Schmiss, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schmisses · Nominativ Plural: Schmisse
Aussprache
Ungültige SchreibungSchmiß, s. Regelwerk: § 2
eWDG, 1976

Bedeutung

Narbe einer beim Fechten in einer schlagenden Verbindung empfangenen Wunde
Beispiel:
ein blonder Riese mit langen Schmissen von Mensuren im Gesicht [RennKindheit24]
von einem Hieb herrührende Wunde
Beispiel:
der Schmiß schmerzte noch ganz empfindlich [ViebigTägl. Brot389]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schmeißen1 · schmeißen2 · Schmiß · schmissig · Geschmeiß · Schmeißfliege · Schmeiße
schmeißen1 Vb. ‘werfen, schleudern’. Das starke Verb ahd. smīʒan ‘aufstreichen, schmieren’ (um 1000; vgl. bismīʒan, 8. Jh., ūʒsmīʒan, 9. Jh.), mhd. smīʒen ‘streichen, schmieren, schlagen’, asächs. bismītan ‘beflecken’, mnd. smīten ‘schlagen, werfen, schleudern’, mnl. smīten ‘schlagen, werfen’, nl. smijten, afries. smīta, aengl. smītan ‘beschmieren, besudeln’, engl. to smite (dichterisch) ‘schlagen, treffen’, got. bismeitan ‘bestreichen’, gasmeitan ‘aufstreichen’ (germ. *smītan) läßt sich an eine Dentalerweiterung ie. *smeid- der Wurzel ie. *smē-, *smēi- ‘schmieren, darüberwischen, -streichen, darüber hinreiben’ anschließen, zu der auch die unter ↗Schmach und ↗schmeicheln (s. d.) aufgeführten Wortformen gehören. Die beiden divergierenden Grundbedeutungen ‘streichen, schmieren’ und ‘werfen, schlagen’ lassen sich am ehesten aus der Lehmbauweise erklären, indem der Lehm zuerst in die Wand bzw. das Flechtwerk geworfen und dann glattgestrichen wird. In der Studentensprache entsteht die Wendung ein Faß Bier, eine Runde schmeißen ‘spendieren’ (19. Jh., eigentlich wohl ‘das Geld dafür auf den Tisch werfen’?). Daneben steht schwach flektierendes schmeißen2 Vb. ‘besudeln, Kot abwerfen’ besonders von Vögeln (15./16. Jh., danach noch in südd. Mundarten), ahd. bismeiʒen ‘besudeln’ (um 1000), mhd. gesmeiʒen. Schmiß m. ‘Hieb, Schlag’ (17. Jh.), in der Studentensprache ‘bei der Mensur durch Säbel oder Degen entstandene Wunde, Narbe’ (19. Jh.), zu ↗schmeißen in der alten Bedeutung ‘schlagen’ (s. oben). schmissig Adj. ‘voller Narben’ (Studentensprache, 19. Jh.), ‘voller Schwung, verwegen’ (Gaunersprache, Mitte 19. Jh.). Geschmeiß n. ‘Ungeziefer, Gesindel, Pack’ (16. Jh.), mhd. gesmeiʒe ‘Unrat, Kot (von Tieren), Brut, Gezücht, Insekteneier (besonders von Fleischfliegen)’; Schmeißfliege f. ‘Fleischfliege’ (16. Jh.), vielleicht verdeutlichende Zusammensetzung zu gleichbed. (allerdings erst später bezeugtem) Schmeiße f. (17. Jh.); beide Bildungen zu ↗schmeißen ‘besudeln, Kot abwerfen’, da Insekteneier teils als Kot angesehen, teils damit verglichen werden. Vgl. Pfeifer Tiernamen 713 f.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Backe Charme Gesicht Schwung Tempo Wange frisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schmiss‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zunächst galt der schlanke Manager mit dem langen Schmiss als weitgehend unbeschriebenes Blatt.
Süddeutsche Zeitung, 08.03.2000
Er war dreißig Jahre alt, durch Schmisse gekennzeichnet, verheiratet, sein Sohn zählte sieben Monate.
konkret, 1997
Wenn das gründliche Können fehlt, wird mit "genialem Schmiß" nachgeholfen.
Schalcher, Traugott: Die Reklame der Straße, Wien: C. Barth 1927, S. 114
Man fand, er habe seine Aufgabe elegant gelöst, mit Schmiß.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 983
Sie hatte dabei ein paar tüchtige Schmisse im Gesicht davongetragen und sah wirklich nicht schön aus.
Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863-1933. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 4852
Zitationshilfe
„Schmiss“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schmiss#1>, abgerufen am 11.12.2018.

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Schmiss, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schmisses · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Ungültige SchreibungSchmiß, s. Regelwerk: § 2
Wortbildung mit ›Schmiss‹ als Grundform: ↗schmissig
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich Schwung, Lebendigkeit
Beispiele:
diese Musik, der neue Tanz hat Schmiss
ein neues Lied mit (viel) Schmiss
die Kapelle spielt mit Schmiss
mit Schmiss tanzen
Schmiss in die Sache bringen
die Schauspieler geben durch ihr flottes Spiel dem Stück künstlerischen Schmiss
in der Zeichnung liegt Schmiss
die Kleidung hat Schmiss (= hat eine besonders flotte modische Note, Linienführung)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schmeißen1 · schmeißen2 · Schmiß · schmissig · Geschmeiß · Schmeißfliege · Schmeiße
schmeißen1 Vb. ‘werfen, schleudern’. Das starke Verb ahd. smīʒan ‘aufstreichen, schmieren’ (um 1000; vgl. bismīʒan, 8. Jh., ūʒsmīʒan, 9. Jh.), mhd. smīʒen ‘streichen, schmieren, schlagen’, asächs. bismītan ‘beflecken’, mnd. smīten ‘schlagen, werfen, schleudern’, mnl. smīten ‘schlagen, werfen’, nl. smijten, afries. smīta, aengl. smītan ‘beschmieren, besudeln’, engl. to smite (dichterisch) ‘schlagen, treffen’, got. bismeitan ‘bestreichen’, gasmeitan ‘aufstreichen’ (germ. *smītan) läßt sich an eine Dentalerweiterung ie. *smeid- der Wurzel ie. *smē-, *smēi- ‘schmieren, darüberwischen, -streichen, darüber hinreiben’ anschließen, zu der auch die unter ↗Schmach und ↗schmeicheln (s. d.) aufgeführten Wortformen gehören. Die beiden divergierenden Grundbedeutungen ‘streichen, schmieren’ und ‘werfen, schlagen’ lassen sich am ehesten aus der Lehmbauweise erklären, indem der Lehm zuerst in die Wand bzw. das Flechtwerk geworfen und dann glattgestrichen wird. In der Studentensprache entsteht die Wendung ein Faß Bier, eine Runde schmeißen ‘spendieren’ (19. Jh., eigentlich wohl ‘das Geld dafür auf den Tisch werfen’?). Daneben steht schwach flektierendes schmeißen2 Vb. ‘besudeln, Kot abwerfen’ besonders von Vögeln (15./16. Jh., danach noch in südd. Mundarten), ahd. bismeiʒen ‘besudeln’ (um 1000), mhd. gesmeiʒen. Schmiß m. ‘Hieb, Schlag’ (17. Jh.), in der Studentensprache ‘bei der Mensur durch Säbel oder Degen entstandene Wunde, Narbe’ (19. Jh.), zu ↗schmeißen in der alten Bedeutung ‘schlagen’ (s. oben). schmissig Adj. ‘voller Narben’ (Studentensprache, 19. Jh.), ‘voller Schwung, verwegen’ (Gaunersprache, Mitte 19. Jh.). Geschmeiß n. ‘Ungeziefer, Gesindel, Pack’ (16. Jh.), mhd. gesmeiʒe ‘Unrat, Kot (von Tieren), Brut, Gezücht, Insekteneier (besonders von Fleischfliegen)’; Schmeißfliege f. ‘Fleischfliege’ (16. Jh.), vielleicht verdeutlichende Zusammensetzung zu gleichbed. (allerdings erst später bezeugtem) Schmeiße f. (17. Jh.); beide Bildungen zu ↗schmeißen ‘besudeln, Kot abwerfen’, da Insekteneier teils als Kot angesehen, teils damit verglichen werden. Vgl. Pfeifer Tiernamen 713 f.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Backe Charme Gesicht Schwung Tempo Wange frisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schmiss‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zunächst galt der schlanke Manager mit dem langen Schmiss als weitgehend unbeschriebenes Blatt.
Süddeutsche Zeitung, 08.03.2000
Er war dreißig Jahre alt, durch Schmisse gekennzeichnet, verheiratet, sein Sohn zählte sieben Monate.
konkret, 1997
Wenn das gründliche Können fehlt, wird mit "genialem Schmiß" nachgeholfen.
Schalcher, Traugott: Die Reklame der Straße, Wien: C. Barth 1927, S. 114
Man fand, er habe seine Aufgabe elegant gelöst, mit Schmiß.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 983
Sie hatte dabei ein paar tüchtige Schmisse im Gesicht davongetragen und sah wirklich nicht schön aus.
Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863-1933. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 4852
Zitationshilfe
„Schmiss“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schmiss#2>, abgerufen am 11.12.2018.

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