Schnur, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schnur · Nominativ Plural: Schnüre
Grammatikselten Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schnur · Nominativ Plural: Schnuren
Aussprache
Wortbildung mit ›Schnur‹ als Erstglied: ↗Schnurbesatz · ↗Schnurkeramik · ↗Schnurkeramiker · ↗Schnurrock · ↗Schnurschalter · ↗Schnurwurm · ↗Schnürchen · ↗Schnürlregen · ↗Schnürlsamt · ↗schnurartig · ↗schnurgerade · ↗schnurlos · ↗schnurstracks
 ·  mit ›Schnur‹ als Letztglied: ↗Angelschnur · ↗Bastschnur · ↗Fangschnur · ↗Führerschnur · ↗Gardinenschnur · ↗Geräteschnur · ↗Hutschnur · ↗Mess-Schnur · ↗Messschnur · ↗Nabelschnur · ↗Netzschnur · ↗Paketschnur · ↗Peitschenschnur · ↗Perlenschnur · ↗Plättschnur · ↗Quastenschnur · ↗Richtschnur · ↗Schuhschnur · ↗Schützenschnur · ↗Seidenschnur · ↗Sprengschnur · ↗Telefonschnur · ↗Verlängerungsschnur · ↗Wäscheschnur · ↗Zeltschnur
 ·  mit ›Schnur‹ als Grundform: ↗schnüren
eWDG, 1976

Bedeutung

aus dünneren Fäden, Fasern gedrehter, geflochtener, etwas dickerer Faden, Kordel
siehe auch Schnürchen
Beispiele:
eine dicke, dünne, feste, kurze, lange Schnur
eine Schnur aus Hanf, Leinen, Papier, Seide
eine Schnur aufknoten, ausspannen, (zum Knäuel) aufwickeln, (vom Knäuel) abwickeln
Perlen auf eine Schnur fädeln, reihen, ziehen, von der Schnur streifen
den Drachen an der Schnur halten
die Schnüre des Zeltes anziehen
an der Schnur des Vorhanges, der Gardine ziehen
die Arbeiter richten sich beim Mauern, Pflastern, Pflanzen nach einer ausgespannten Schnur
Marionetten hängen an Schnüren, werden mit Schnüren gelenkt, bewegt
sie trug zum Kostümball ein Husarenjäckchen mit vielen Schnüren und Knöpfen
die Schnur (= das elektrische Kabel) des Bügeleisens
ein Paket mit einer Schnur (= Bindfaden) verschnüren
bildlich
Beispiele:
Da sprüht es plötzlich von oben herunter, dann rauscht der Regen schnell, in dichten Schnüren [TucholskyGanz anders80]
Am tiefen Nachthimmel glüht die Schnur der Bogenlampen sanft und hell [FalladaBlechnapf130]
umgangssprachlich, übertragen
Beispiele:
etw. geht nach der Schnur (= verläuft ordnungsgemäß und ohne Stocken)
über die Schnur hauen, schlagen (= die Grenze des Schicklichen, Erlaubten überschreiten, leichtsinnig, ausgelassen sein)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schnur1 · schnurgerade · schnurstracks · schnüren
Schnur1 f. ‘aus mehreren Fäden gedrehter fester Strick, Bindfaden’, ahd. snuor (11. Jh.), mhd. snuor ‘Schnur, Band, Seil’, auch ‘Richtschnur des Zimmermanns’, mnd. snōr, mnl. nl. snoer, norw. snor ‘Schnur, Band’ und die Ableitungen aengl. snēr ‘Saite’, anord. snœri ‘Strick, Leine, Tauwerk’, schwed. snöre ‘Schnur, Bindfaden’, got. snōrjō ‘Korb’, mit Ablaut (aus germ. *snarh-) ahd. snaraha (9. Jh.), snar (9./10. Jh.), mhd. snar, mnd. snār(e) ‘Strick, Saite’, anord. snara ‘Schlinge, Strick’, schwed. snara, mnl. snāre, snaer, nl. snaar ‘Saite’ können mit lit. nérti ‘einfädeln, stricken, (ver)knoten, (ver)schlingen’ und weiteren unter ↗Narbe (s. d.) genannten Wortformen zu ie. *(s)ner- ‘drehen, winden (auch von Fäden und Flechtwerk), zusammendrehen, zusammenschnüren’, vielleicht einer Erweiterung der Wurzel ie. *(s)nē- ‘Fäden zusammendrehen, mit dem Faden hantieren, weben, spinnen, nähen’ (s. ↗nähen), gestellt werden. Schnur ist daher als ‘Zusammengedrehtes’ zu verstehen. Redensartliches über die Schnur hauen ‘das rechte Maß überschreiten’, mhd. über die snuor houwen, entstammt der Sprache des Zimmermanns. schnurgerade Adj. ‘gerade wie eine straff gespannte Schnur’ (18. Jh.). schnurstracks Adv. ‘gerade, direkt, ohne Umschweife’ (16. Jh.), auch schnurstrack (16. Jh.); s. ↗stracks. schnüren Vb. ‘mit einer Schnur zusammenbinden’, mhd. snüeren ‘mit Schnüren versehen, an der Schnur lenken, steuern, mit der Schnur abmessen, einrichten’ (vgl. ahd. firsnuoren ‘bestimmen’, um 1000, eigentlich ‘festmachen’), mnd. snȫren, mnl. nl. snoeren, anord. snœra ‘schnüren, winden’, schwed. snöra.

Schnur2 f. ‘Schwiegertochter’, ahd. snura, snora (8. Jh.), mhd. snu(o)r (auch snurche, snorche), mnd. snōre, snāre, mnl. snoere, aengl. snoru, anord. snør, snor, krimgot. schnos (germ. *snuzō). Außergerm. verwandt sind lat. nurus f., griech. nyós (νυός), aind. snusā (ie. *snusó̰-). Weitere Beziehungen sind ungewiß. Nhd. Schnur noch bei Luther, danach gilt es als „veraltet“ (Adelung) wird aber in Mundarten bewahrt.

Thesaurus

Schifffahrt
Synonymgruppe
Leine · Schnur  ●  ↗Strippe  ugs., regional
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Bindfaden · ↗Paketschnur · Schnur · Verpackungskordel · Verpackungsschnur  ●  ↗Kordel  regional · ↗Spagat  bair., österr.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Borte Haken Hals Kordel Köder Perle Quaste Rute Ziehen aneinanderreihen auffädeln aufreihen baumeln befestigen durchtrennen dünn erdrosseln festbinden fädeln geflochten gespannt herabhängen reihen seiden spannen umwickeln verheddern verknotet wickeln zusammenbinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schnur‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dort steht sie dann im Dunkeln und zerrt an ihren Schnüren.
Der Tagesspiegel, 02.11.2003
Je öfter der Ball über die gespannte Schnur fliegt, um so hörbarer wird das Ringen um Luft.
Süddeutsche Zeitung, 09.02.1995
Er forderte mich auf, mein Zeug von der Schnur zu holen.
Lenz, Siegfried: Heimatmuseum, Hamburg: Hoffmann und Campe 1978, S. 208
Die Schnur sei wohl zu lang, sagte er, man würde das ändern müssen, später.
Kempowski, Walter: Tadellöser & Wolff, München: Hanser 1971 [1971], S. 201
Und darum können Sie auch nicht für das gesundheitsschädliche Schnüren der Frauen sein.
Bredel, Willi: Die Väter. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Bd. 7, Berlin: Aufbau-Verl. 1973 [1946], S. 112
Zitationshilfe
„Schnur“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schnur>, abgerufen am 24.04.2019.

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