Schnabel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schnabels · Nominativ Plural: Schnäbel
Aussprache
WorttrennungSchna-bel (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Schnabel‹ als Erstglied: ↗Schnabelflöte · ↗Schnabelschuh · ↗Schnabeltasse · ↗Schnabeltier · ↗Schnäbelchen · ↗schnabelartig · ↗schnabelförmig
 ·  mit ›Schnabel‹ als Letztglied: ↗Entenschnabel · ↗Geierschnabel · ↗Gelbschnabel · ↗Grünschnabel · ↗Hornschnabel · ↗Kannenschnabel · ↗Kreuzschnabel · ↗Reiherschnabel · ↗Schiffsschnabel · ↗Storchenschnabel · ↗Storchschnabel
 ·  formal verwandt mit: ↗krummschnabelig · ↗krummschnablig · ↗kurzschnabelig · ↗kurzschnablig · ↗langschnäbelig · ↗langschnäblig
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
meist spitz auslaufender, mit Horn überzogener Oberkiefer und Unterkiefer, besonders des Vogels
Beispiele:
ein langer, kurzer, spitzer, breiter, dünner, gekrümmter Schnabel
schwarze Amseln mit gelben Schnäbeln
umgangssprachlich der Vogel sperrte seinen Schnabel weit auf
der Vogel wetzte den Schnabel, trug einen Wurm im Schnabel
mit dem Schnabel hacken, picken
der Storch klapperte mit dem Schnabel
2.
salopp Mund des Menschen
Beispiele:
sie spricht, wie ihr der Schnabel gewachsen ist (= natürlich, ohne Scheu)
mach doch endlich den Schnabel auf! (= sprich doch endlich!)
bei ihr steht der Schnabel nicht eine Minute still (= sie spricht unaufhörlich)
damit habe ich mir den Schnabel verbrannt (= habe ich unbedacht etw. gesagt, was unangenehme Folgen haben kann)
halt den Schnabel! (= sei still!)
3.
ohne Verkleinerungsform
Dinge, die einem Schnabel äußerlich ähnlich sind
a)
Ausguss an einer Kanne, Tülle
Beispiel:
Der Wein fließt […] aus Gefäßen von Rubinglas mit goldenem Schnabel [H. MannJugend Henri Quatre6,419]
b)
historisch spitzzulaufender Bug antiker und mittelalterlicher Schiffe
Beispiel:
An demselben Tage […] wenden die Schiffe der spanischen Flotte ihre Schnäbel [TralowNeuhoff98]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schnabel · schnäbeln · schnabulieren
Schnabel m. spitzzulaufende Verlängerung des Vogelkiefers, ahd. snabul ‘Schnabel, Rüssel’ (9. Jh.), mhd. snabel, auch ‘langauslaufende Schuhspitze’, mnd. mnl. snāvel ‘Schnabel, Rüssel, Mund’, nl. snavel, daneben (mit altem j-Suffix) mnd. mnl. snebbe, snibbe und (ohne anlautendes s-) mnd. nebbe, nibbe, mnl. nebbe, nl. neb ‘Schnabel, Spitze’, aengl. nebb ‘Nase, Schnabel’, engl. (mundartlich) neb ‘Schnabel, Schnauze’, nib ‘Schnabel, Spitze’, anord. nef ‘Nase, Nasenbein’, schwed. näbb, (mundartlich) näv ‘Schnabel’ sind verwandt mit anord. snafðr ‘begierig’ (Part.adj. zu nicht überliefertem *snefja ‘nachspüren’), isl. snefja, schwed. (mundartlich) snavla ‘begierig an sich reißen’. Auszugehen ist von einer Anlautverbindung germ. sn-, die sich mit nach Qualität und Quantität unterschiedlichem Vokalismus und nachfolgender (teilweise affektisch verschärfter oder expressiv verdoppelter) Konsonanz verbindet (germ. *snaƀ-, *snap-, *snuƀ-, *snup-, *snad-, *snat-, *snud-, *snut-, *snag-, *snak-, *snug-, *snuk- u. dgl.) und eine Gruppe lautmalender Wörter ohne außergerm. Vergleichsmöglichkeiten bildet; vgl. Wissmann Nomina postverbalia 1 (1932) 178 f. und 187 f., de Vries Anord. 521 und de Vries Nl. 662. Es handelt sich dabei vornehmlich um Wörter, die vorragende Kopfteile wie Mund und Nase (Schnabel, Schnauze) sowie damit vergleichbare spitzzulaufende Gegenstände, Geräte und damit vorgenommene Bewegungen (schnappen, schnippen) oder damit verbundene geräuschvolle Handlungen wie das Einholen und Ausstoßen der Luft (schnacken, schnattern, schnauben, schnaufen, schneuzen, schnüffeln, schnupfen) bezeichnen. schnäbeln Vb. ‘die Schnäbel aneinanderreiben’, spätmhd. snebelen; vgl. ahd. snabulōn ‘mit dem Schnabel durchwühlen’ (11. Jh.); übertragen ‘schwatzen, plaudern, sich küssen’ (16. Jh.). schnabulieren Vb. ‘in Gemütlichkeit etw. Gutes essen’, zuerst schnabelieren ‘mit dem Schnabel picken’ (16. Jh.), scherzhafte Ableitung von Schnabel.

Thesaurus

Synonymgruppe
Ausgießer · ↗Ausguss · Schnabel · ↗Schnaupe · ↗Tülle  ●  ↗Schnauze (einer Kanne)  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Federkleid Gefieder Klau Klaue Kralle Küken Schwanz Specht Storch Vogel aufgerissen aufgesperrt aufsperren einhacken gebogen gekrümmt gerad hacken hungrig kegelförmig klappern krumm messerscharf orangerot picken spitz stochern wetzen zahnlos Ölzweig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schnabel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sein Schnabel ist viel zu groß für seinen kleinen Kopf.
Genazino, Wilhelm: Die Liebesblödigkeit, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2005, S. 100
Zweifellos eindrucksvoll sind zudem die schieren Dimensionen von Schnabels Bildern.
Die Welt, 04.02.2004
Erst haben Babys neunmalklug dahergeredet, jetzt können nicht einmal mehr die Haustiere den Schnabel halten.
Süddeutsche Zeitung, 17.03.1994
Der Schnabel des roten Huhns reichte nicht mehr hinunter auf das Brett.
Müller, Herta: Herztier, Reinbek: Rowohlt 1994, S. 188
Er hatte uns alle gezwungen, den Schnabel unter den linken Flügel zu stecken.
Preußler, Otfried: Krabat, Stuttgart: Thienemann o.J. [1995] [1971], S. 211
Zitationshilfe
„Schnabel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schnabel>, abgerufen am 22.03.2019.

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