Schmerz, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schmerzes · Nominativ Plural: Schmerzen
Aussprache
Wortbildung mit ›Schmerz‹ als Erstglied: ↗Schmerzempfindung · ↗Schmerzensausdruck · ↗Schmerzensblick · ↗Schmerzensgeld · ↗Schmerzenskind · ↗Schmerzenslaut · ↗Schmerzensmann · ↗Schmerzensmutter · ↗Schmerzensruf · ↗Schmerzensschrei · ↗Schmerzenszug · ↗Schmerzgefühl · ↗Schmerzgrenze · ↗Schmerzlinderung · ↗Schmerzmittel · ↗Schmerzschwelle · ↗Schmerztablette · ↗Schmerztoleranz · ↗schmerzarm · ↗schmerzbeladen · ↗schmerzempfindlich · ↗schmerzenreich · ↗schmerzensreich · ↗schmerzerfüllt · ↗schmerzfrei · ↗schmerzgeplagt · ↗schmerzhaft · ↗schmerzlich · ↗schmerzlindernd · ↗schmerzlos · ↗schmerzreich · ↗schmerzstillend · ↗schmerzunempfindlich · ↗schmerzvoll
 ·  mit ›Schmerz‹ als Letztglied: ↗Abschiedsschmerz · ↗Bauchschmerz · ↗Druckschmerz · ↗Halsschmerz · ↗Herzschmerz · ↗Kopfschmerz · ↗Kreuzschmerz · ↗Leibschmerz · ↗Mittelschmerz · ↗Ruheschmerz · ↗Rückenschmerz · ↗Seelenschmerz · ↗Todesschmerz · ↗Trennungsschmerz · ↗Weltschmerz · ↗Wundschmerz · ↗Zahnschmerz
eWDG, 1976

Bedeutung

höchst unangenehme Empfindung
a)
höchst unangenehme Empfindung, die im Körper des Menschen durch krankhafte Veränderungen oder schädliche Reize ausgelöst wird
Beispiele:
ein körperlicher, starker, krampfender, stechender, bohrender, brennender, schneidender, ziehender Schmerz
ein feiner Schmerz am Herzen
ein rheumatischer Schmerz im Knie
der Schmerz übermannt jmdn., durchzuckt den ganzen Körper
gehoben der Schmerz flackert auf
heftige grässliche, unerträgliche Schmerzen haben, ertragen, empfinden
die Wunde verursachte große Schmerzen
Schmerzen im Rücken, am Arm
jmds. Schmerzen stillen, betäuben, lindern
seine Schmerzen verbeißen
salopp ich habe bloß so verfluchte Schmerzen im Fuß [RemarqueIm Westen20]
mit Präposition
in Verbindung mit »in«
Beispiel:
eine Frau lag in ihren Schmerzen
in Verbindung mit »mit«
Beispiel:
mit Schmerzen etw. tun
in Verbindung mit »unter«
Beispiel:
unter Schmerzen etw. tun
in Verbindung mit »von«
Beispiel:
von Schmerz gepackt, überwältigt werden
in Verbindung mit »vor«
Beispiel:
vor Schmerzen weinen, aufschreien, stöhnen, jammern, wimmern, sich winden, fast wahnsinnig werden
b)
höchst unangenehme Empfindung, die auf die Psyche des Menschen wirkt und tiefen Kummer, Gram erzeugt
Beispiele:
sie empfand tiefen Schmerz über sein Verhalten, seine Unehrlichkeit
der Abschied war für ihn ein großer Schmerz
in stillem, stummem, fassungslosem Schmerz stand sie vor dem Toten
jmds. Schmerz verstehen
jmdm. einen Schmerz antun, zufügen
stumm vor Schmerz sein
die Schmerzen des nahen Abschieds
umgangssprachlich etw., jmdn. mit Schmerzen (= ungeduldig, sehnsüchtig) erwarten
umgangssprachlich etw. mit Schmerzen (= sehr betrübt) erkennen, gewahr werden
umgangssprachlich, scherzhaft (O) Schmerz lass nach! (= Ausruf bei etw. Unangenehmem, das man mit Humor zu tragen versucht)
umgangssprachlich, scherzhaft hast du sonst noch Schmerzen? (= hast du sonst noch Wünsche?)
sprichwörtlich geteilter Schmerz ist halber Schmerz (= wenn man seinen Kummer jmdm. mitteilen kann, empfindet man ihn nicht so stark)
Diese Gewißheit war ein schneidender Schmerz für mich [RinserMitte90]
ein von Glück und Schmerz überwältigtes Gesicht [KästnerLottchen124]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schmerz · schmerzen · Schmerzensmutter · schmerzhaft · schmerzlich · schmerzlos
Schmerz m. ‘peinigende, wehtuende körperliche oder seelische Empfindung’. Das nur westgerm. bezeugte Substantiv ahd. smerza f. (9. Jh., teils stark, teils schwach flektierend), mhd. smerze f. (stark), m. (schwach), mnd. smerte, smērte, smarte f., mnl. smerte, smarte, nl. smart und das zugehörige Verb schmerzen (s. unten) lassen sich mit (teilweise ohne anlautendes s- auftretenden) außergerm. Formen wie aind. mṛdnā́ti ‘drückt, preßt, reibt’, griech. smerdnós (σμερδνός), smerdaléos (σμερδαλέος) ‘schrecklich, gräßlich, furchtbar’, lat. mordēre ‘beißen, hauen’ verbinden und auf ie. *merd- zurückführen, eine Dentalerweiterung der Wurzel ie. *mer(ə)- ‘aufreiben, reiben’, wozu auch ↗Mord, ↗morsch, ↗mürbe, ↗Mörser (s. d.) gehören. Anders Seebold 439, der die germ. Formen aus semantischen Gründen als d-Erweiterungen zur Wurzel ie. *smel-, Variante *smer- ‘langsam und rauchend verbrennen, schwelen’ (wozu auch nd. smǟlen, smēlen, smȫlen, mnl. smōlen, nl. smeulen ‘glimmen, glühen, schwelen’, mengl. smelle, engl. to smell ‘einen Geruch wahrnehmen, riechen’) stellen und mit der k-Erweiterung lit. smel̃kti ‘ersticken, qualmen, Rauch erzeugen’, smélkti ‘schmerzen, stechen’ verbinden will. schmerzen Vb. ‘Schmerz empfinden, wehtun’, ahd. smerzan (8. Jh.), mhd. smerzen, aengl. smeortan, mnl. smerten, smarten (germ. *smertan). Neben dieses stark flektierende Verb tritt (im Dt. vom 13. Jh. an) ein schwaches Verb mhd. (selten) smerzen ‘in Schmerz verwandeln’, frühnhd. (obd.) smir(t)zen (bis ins 17. Jh.) und schmerzen, mnd. mnl. smerten, smarten, nl. smarten, engl. to smart, das in der Gegenwart (im Dt. seit frühnhd. Zeit) allein gebräuchlich ist. Schmerzensmutter f. Bezeichnung für die trauernde Maria, die Mutter des gekreuzigten Christus, Übersetzung (18. Jh.) von kirchenlat. māter dolōrōsa, folgt einer frühen schwachen (neben der bis heute vorhandenen starken) Deklination des Substantivs. schmerzhaft Adj. ‘Schmerz bereitend, mit Schmerz verbunden’ (17. Jh.), älter schmertzenhafft (15. Jh.). schmerzlich Adj. ‘voller Schmerzen’, mhd. smerzlich. schmerzlos Adj. ‘ohne Schmerz’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Leid · ↗Pein · Schmerz · ↗Weh
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(kleiner) Schmerz  ●  ↗Wehwehchen  ugs. · ↗Zipperlein  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angst Brust Knie Leid Leiden Linderung Lust Trauer Wut chronisch empfinden ertragen höllisch klagen krümmen körperlich leiden lindern nachlassen plagen schlimm schreien seelisch spüren stark stechend unerträglich verspüren verursachen zufügen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schmerz‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er erinnerte sich nicht daran, nicht an den Tag, nicht an die Schmerzen.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 173
Vielleicht meint er tatsächlich, es genüge, heftig vom Schmerz zu sprechen, und er übermittle sich dann schon dem Leser.
Die Zeit, 10.10.1997, Nr. 42
Der Schmerz scheint ihn von den anderen Teilen meiner Person abzuspalten.
Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 20
Wenn ich mich zu hastig bewegte, spürte ich noch an verschiedenen Stellen einen ziehenden Schmerz.
Cotton, Jerry [d.i. Hober, Heinz Werner]: Die Killer sind unter uns, Bergisch Gladbach: Bastei [1971] [1956], S. 40
Und was war der kleine Schmerz gegen die Qualen, die meine Mutter erdulden mußte?
Voß, Richard: Zwei Menschen, Stuttgart: Engelhorn 1911 [1949], S. 47
Zitationshilfe
„Schmerz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schmerz>, abgerufen am 16.02.2019.

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