Dieser Artikel ist nicht auf dem aktuellen Stand. Er wird im Rahmen des DWDS-Projekts von der Redaktion überarbeitet.

Schnecke, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schnecke · Nominativ Plural: Schnecken
Aussprache
WorttrennungSchne-cke
Wortbildung mit ›Schnecke‹ als Erstglied: ↗Schneckenbohrer · ↗Schneckenfraß · ↗Schneckenfrisur · ↗Schneckengang · ↗Schneckengehäuse · ↗Schneckengetriebe · ↗Schneckengewinde · ↗Schneckenhaus · ↗Schneckenhorn · ↗Schneckenpost · ↗Schneckenrad · ↗Schneckenschale · ↗Schneckentempo · ↗Schneckerl · ↗schneckenartig · ↗schneckenförmig · ↗schneckenhaft · ↗schneckenlangsam
 ·  mit ›Schnecke‹ als Letztglied: ↗Flügelschnecke · ↗Förderschnecke · ↗Haarschnecke · ↗Höckerschnecke · ↗Hörschnecke · ↗Kegelschnecke · ↗Nacktschnecke · ↗Purpurschnecke · ↗Schnirkelschnecke · ↗Speiseschnecke · ↗Streuselschnecke · ↗Transportschnecke · ↗Wegschnecke · ↗Weinbergschnecke · ↗Zimtschnecke · ↗Zuckerschnecke
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
bis fingerlanges und fingerdickes, Land und Wasser bewohnendes, mit zwei Fühlerpaaren und vielfach einer meist spiralig gewundenen Schale aus Kalk, dem Schneckenhaus, ausgestattetes Weichtier, das sich auf einer von ihm selbst abgesonderten schleimigen Spur sehr langsam fortbewegt
Beispiele:
eine Schnecke mit, ohne Haus
bei der leisesten Berührung zieht die Schnecke ihre Fühler, Hörner ein, zurück
bei Gefahr zieht sich die Schnecke in ihr Haus zurück
eine Schnecke kriecht die Wand hinauf, über den Weg
die Erdbeeren waren voller Schnecken
essbare Schnecken
die Gehäuse der Schnecken dienen vielfach als Leitfossilien
sie war langsam wie eine Schnecke
umgangssprachlich der Zug schlich, kroch dahin wie eine Schnecke (= fuhr sehr langsam)
bildlich
Beispiel:
salopp jmdn. zur Schnecke machen (= jmdm. durch strenge Zurechtweisung, harte Kritik, Prügel so sehr zusetzen, dass er am Ende seines Mutes und seiner Kräfte ist)
salopp, abwertend, übertragen schwerfälliger, träger, langweiliger Mensch
Beispiele:
solch eine Schnecke willst du heiraten?
Schimpfwort du lahme Schnecke!
2.
übertragen Dinge, die der Form des Schneckengehäuses äußerlich ähnlich sind
a)
Technik spiralig um einen zylindrischen Körper geführtes Gewinde
Beispiel:
beim Schneckengetriebe greifen die Zähne des Schneckenrades in die Schnecke ein
b)
Technik Welle, um die ein spiralig gewundenes Blech führt, die sich (in einem Rohre) dreht und auf diese Weise Schüttgut fortbewegt oder verteilt, Transportschnecke, Förderschnecke
c)
kleines, rundes Gebäck mit Zuckerguss, bei dem der Teig spiralig zusammengerollt ist
d)
über je einem Ohr spiralig zusammengerollter Zopf
Beispiel:
sie trägt Schnecken
e)
Medizin spiralig gewundenes, röhrenartiges Teil des Innenohrs
f)
spiralige Windung am äußersten Ende des Halses von Saiteninstrumenten
g)
Jägersprache spiralig gewachsenes Gehörn des Muffelwildes
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schnecke · Schnegel · Schnake2 · Schneckengang · Schneckenpost · Schneckenlinie · Schneckenrad
Schnecke f. Name eines sehr langsam kriechenden Weichtieres, von dem viele Arten mit einem Gehäuse ausgestattet sind, ahd. sneggo m. (9. Jh.), mhd. snecke, snegge m. (vgl. obd. Schneck m.), mnd. snigge, snicke f. m., mengl. snegge führen mit intensiver Doppelkonsonanz auf germ. *sneg-, snek-. Daneben stehen mit l-Suffix anord. snigill m., schwed. snigel (aus germ. *snegila-) und ablautend Schnegel m. frühnhd. snegel m., nhd. (mundartlich westmd.) Schnägel, Schnegel m., (omd.) Schniegel m., asächs. snegil m., mnd. snēgel f., aengl. snæg(e)l m., engl. snail (aus germ. *snagila-). Verwandt ist ein in ahd. snahhan ‘schleichen, gleiten’ (9. Jh.; vgl. thuruhsnahhan, 8. Jh.) erhaltenes starkes Verb germ. *snakan ‘kriechen, gleiten’, zu dem im Sinne von ‘Kriecher(in)’ Bezeichnungen für ‘Schlange, Natter’ gehören wie mnd. snāke, nhd. (landschaftlich) Schnake2 f. ‘(Ringel)natter’, aengl. snaca, engl. snake, nl. snaak, anord. (dehnstufig) snākr, schwed. snok. Auch für Schnecke muß daher eine Ausgangsbedeutung ‘der, die Kriechende’ angenommen werden. Außergerm. Verwandte finden sich (bis auf ein zweifelhaftes air. snāigech ‘kriechend’) nicht. Mit beginnendem Nhd. nimmt Schnecke feminines Genus an. Auf die langsame Fortbewegungsart der Schnecke weisen Komposita wie Schneckengang m. (18. Jh.), Schneckenpost f. (17. Jh.); an die Windungen eines Schneckenhauses knüpfen an Schneckenlinie f. (17. Jh.), Schneckenrad n. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Schnecke  ●  ↗Gastropode  fachspr.
Oberbegriffe
  • tierisches Lebewesen  ●  ↗Tier  Hauptform · ↗Getier  geh. · ↗Viech  ugs. · ↗Vieh  ugs.
Unterbegriffe
  • Ackerschnecke · ↗Nacktschnecke
  • Flussmützenschnecke · Flussnapfschnecke
  • Baumschnecke · Baumschnirkelschnecke · Gefleckte Schnirkelschnecke
  • Abalone · Meerohr · ↗Seeohr
Assoziationen
Synonymgruppe
Lahmarsch  derb · ↗Penner  derb · ↗Schlafmütze  ugs. · ↗Schnarchnase  ugs. · Schnecke  ugs., fig. · ↗Tranfunzel  ugs. · ↗Transuse  ugs. · ↗Trantüte  ugs. · lahme Ente  ugs., fig.
Assoziationen
  • behäbig · ↗lahm · ↗langsam · ↗schleppend · ↗schwerfällig · ↗träge  ●  ↗bummelig  ugs. · ↗lahmarschig  derb · ↗tranig  ugs.
  • jemand mit der Einstellung "kommste heut nicht, kommste morgen"  ●  ↗Faulpelz  ugs., Hauptform · ↗Faultier  ugs., scherzhaft · fauler Hund  ugs. · fauler Sack  ugs., variabel
  • (sich) nicht aufraffen könnnen · (sich) zu nichts aufraffen können · in Lethargie verharren · in Untätigkeit verharren · nicht aktiv werden · nicht in die Gänge kommen  ●  (den) Arsch nicht hochkriegen  ugs., fig. · nicht aus dem Quark kommen  ugs., fig. · nicht in die Puschen kommen  ugs., fig.
  • Trödler  ●  ↗Lahmarsch  derb · ↗Langweiler  ugs. · ↗Schlaftablette  ugs. · ↗Träne  ugs. · ↗Tränentier  ugs. · trübe Tasse  ugs.
Synonymgruppe
Wendelstiege · ↗Wendeltreppe  ●  Schnecke  schweiz., alemannisch · Schnegge  schweiz., alemannisch
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausstoßende Auster Buckelwal Frosch Förderleistung Fühler Gangsteigung Gehäuse Innenohr Insekt Koralle Käfer Muschel Raupe Schildkröte Seeigel Spritzwerkzeug Tagebuch Tintenfisch Wappentier Wirbelkasten Wurm flachgeschnitten gefräßig gewunden kriechen kriechend lahm schleimig versteinert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schnecke‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vielleicht ist das, wovon ich träume, auch das Haus einer Schnecke.
Der Tagesspiegel, 13.04.2003
Die Zucht ist auch ein zeitaufwendiges Unterfangen; die Schnecken werden erst in einem Alter von drei Jahren geschlechtsreif.
Die Zeit, 28.07.1978, Nr. 31
Der Regen, der Vater aller Vergleiche, lockt die Schnecken in den Tod.
Walser, Martin: Halbzeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1960], S. 216
Man erkennt darin deutlich die einzelnen Eier, nach wenigen Tagen mit einer Lupe auch die jungen Schnecken.
Wiehle, Hermann u. Harm, Marie: Lebenskunde für Mittelschulen - Klasse 3, Halle u. a.: Schroedel u. a. 1941, S. 58
Sie starb ab ohne ihr Wort wie die Schnecke ohne ihr Haus.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 212
Zitationshilfe
„Schnecke“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schnecke>, abgerufen am 22.08.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Schneck
Schnäuztuch
schnauzig
Schnauzer
schnauzen
schneckenartig
Schneckenbohrer
schneckenförmig
Schneckenfraß
Schneckenfrisur