Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Schneider, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schneiders · Nominativ Plural: Schneider
Aussprache  [ˈʃnaɪ̯dɐ]
Worttrennung Schnei-der
Wortzerlegung schneiden -er
Mehrwortausdrücke  aus dem Schneider sein
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Person, die beruflich aus Stoffen Kleidung näht oder die Kleidung ändert und ausbessert
siehe auch Kürschner, Oberbegriff zu Maßschneider
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein gelernter Schneider
als Aktivsubjekt: ein Schneider näht etw.
Beispiele:
Ein Extra für Anzugkäufer: Kostenlose Anpassung bei ausgewählten Schneidern vor Ort. [Süddeutsche Zeitung, 23.05.2020]
Einmal hatte die Konfektion (= fabrikmäßig hergestellte Kleidung) ein Preis‑Leistungs‑Verhältnis erreicht, dass es kaum mehr einen Grund gab, sich teure Maßanfertigungen vom Schneider zuzulegen. [Die Welt, 01.09.2016]
Klar, wenn die Jeans so weit sind, dass sie vom Körper rutschen, sollten sie entweder zum Schneider gebracht werden oder man greift selbst zu Nadel und Faden. [Jeans weiter und enger machen, 15.10.2018, aufgerufen am 31.08.2020]
Es herrschten lausige Bedingungen für die tapferen Schneiderlein, die Arbeitszeit reichte von fünf Uhr früh bis abends um neun, trotzdem verdienten sie so wenig, dass es sich Gesellen nicht leisten konnten, eine Familie zu gründen. Noch heute erinnern Redewendungen wie »arm wie ein Schneider« oder »frieren wie ein Schneider« an diese Zeiten. [Badische Zeitung, 23.03.2013]
Während sich bisher jede Frau den Stoff zu einem Anzug beim Tuchmacher besorgte und dann vom Schneider anfertigen ließ, wurde jetzt der Versuch gemacht, Kleidungsstücke fix und fertig vorrätig zu halten. [Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 03.02.1906]
Phrasem:
frieren wie ein Schneider (= stark frieren)
Beispiele:
Die kleine Höchstadterin friert wie ein Schneider, als sie das etwa 24 Grad warme Wasser verlässt, denn draußen ist es deutlich kühler. [Fränkischer Tag, 10.08.2021]
Die Klimaanlagen in den ICE der Bahn sind so einzustellen, dass auf jeden Wagen, in dem man friert wie ein Schneider, einer folgt, in dem man schwitzt wie ein Schwein. [Thüringer Allgemeine, 26.06.2021]
Ich fror wie ein Schneider. Auf dem Podest konnte ich die Hymne nicht hören, so klapperten meine Zähne. [Bild, 14.09.2006]
Open‑Air‑Kino ist ja immer so eine Sache: Meistens hockt man im Freien rum, friert wie ein Schneider und sieht sich dabei Filme an, die man schon im Kinosaal gesehen hat, weil sie zu jener Kategorie gehören, die einfach überall laufen. [Süddeutsche Zeitung, 19.08.2000]
Sie erinnert sich noch genau an diesen klirrend kalten Tag, an dem sie fror wie ein Schneider. [Süddeutsche Zeitung, 02.03.1994]
2.
umgangssprachlich spezielles Gerät zum Schneiden bestimmter Dinge
Grammatik: Kurzform von genaueren Bezeichnungen
Beispiele:
Dafür habe ich mir eine besonders große Ananas im Supermarkt ausgesucht und dann mit dem […] Ananasschneider das Fruchtfleisch herausgeholt. Mit dem Schneider funktioniert das richtig schnell und leicht, […]. [tropical themed Party – All I want is everything, 15.05.2016, aufgerufen am 20.08.2020]
Der Käseschneider […] eignet sich zum Schneiden von Raclette‑ und Weichkäse. Der Griff ist aus Plantagenholz (Hevea), die Breite des Schneiders beträgt insgesamt 10 cm. Die Scheibenbreite des Käses ergibt mit dem Schneider 8 cm. [Heidi Cheese Line Käseschneider, 16.09.2019, aufgerufen am 01.09.2020]
Mit der fabelhaften Aluminium‑Schneidleiste erreichen Sie jedes gewünschte Ergebnis, ohne Profi sein zu müssen. Das Arbeiten wirbelt keinen Staub auf. Hinzu kommt das geräuschlose Agieren mit dem Schneider. […] Die Klinge ist gesondert beschichtet, verschleißfrei und gezahnt. [Laminatschneider, 19.06.2016, aufgerufen am 01.09.2020]
Da besonders Schnippelarbeit […] wirklich zeitraubend sein kann und den meisten nicht besonders viel Spaß macht, ist der Pommes‑frites‑ und Gemüse‑Schneider eine tolle Geschenkidee für Freundin und Freund, die gerne kochen. Mit dem Schneider werden sowohl Pommes frites als auch Gemüse zu gleich großen Sticks verarbeitet – und das im Handumdrehen! [Pommes Frittenschneider für selbstgemachte Pommes, 30.09.2015, aufgerufen am 31.08.2020]
Zum passgenauen Verlegen der Steine und Platten kann auch mit einem speziellen Schneider nachgeholfen werden. [Terrasse pflastern, 18.08.2010, aufgerufen am 01.09.2020]
3.
Spiel Spielstand oder Ergebnis einer Partie, bei der der Verlierer nur sehr wenig Punkte erzielt
a)
Kartenspiel Spielergebnis, bei dem der Verlierer weniger als die Hälfte der zum Sieg benötigten Punkte erzielt
Der Schneider ist der Punktebereich von 1 bis 30 Punkten beim Skat, 1 bis 29 (Gegner) bzw. 30 Punkten (Spieler) beim Schafkopf und 1 bis 59 Punkten beim Doppelkopf, der zusätzliche Siegpunkte für die andere Partei bedeutet.
Kollokationen:
als Prädikativ: aus dem Schneider kommen, sein; im Schneider sein; Schneider sein, werden
als Akkusativobjekt: Schneider ansagen
Beispiele:
[…] dann gewinnt sie nach äußerst schwachem Gegenspiel ihr[en] Kreuz Hand sogar mit Schneider, indem sie 91 [von 120] Augen zählt. [Allgemeine Zeitung, 17.08.2019]
Ziel beim Schafkopf ist es, durch »Stechen« über 60 Punkte (Augen) [von 120] zu erreichen. Bei mehr als 90 Punkten hat man die Gegenspieler »Schneider« gemacht. [Mittelbayerische, 07.10.2017]
Der Gewinngrad ist im einfachsten Fall 1 und erhöht sich folgendermaßen: 1 = »Spiel« (Alleinspiel gegen zwei Spieler)[,] 2 = Schneider (Gegenpartei oder Solist bekommen nur 30 oder weniger Augen)[,] 3 = Schwarz [sic!] (Gegenpartei oder Solist bekommt keinen Stich) [Wikipedia, 14.09.2021, aufgerufen am 23.10.2021]
Wird beim Doppelkopf nur mit Schneider und schwarz gespielt, so werden Stufen von 60 Augen verwendet. Eine Ansage von Schneider entspricht hier also der Absage [»]keine 60[«]. [Wikipedia, 24.07.2021, aufgerufen am 23.10.2021]
Hinterhand mit obigem Blatt […] glaubt nicht so recht an eine Aufwertung durch Skataufnahme. Also belässt sie es beim Pik Hand – auch in der Hoffnung, die Gegenspieler im Schneider zu halten. [Allgemeine Zeitung, 08.05.2021]
Mittelhand wäre es mit Pik Hand kaum gelungen, die Gegenspieler Schneider zu spielen (Pflicht bei 46 wegen der beiden Spitzen im Skat). [Allgemeine Zeitung, 10.04.2021]
[Für dieses Spiel errechnet man die Punkte wie folgt:] Grundwert für Grand 24 (nicht mehr wie früher 36), Spiel mit vier Buben, Handspiel, ouvert, Schneider, schwarz, Schneider angesagt, schwarz angesagt ergibt somit elf Wertungen mal 24 (Wert eines Grands) – somit 264 Punkte. [Mittelbayerische, 29.12.2017]
Eine Spielpartei gewinnt bei[m] Schafkopf […] mit 61 bis 90 Punkten »einfach«, ab 91 Punkten »mit Schneider« gewonnen und bei allen 8 Stichen hat die Spielpartei »schwarz« gewonnen. [Schafkopf online, 14.10.2016, aufgerufen am 01.09.2020]
α)
Phrasem:
übertragen, umgangssprachlichaus dem Schneider (heraus) sein (= ein Problem, die größten Schwierigkeiten oder die schwierigste Zeit hinter sich haben)
Beispiele:
Grundsätzlich besteht nach Auffassung der Autoclubs die Verpflichtung, ausländische Bußgelder auch zu begleichen. Wer nicht zahlt, nicht per Einspruch reagiert, über Monate hinweg aber nichts mehr hört, ist noch lange nicht aus dem Schneider. [Die Welt, 14.09.2020]
Zahlungen an Kinder können gekürzt werden, wenn in einer neuen Beziehung Kinder geboren werden und die finanziellen Mittel knapp werden. Ganz aus dem Schneider, was den Kindesunterhalt angeht, ist der Betroffene höchstens dann, wenn so gut wie keine eigenen Einkünfte mehr vorhanden sind. [Die Welt, 01.04.2019]
Bei den Versicherungen zur Managerhaftpflicht sei mittlerweile ein Boom zu sehen, sagt der Anwalt. Mit diesen Versicherungen sind die Vorstände aber nicht aus dem Schneider. Sie sehen einen Selbstbehalt vor und decken häufig nicht den Gesamtschaden. [Der Spiegel, 04.04.2017 (online)]
Wissen wir noch, daß wir einmal sagten: Wenn wir mal aus einem Zentner Mehl einen Zentner Brot backen können, dann sind wir aus dem Schneider ’raus? Schwer war der Aufbau unseres neuen Staates [der DDR]. Aber heute ist klar zu sehen: Bei uns geht’s bergauf, drüben dagegen bergab. [Neues Deutschland, 26.01.1967]
Wer kommt überhaupt für Teilzeitarbeit wie auch für Bedarfsbeschäftigungen in Frage: Ehefrauen und Mütter aus beinahe allen Schichten der Bevölkerung. Das heißt[…] in allererster Linie aber ältere Frauen zwischen 45 und 60, die, nachdem die Kinder »aus dem Schneider« sind, sich wieder eine Beschäftigung und ebenfalls einen Zusatzverdienst suchen. [Die Zeit, 30.03.1962]
β)
Phrasem:
übertragen, umgangssprachlichaus dem Schneider (heraus)kommen (= Probleme, eine Krise überwinden)
Beispiele:
Schließlich kursiert die These, ein ernüchterter Präsident verstecke sich hinterm Parlament und hoffe insgeheim auf ein Nein der Legislative, um selber aus dem Schneider zu kommen. [Der Standard, 01.09.2013]
Was der verarmte Senat der absehbaren Pleite des offenbar falsch kalkulierten Kulturtempels entgegensetzt, ist der Kinderglaube, das Tempodrom komme irgendwie noch aus dem Schneider. [Der Tagesspiegel, 29.01.2003]
Und [er] widerspricht dem Gerede von roten Zahlen: »Mit den rund 140.000 Mark aus dem Karten‑Verkauf und unseren Werbeeinnahmen kommen wir aus dem Schneider [Bild, 10.03.1998]
Wir setzten uns zusammen und berieten, wie wir gemeinsam aus dem Schneider kommen. [Neues Deutschland, 13.01.1962]
Damit VEB (= volkseigener Betrieb) Buntstoff aus dem Schneider herauskommt, will der Rohwarenlieferant, VEB Pallas in Glauchau[,] helfen und vorbehandelte Ware liefern. [Neues Deutschland, 28.04.1959]
b)
Tischtennis inoffizielle Bezeichnung für einen sehr niedrigen Punktestand (des Gegners), dessen genauer Punktebereich variiert
Beispiele:
Im zweiten Satz brachte der Deutsche es nicht mal auf zehn Punkte und blieb – wie die Tischtennisspieler sagen – »im Schneider«. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.1995]
Von sechs gespielten Sätzen gewann W[…] fünfmal »im Schneider«. [Welt am Sonntag, 25.10.1998]
Seine [Martin Adomeits] routinierten Spielerinnen gaben in acht Spielen nur einen Satz ab. Europameisterin Nicole Struse siegte dreimal »im Schneider«[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.1998]
c)
beim Darts   Situation am Ende eines Spiels bzw. Durchgangs, in der ein zurückliegender Spieler noch zu viele Restpunkte hat, um das Spiel mit den ihm verbleibenden drei Pfeilwürfen beenden zu können
Beispiele:
Beim Darts spricht man von [einem] Schneider, wenn das Spiel bzw. Leg beendet ist und der Unterlegene noch keine Restpunktzahl erreicht hat, von der aus es möglich wäre, das Spiel mit 3 Darts zu beenden. Bei Double‑Out sind dies 170 Punkte, bei Triple‑Out bzw. Master‑Out 180 Punkte. [Wikipedia, 11.01.2021, aufgerufen am 23.10.2021]
Wenn beim Ende des Spiels der Gegner noch so viele Punkte übrig hat, dass er diese nicht mit drei Darts auf null Punkte tilgen könnte, spricht man von einem Schneider. [Dart Regeln, aufgerufen am 23.10.2021]
4.
Zoologie kleiner, schlanker Weißfisch (Alburnoides bipunctatus), der vor allem in schnell fließenden Gewässern lebt
Beispiele:
Die Biodiversität am Saynbach mit der Wassergüteklasse 2 umfasst viel mehr: Döbel, Schneider, Barbe, Nase (Weißfische), Elritze, Gründling, Koppe, Bachschmerle (Kleinfische), Eintags‑, Röcher‑, Steinfliegen, Libellen, Krebse, Amphibien, Reptilien. [Rhein-Zeitung, 22.08.2013]
Vom Schwarzwaldbach über das Mittelmeer bis zum tropischen Süßwassersee werden alle aquatischen Lebensräume präsentiert. Dabei begegnet man zahlreichen Fischen mit skurrilen Namen wie Gabelbärten, Schneidern, Riesenguramis oder Strömern. [Die Welt, 12.07.2008]
5.
landschaftlich volkstümliche Bezeichnung für verschiedene Insekten und Spinnentiere mit sehr langen Beinen
Beispiele:
Der Weberknecht (Opiliones), auch Schuster oder Schneider genannt, ist in Deutschland ein Bekannter aus dem Garten, der Garage oder dem Keller. [Geolino Tierlexikon, aufgerufen am 23.10.2021]
Die gleiche Namensgebung »Schneider«, sowohl für die Schnake als auch für den Weberknecht, liegt wahrscheinlich daran, dass der Weberknecht der Schnake von Weitem sehr ähnlich sieht. Bei genauerer Betrachtung sind Weberknecht und Schnake dennoch gut voneinander zu unterscheiden: Das einfachste Unterscheidungsmerkmal ist die Anzahl der Beine. Ein Weberknecht (Spinne) hat acht Beine, eine Schnake (Insekt) hat sechs Beine und ein Flügelpaar. [Schnaken, Schneider und wie Stechmücken noch genannt werden, aufgerufen am 23.10.2021]
Ich hab in einer Diskussion gelernt, dass es nicht einfach ist, sich zu einigen[,] über was für ein Tier man redet, wenn man von Weberknechten, Schneidern und Schustern spricht. [Weberknechte oder Schneider und Schuster, 04.12.2011, aufgerufen am 01.09.2020]
Und so ähnlich ist das auch mit den Weberknechten, Schustern, Kankern oder Schneidern, wie auch immer man diese Dinger nennen will. Auch die tauchen plötzlich auf, meist im Bad, ich hole auch hierher den Staubsauger und sauge die weg, dann ist ein paar Tage Ruhe, und dann guckt das nächste lange Bein aus einer Ecke. [Der Tagesspiegel, 19.05.2009]
Schmaljungfer, Schneider (Calopteryx), Gattung der Libellen, mit breiten, dicht netzartig geaderten Flügeln, schmalem Hinterleib; Beine lang. [Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 64903]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schneiden · Schneid · schneidig · Schneide · zweischneidig · Schneider · schneidern · abschneiden · Abschnitt · anschneiden · Aufschnitt · beschneiden · durchschneiden · überschneiden · verschneiden · Verschnittener · Verschnitt · Schneidezahn
schneiden Vb. ‘mit einem scharfen Werkzeug zertrennen’, ahd. snīdan (8./9. Jh.), mhd. mnd. snīden, asächs. snīðan, mnl. snīden, nl. snijden, afries. snītha, aengl. snīþan, anord. snīða, schwed. snida, got. sneiþan (germ. *snīþan). Außergerm. werden herangezogen tschech. (mundartlich) snět ‘Ast’, poln. (älter) śniat ‘Baumstamm’, so daß eine Wurzel ie. *sneit- ‘schneiden’ angenommen werden kann, dazu vielleicht (mit abweichendem Dental) mir. snēid ‘klein, kurz’. Angesichts dieser geringen Vergleichsmöglichkeiten aber ist erwägenswert, auch schneiden zu der lautmalenden, etw. Spitzes, etw. Zupackendes, Schnappendes bezeichnenden Wortgruppe mit anlautendem germ. sn- (s. Schnabel) zu rechnen. schneiden ist ursprünglich wohl ein Landwirtschaftswort und bedeutet in alter Zeit ‘mit der Sichel abmähen, ernten’, vgl. noch heute Gras, Getreide, Korn schneiden. In übertragener Wendung jmdn. schneiden ‘gesellschaftlich ignorieren’ (Mitte 19. Jh.) nach gleichbed. engl. to cut (a person); in der Mathematik sich schneiden (von zwei Linien) ‘sich in einem Punkt kreuzen’ (16. Jh.). Schneid m. (bair.-öst. f.) ‘Mut, Tapferkeit, Draufgängertum’ (18. Jh.), besonders in Wendungen wie (keinen) Schneid haben; eigentlich südd. (mit Apokope eines auslautenden unbetonten e), im Krieg von 1870/71 durch norddeutsche Truppen als Mask. aufgenommen und verbreitet. schneidig Adj. ‘forsch, mutig’ (2. Hälfte 19. Jh.), älter nd. een sneidigen Kopp ‘Kopf mit hellem, scharfem Verstand’, een sneidigen (‘schnellen, energischen’) Gang (18. Jh.), mhd. snīdec, snīdic ‘schneidend, scharf, stark, kräftig’. Schneide f. ‘scharfe, schneidende Kante von Waffen, Werkzeugen, Geräten’, mhd. snīde. zweischneidig Adj. ‘mit zwei Schneiden versehen’ (15. Jh.), daher auch ‘sehr scharf’, übertragen ‘mit Vorteilen und Nachteilen versehen’ (da nach zwei Seiten schneidend), ‘gefährlich’ (17. Jh.). Schneider m. ‘Handwerker, der Kleidung anfertigt’ (eigentlich ‘Stoff, Tuch für Kleidung zuschneidet’), mhd. snīdære. schneidern Vb. ‘Kleidung nähen, anfertigen’ (17. Jh.). abschneiden Vb. ‘mit einem Schneidwerkzeug abtrennen, durchtrennen, den Weg ab-, verkürzen, den Zugang verwehren, verhindern’, ahd. abasnīdan (9. Jh.), mhd. abesnīden. Vgl. gut, schlecht abschneiden ‘mit gutem, schlechtem Ergebnis abschließen, Erfolg bzw. keinen Erfolg haben’ (Mitte 19. Jh.). Abschnitt m. ‘Gliederungseinheit, Textteil, Zeitraum, Zäsur, abtrennbares, abgetrenntes Stück’, mhd. abesnit. anschneiden Vb. ‘nicht völlig durchschneiden, das erste Stück abschneiden’ (das Brot anschneiden, übertragen eine Frage, ein Problem anschneiden ‘eine Aussprache darüber beginnen’), mhd. anesnīden ‘(ein Kleid) anmessen, zurechtmachen’. Aufschnitt m. ‘Braten- und Wurstscheiben’ (19. Jh.), zuvor ‘Schnittstelle’ (18. Jh.), ‘Prahlerei’ (17. Jh.), frühnhd. ūfsnit ‘das Anschneiden’ (15. Jh.). beschneiden Vb. ‘stutzen, zurückschneiden, glattschneiden, die Vorhaut entfernen’, ahd. bisnīdan (8. Jh.), mhd. besnīden. durchschneiden Vb. ‘mit einem Schneidwerkzeug zerteilen’, mhd. durchsnīden ‘zerschneiden, verwunden, zerteilen’ (s. Durchschnitt). überschneiden Vb. (reflexiv) ‘sich kreuzen, teilweise zusammenfallen’ (19. Jh.), zuvor mhd. übersnīden ‘beim Schneiden der Feldfrüchte auf den Grund und Boden eines anderen übergreifen, übertreffen’. verschneiden Vb. ‘kürzen, zurechtschneiden, durch Schneiden verderben’, ahd. firsnīdan ‘weg-, abschneiden, zerschneiden’ (8. Jh.), mhd. versnīden ‘zerschneiden, fehlerhaft zuschneiden, ab-, wegschneiden, beschneiden, kastrieren, verwunden, töten, schmälern’. Verschnittener m. ‘Kastrat, Eunuch’ (16. Jh.). Verschnitt m. ‘Wein, Branntwein, Rum mit Beimischungen anderer Sorten’ (um 1900); vgl. verschneiden übertragen ‘schädigen, verderben, verschlechtern’, daher auch ‘guten Wein mit schlechtem versetzen’, in diesem Sinne zuerst (18. Jh.) nd. versnīden (als Praktik der Weinimporteure?). Schneidezahn m. fast nur im Plur. Schneidezähne ‘die vorderen, scharfen Zähne, mit denen abgebissen wird’ (18. Jh.), wohl Übersetzung von medizin.-lat. dentes incisivi, Neubildung zur Unterscheidung gegenüber älterem Backzahn, Backenzahn, Stockzahn (s. d.).

Thesaurus

Zoologie
Synonymgruppe
Kanker · Schneider · Schuster · Weberknecht  ●  Zimmermann  schweiz. · Opa Langbein  ugs.
Oberbegriffe
  • Araneae  fachspr., Plural, zoologisch · Spinne  ugs., Hauptform · Webspinne  fachspr., zoologisch
Assoziationen
Zoologie
Synonymgruppe
Schneider · Wasserschneider  ●  Wasserläufer  Hauptform
Oberbegriffe
  • Wanze  ●  Heteropteron  fachspr., griechisch
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Schneider‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schneider‹.

Zitationshilfe
„Schneider“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schneider>.

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