Schlund, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schlund(e)s · Nominativ Plural: Schlünde
Aussprache
Wortbildung mit ›Schlund‹ als Erstglied: ↗Schlundsonde  ·  mit ›Schlund‹ als Letztglied: ↗Gierschlund
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
mit Schleimhaut ausgekleideter, unmittelbar an Mundhöhle und Nasenhöhle anschließender, sich bis zur Mündung der Speiseröhre und Luftröhre erstreckender Raum
Grammatik: meist im Singular
a)
bei Tieren
Beispiele:
der weite Schlund eines Raubtiers
der Wolf riss den Schlund auf
die Alten kommen mit Nahrung im Schlund, mit prall gefülltem Schlund zum Nest der Jungvögel
b)
salopp, scherzhaft beim Menschen
Beispiele:
jmdm. ist der Schlund trocken
ihm brennt der Schlund
es kratzt ihm im Schlund
jmdm. ist eine Gräte im Schlund steckengeblieben
er stürzte, goss sich [Dativ] ein großes Glas Wein in den Schlund
Stockt dir der Fisch im Schlund? So spül' mit Wein nach [G. KaiserTanakaII]
c)
salopp, abwertend, übertragen
Beispiele:
er hat sein Geld durch den Schlund gejagt (= schnell vertrunken)
jmdm. etw. in den Schlund werfen, schmeißen (= jmdm. etw. überlassen, um ihn zu befriedigen) (= jmdm. etw. nachwerfen)
2.
gehoben, übertragen tiefe, gähnende Öffnung
Beispiele:
der schwarze Schlund einer Höhle, eines Kellereingangs
donnern die Schlünde der Kanonen [JahnnNiederschrift2,91]
tiefer Abgrund, tiefe Schlucht
Beispiele:
dunkle, finstere Schlünde zwischen den Felsen
rauchende Schlünde eines Kraters, Vulkans
gähnender (verderbenbringender) Abgrund
Beispiele:
Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp, / Zu tauchen in diesen Schlund? [SchillerTaucher]
dichterischdes Todes Schlund [Grillp.TraumIII]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schlund m. Verbindung von Mund- und Nasenhöhle mit der Speiseröhre, ‘Rachen’, übertragen ‘tiefe, große Öffnung, Abgrund’, ahd. slunt ‘Schluck, Kehle, Gaumen’ (8. Jh.), mhd. mnd. slunt ‘Schluck, Kehle, Rachen, Kluft, Abgrund, Schwelgerei, Schlemmer’, asächs. slund, mnl. slont, slunt steht im Ablaut zu schlinden, dem unter ↗schlingen ‘schlucken’ (s. d.) behandelten Verb.

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Gurgel · ↗Kehle · Schlund
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beton Hölle Krokodil Mage Müllwagen Rachen Speiseröhre Vulkan Zunge aufgerissen aufreißen auftun dunkel feurig finster gefräßig geöffnet gierig gähnen gähnend hungrig klaffen klaffend rauchend riesig schütten stopfen unergründlich unersättlich verschlucken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schlund‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Bauer versuchte noch, sein Tier aus dem Schlund zu ziehen.
Bild, 05.07.2004
Das Geld drohe in einem riesigen Schlund zu verschwinden, ohne Nutzen, ohne Sinn.
Die Welt, 27.03.2003
Wir verschlangen das Brot erst mit den Augen, dann rutschte es schnell den Schlund hinunter.
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 291
Ein Bild des Friedens und des gemütlichen, behaglichen Daseins auf der Oberfläche und dicht unter derselben sollte der gähnende Schlund des Elends aufklaffen!
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 1124
Wie einen hungrigen Schlund hatte der verschüttete Keller seinen Eingang aufgetan.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1963], S. 84
Zitationshilfe
„Schlund“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schlund>, abgerufen am 15.12.2019.

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