Schlips, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schlipses · Nominativ Plural: Schlipse
Aussprache
Wortbildung mit ›Schlips‹ als Erstglied: ↗Schlipshalter · ↗Schlipsnadel  ·  mit ›Schlips‹ als Letztglied: ↗Seidenschlips
eWDG, 1976

Bedeutung

Binder, Krawatte
Beispiele:
ein grüner, schwarzer, gestreifter Schlips
den Schlips umbinden, abbinden, zurechtrücken, geraderücken
keinen Schlips tragen
zur Feier des Tages trug er einen seidenen Schlips
wegen der Hitze hatte er keinen Schlips umgebunden
umgangssprachlichwegen der Hitze hatte er keinen Schlips um
salopp, bildlich
Beispiele:
sich auf den Schlips getreten fühlen (= sich beleidigt, gekränkt fühlen)
er fühlt sich bei der kleinsten Kleinigkeit auf den Schlips getreten
jmdn. am Schlips fassen, beim Schlips nehmen (= mit jmdm. eindringlich über etw. reden, jmdn. energisch auf etw. hinweisen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schlips m. ‘zu knotende schmale Halsbinde mit herabhängenden Enden’. Die seit etwa 1840 in nordd., dann auch md. Texten in diesem Sinne nachgewiesene Bezeichnung kommt aus dem Nd., die Mode selbst aus England; vgl. engl. (neck)tie, eigentlich ‘Halsknoten’. Schlips ist ursprünglich die nordd. Pluralform (‘die Zipfel, die Enden’) zu nd. Slip(p) ‘Zipfel’ (an Hemd, Taschentuch, Rock), das sich mit mnd. mnl. slippe, nl. slip ‘Zipfel von Halstuch oder Rockschoß’, mnd. mnl. slippen ‘zerreißen, schlitzen’ (alle Formen mit expressivem -pp-) sowie aengl. (stark) tōslīfan ‘spalten’, engl. sliver ‘Splitter, Span’, mnd. slēf ‘hölzerner Kochlöffel’ an ie. *skleip-, eine Labialerweiterung der unter ↗Schale, ↗Schale, ↗Schild, ↗verschleißen (s. d.) aufgeführten Wurzel ie. *(s)kel- ‘schneiden’ anschließen läßt. Redensartlich jmdn. beim Schlips nehmen ‘ihm eindringlich zureden, ins Gewissen reden’, mnd. bī der slippen (‘bei einem Zipfel der Kleidung, beim Rockschoß’) nēmen als symbolische Rechtshandlung ‘jmdn. rechtlich fordern’; jmdm. auf den Schlips treten ‘ihn beleidigen’, eigentlich ‘auf die Rockschöße treten’ (umgangssprachlich belegt nach 1900, doch wohl älter).

Thesaurus

Synonymgruppe
Binder · Halsbinder · ↗Krawatte · Langbinder · Schlips  ●  ↗Ehrbarkeit (Zimmermann)  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktenkoffer Aktentasche Anzug Dreiteiler Fliege Hemd Hosenträger Jackett Krage Kragen Nadelstreifen Oberhemd Sakko Scheitel Socke abbinden abgeschnitten dunkelblau gelockert gemustert gestreift kariert knallrot seiden umbinden umhaben wehend weinrot zurechtrücken zurechtziehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schlips‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da ließ sich auch aus dem scheußlichsten Schlips noch was machen.
Bild, 29.12.1999
Auch sah ich mit meinen eigenen Augen ein menschliches Wesen, das trug zum Smoking einen weißen Schlips.
Tucholsky, Kurt: Der Sultan im Theater. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1926], S. 7845
Ein Herr knöpft sich den Kragen zu und zieht den Schlips fest.
Kunert, Guenter: Im Namen der Huete. Muenchen: Carl Hanser Verlag, 1967, S. 255
Bleib ruhig, ich wollte dir nicht auf den Schlips treten, Mann.
Rothmann, Ralf: Stier, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1991 [1991], S. 176
Wer jemandem auf den Schlips tritt, behindert ihn am Fortkommen oder bringt ihn gar zu Fall.
Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 73
Zitationshilfe
„Schlips“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schlips>, abgerufen am 21.11.2019.

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