Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Schnack, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schnack(e)s · Nominativ Plural: Schnacke/Schnäcke
Aussprache  [ʃnak]
Grundformschnacken
Wortbildung  mit ›Schnack‹ als Letztglied: Klönschnack · Schnickschnack
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

umgangssprachlich, D-Nordwest , D-Nordost
a)
Synonym zu Unterhaltung (1)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein ausgiebiger, langer, kleiner, kurzer Schnack
als Akkusativobjekt: einen Schnack [mit jmdm.] halten, machen
in Präpositionalgruppe/-objekt: sich auf einen Schnack treffen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: ein Schnack über etw.
Beispiele:
Es sind nicht immer die weltbewegenden Themen, sondern der Schnack über Alltägliches, der Menschen in Zeiten der sozialen Isolation – auch wegen des Kontaktverbots in der Corona‑Krise – fehlt[…]. [Norddeutsche Neueste Nachrichten, 31.03.2020]
Ein kurzer Schnack über den Gartenzaun hinweg mit der Nachbarin, ein regelmäßig eingeplanter Telefonanruf bei dem älteren Bekannten, ein paar Blumengrüße oder Pralinen, die vor die Haustür gelegt werden, zeigen Wertschätzung und dass man an die Menschen denkt. [Hamburger Abendblatt, 06.06.2020]
Im Café […] ist das Ambiente persönlich und heimelig, es lädt zum Verweilen mit einem guten Buch oder für den einen oder anderen Schnack ein. [Kieler Nachrichten, 19.09.2018]
So ein Schnack mit einem Fremden ist manchmal ganz witzig und oft der berühmte Mosaikstein, der gerade noch fehlte, um als Tourist mit guter Laune durch einen fremden Ort zu bummeln. [Schweriner Volkszeitung, 26.11.2009]
Wenn am Nachmittag alle Körbe vermietet sind, wird es ruhiger für die Herren der Strandkörbe. Dann ist Zeit für einen Schnack mit den Gästen. [Hamburger Abendblatt, 12.05.2001]
b)
abwertend Gespräch oder Information ohne wahren oder wichtigen Inhalt
Grammatik: nur im Singular
siehe auch Geschwätz (1)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: bloßer Schnack
als Prädikativ: etw. ist [bloß, nur] Schnack
Beispiele:
[…] über seinen Schnack im Wahlkampf, daß er manche Nacht von sich als Ministerpräsident träume und schweißgebadet aufwache, kann Carstensen heute nur schmunzeln. [Hamburger Abendblatt, 01.08.2005]
[…] damit ihm keiner nachsagen kann, dass das mit den »besten Pommes der Welt« nur ein Schnack ist, hat Frank das Frittieren zur Chefsache gemacht. [Hamburger Abendblatt, 25.07.2019]
Täglich ab 13 Uhr lockt hausgemachtes Eis – und das ist kein bloßer Schnack, sondern Konzept, wie man beim Blick in die Eisküche, wo Kreationen wie Salzkaramell und Hamburch Cheesecake aus 100 Prozent natürlichen Zutaten entstehen, selbst sehen kann. [Hamburger Abendblatt, 08.06.2019]
Der Schnack von Sicherheit für den Verbraucher ist doch nichts Neues. [Hamburger Abendblatt, 17.01.2001]
c)
Synonym zu Redewendung, Spruch
Beispiele:
Ein Schnack ist meist ein regionaltypischer Spruch, manchmal auch nur ein charakteristisches Wort. [Hamburger Abendblatt, 19.10.2001]
In de Bluus steken, in die Bluse gesteckt. Dieser Schnack ist nicht wortwörtlich zu nehmen. Er bedeutet, einer weiblichen Dienstleisterin ihren Lohn nicht auf Rechnung aufs Geschäftskonto zu überweisen, sondern ihn bar zu bezahlen – möglicherweise am Finanzamt vorbei. Männer sagen bei baren Einkünften: Wedder Geld, wo de Fru nix vun weet! [Hamburger Abendblatt, 12.02.2018]
Bliev as du büst – Bleib wie du bist. Zu diesem altbekannten Spruch ist den plattdeutschen Autoren […] einiges eingefallen. Schließlich kann der Schnack nicht nur als Kompliment, sondern auch als Verwünschung des Gegenübers gedeutet werden. [Kieler Nachrichten, 12.09.2017]
»Wist du weiten, woans de Düwel utsüht, denn hal di dien Swiegermudder in’t Hus.« – Dieser alte Schnack trifft zwar – wenn überhaupt was dran ist – nur eine Minderheit der Schwiegermütter, beschreibt aber so ziemlich genau die Ausgangslage des Dramas »Mudder Mews«, das am Dienstagabend im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters Premiere hatte. [Schweriner Volkszeitung, 28.01.2016]
Von Martin Luther ist ein Schnack überliefert, der geht an einen wie mich: Der Prediger steige auf die Kanzel, öffne seinen Mund, höre aber auch wieder auf. [Norddeutsche Neueste Nachrichten, 19.10.2015]
d)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein ganz anderer Schnack
Beispiele:
Wenn du alles direkt hörst und spürst – Spielerdialoge, Trainerkommentare, Zweikämpfe – und auch mitbekommst, wie anstrengend das Ganze ist, weil du direkt am Spielfeldrand stehst, dann ist das ein ganz anderer Schnack als in diesen Riesenarenen. [Hamburger Abendblatt, 29.12.2017]
Wenn Männer heutzutage dumm aus der Wäsche gucken, gilt das mancherorts schon als Comedy – doof gleich lustig. Wenn aber drei Herren im Frack im Ohnsorg‑Theater auftreten, ist das ein anderer Schnack. [Hamburger Abendblatt, 06.08.2018]
[…] die Kinder haben meinen [sic!] Entscheidungen immer mit beeinflusst: Können Sie [sic! sie] mitkommen, wenn ich im Ausland drehe? Was passiert mit ihnen, wenn ich nicht da bin? Für eine Alleinerziehende ist das noch mal ein ganz anderer Schnack. Da darf man sich nicht vormachen, dass Kinder und Karriere uneingeschränkt funktionieren. [Norddeutsche Neueste Nachrichten, 27.05.2017]
»Wir durften auf vielen kleinen und großen Bühnen stehen«, sagt Sven. Die größte sei mit Abstand die im ZDF‑Fernsehgarten gewesen. Da standen nämlich nicht nur 7.000 Fans vor der Bühne, sondern etwa 2,4 Millionen Zuschauer saßen auch zuhause vor dem Fernseher. »Das war ein ganz anderer Schnack. Da kann einem schon einmal schlecht werden«, meint Sven. [Schweriner Volkszeitung, 18.03.2016]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schnacken · Schnack · Schnickschnack
schnacken Vb. ‘plaudern, schwatzen’, ein nd. Wort, seit dem 16. Jh. auch in der Literatursprache. Mnd. snacken ‘sprechen, plaudern, schwatzen’, mnl. snacken ‘nach etw. haschen, schwatzen’, nl. snakken ‘schnappen, verlangen, sich sehnen’ stehen mit expressiver Konsonantendopplung neben nl. snaken ‘gierig nach etw. verlangen’, anord. snaka ‘schnüffeln, wittern’, isl. snaka ‘herumschnüffeln’. Lautmalende Bildungen mit anlautendem germ. sn- (s. Schnabel). – Schnack m. ‘Schwatz, Plauderei, Geschwätz’ (18. Jh.), Elsterschnak ‘Geplapper der Elstern’ (17. Jh.), mnd. snak ‘Gerede, Geschwätz, Klatsch, Unsinn’. Schnickschnack m. ‘Geschwätz, Unsinn’ (18. Jh.), nd. Snicksnack, reduplizierende Ablautbildung.

Thesaurus

Synonymgruppe
Geplauder · Konversation · Plauderei · Plauderstündchen · Plausch · Smalltalk · Unterhaltung · unverbindliches Geplapper  ●  Klönschnack  ugs., norddeutsch · Quatscherei  ugs. · Quätschchen  ugs. · Rumgequatsche  ugs. · Sabbelei  ugs. · Schnack  ugs., norddeutsch · Schwatz  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Eulenspiegelei · Nonsens · Schildbürgerstreich · Spaß · Ulk · lustiger Streich  ●  Schabernack  Hauptform · Schnurre  veraltet · Spass  österr. · Clownerie  geh. · Drolerie  geh. · Döneken  ugs., rheinisch · Eselei  ugs. · Fez  ugs. · Flachs  ugs. · Hanswurstiade  ugs. · Jokus  ugs. · Jux  ugs. · Posse  geh. · Schnack  ugs., norddeutsch · Schnurrpfeiferei  geh., veraltet · Schote  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(kurze) Unterhaltung · Plausch · Schwatz  ●  Klönschnack  ugs., norddeutsch · Quätschchen  ugs., regional · Schnack  ugs., norddeutsch

Typische Verbindungen zu ›Schnack‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schnack‹.

Zitationshilfe
„Schnack“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schnack>.

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