Schlupf, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schlupf(e)s · Nominativ Plural: Schlüpfe · wird meist im Singular verwendet
Aussprache 
Grundform schlüpfen
Wortbildung  mit ›Schlupf‹ als Erstglied: ↗Schlupfloch · ↗Schlupfpforte · ↗Schlupfschuh · ↗Schlupfstiefel · ↗Schlupfwespe · ↗Schlupfwinkel · ↗Schlupfzeit · ↗schlupfreif
 ·  mit ›Schlupf‹ als Binnenglied: ↗Antischlupfregelung · ↗Antriebsschlupfregelung
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Zoologie das Ausschlüpfen
Beispiele:
der Schlupf eines Kükens aus dem Ei
der Schlupf der Libelle aus der Larve
In der Antarktis brüten die Pinguine ihre Eier trotz starker Kälte […] bis zum Schlupf der Jungen aus [ Urania1960]
2.
veraltend Unterschlupf, Zufluchtsort
Beispiel:
ein geheimer, enger Schlupf unter dem Dach
Loch, in oder durch das man schlüpfen kann
Beispiel:
ein Schlupf in einer Hecke
3.
Technik Verlust an wirksamem Vortrieb, der bedingt ist durch Gleiten auf dem Untergrund oder durch Ausweichen des Wassers
Grammatik: nur im Singular
a)
Beispiel:
der Schlupf einer Schiffsschraube
b)
Elektrotechnik Unterschied zwischen der tatsächlichen Drehzahl des rotierenden Teils eines Drehstrommotors und der synchronen Drehzahl des umlaufenden magnetischen Feldes
Beispiele:
der Schlupf von 5 Prozent
den Schlupf berechnen
der Schlupf steigt mit der Belastung des Motors
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlüpfen · schliefen · Schlupf · Durchschlupf · Unterschlupf · Schlüpfer · Schlupfloch · Schlupfwinkel
schlüpfen Vb. ‘sich gleitend (durch enge Öffnungen) fortbewegen, sich schnell und geschmeidig bewegen’, ahd. intsluphen ‘entkommen, entschwinden’ (9. Jh.), frühnhd. entslüpfen, mhd. slüpfen, slupfen, frühnhd. schlupfen ‘schlüpfen, schlürfen’, nhd. schlupfen und schlüpfen ist eine (Doppelkonsonanz aufweisende) Intensivbildung (germ. *slupp(j)an) zu dem im 17. Jh. aus der Literatursprache verschwundenen, heute nur noch in der Jägersprache üblichen stark flektierenden Verb schliefen ‘in den Fuchs- oder Dachsbau kriechen’, ahd. sliofan (9. Jh.), mhd. sliefen ‘gleiten, schlüpfen’, mnd. mnl. slūpen, nl. sluipen, aengl. slūpan, got. sliupan ‘schleichen, schlüpfen’ (germ. *sleupan), das sich (wie ↗Schleife, ↗Schlaufe, ↗Schlucht, s. d.) mit lat. lūbricus ‘schlüpfrig, glatt, gleitend’ auf ie. *(s)leubʰ- ‘gleiten, schlüpfen’ zurückführen läßt, eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *(s)leu- ‘gleiten, schlüpfen’ (wozu auch ↗schlau, ↗Schlauch, s. d.). Schlupf m. ‘das Schlüpfen, enger Durchgang, Versteck, Schleife’, spätmhd. slupf ‘das Schlüpfen, Schlupfwinkel, Schlinge, Strick’, heute besonders Grundwort in Komposita wie Durchschlupf m. (um 1600), Unterschlupf m. (16. Jh.). Schlüpfer m. ‘etw., in das man hineinschlüpft, Muff’ (17. Jh.), ‘Damenunterhose’ (20. Jh.). Schlupfloch n. mhd. slupfloch. Schlupfwinkel m. ‘Versteck’ (15. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Schlupf‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schlupf‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schlupf‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Damit wir den Schlupf überhaupt spenden können, müssten wir ihn erst mal finden.
Die Zeit, 06.01.2003, Nr. 01
Auch der zurückgelegte Weg läßt sich über die Radumdrehungen wegen des Schlupfes der Räder nur ungefähr bestimmen.
Süddeutsche Zeitung, 07.04.1994
In das Rembrandtsche Halbdunkel dieses Raumes schleppten wir nun aus allen Winkeln und Schlupfen des Hauses geliehenen, erbettelten, gestohlenen Trödel.
Wohlmuth, Alois: Ein Schauspielerleben, Ungeschminkte Selbstschilderungen von Alois Wohlmuth. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 1280
Zum Schlupf bedürfen die Eier neben der Überflutung mit Wasser bestimmter minimaler Wassertemperaturen.
Grahneis, Heinz u. Horn, Karlwilhelm (Hg.), Taschenbuch der Hygiene, Berlin: Verlag Volk u. Gesundheit 1972 [1967], S. 1008
Bei schlechten Bodenverhältnissen zeigen die Radschlepper oft Funktionsbehinderungen infolge großen Schlupfes.
o. A.: Ratgeber für den Feingemüsebau im Freiland, Berlin: VEB Dt. Landwirtschaftsverl 1962, S. 54
Zitationshilfe
„Schlupf“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schlupf>, abgerufen am 27.09.2020.

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