus dem Ausdruck der Wasserbautechnik mlat. sclusa, exclusa, spätlat. exclūsa ‘Damm, Wehr’ (woraus auch afrz. escluse, frz. écluse ‘Schleuse’), dem substantivierten fem. Part. Perf. von lat. exclūdere (exclūsum) ‘ausschließen, abweisen, hindern’. Die oft auftretende Schreibung Schleuße (noch im 19. Jh.) bringt das Substantiv irrig mit schließen in Verbindung. schleusen Vb. durchschleusen Vb. ‘ein Schiff durch eine Schleuse befördern’, übertragen ‘durch Hindernisse bringen, geleiten’ (beide 19. Jh.).

Thesaurus

Schifffahrt
Synonymgruppe
Schifffahrtsschleuse · Schiffsschleuse · Schleuse
Oberbegriffe
  • Abstiegsbauwerk · Aufstiegsbauwerk

Typische Verbindungen zu ›Schleuse‹ (berechnet)

Elbe-lübeck-kanal Nord-ostsee-kanal Opelvilla Stausee brunsbütteler charlottenburger eddersheimer griesheimer großkrotzenburger haster hollageer holtenauer kesselstädter kleinmachnower kostheimer krotzenburger machnower mellingburger mühlheimer nesserlander oeffnen passieren poppenbütteler poppenbüttler spandauer tatenberger woltersdorfer öffnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schleuse‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schleuse‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um halb neun wollte sie noch einmal zur Schleuse rudern. [Johnson, Uwe: Ingrid Babendererde, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1985, S. 49]
Sie mußten nun jeden Morgen das Eis vor der Schleuse aufhacken. [Preußler, Otfried: Krabat, Stuttgart: Thienemann o.J. [1995] [1971], S. 26]
Hinter der Schleuse glaubt er ein starkes Rauschen zu hören. [C't, 1997, Nr. 4]
Kai nahm alle Kraft zusammen, und er erreichte die Schleuse. [C't, 1993, Nr. 4]
Ausgerechnet sie hätten am meisten unter der erweiterten Schleuse zu leiden. [Die Zeit, 25.03.1999, Nr. 13]
Zitationshilfe
„Schleuse“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schleuse>.

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