Schoß, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schoßes · Nominativ Plural: Schöße
Wortbildung mit ›Schoß‹ als Erstglied: ↗Schoßgeige · ↗Schoßhund · ↗Schoßkind · ↗Schoßrock · ↗Schößchen
 ·  mit ›Schoß‹ als Letztglied: ↗Erdenschoß · ↗Frackschoß · ↗Mutterschoß · ↗Rockschoß
 ·  formal verwandt mit: ↗langschößig
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Vertiefung, die beim Sitzen durch die Oberschenkel und den Unterleib gebildet wird
Beispiele:
das Kind sitzt auf dem Schoß der Mutter
die Mutter hatte das Kind auf dem Schoß, nahm das Kind auf den Schoß
die Kleine kletterte auf seinen Schoß
die Katze sprang auf ihren Schoß, ihr auf den Schoß
sich auf jmds. Schoß setzen
sie hielt ihre, die Hände im Schoß, hatte das Strickzeug im Schoß liegen, ließ das Buch in den Schoß sinken
weinend legte das Kind den Kopf in den Schoß der Mutter
wie in Abrahams Schoß (= geborgen, sicher) ruhen, schlafen, sitzen
bildlich
Beispiele:
ihm fällt alles in den Schoß (= ihm wird alles zuteil, ohne dass er sich darum zu bemühen braucht)
die Hände in den Schoß legen (= nichts tun, müßig sein)
gehoben, übertragen Schutz, Geborgenheit
Beispiele:
er ist im Schoß der Familie aufgewachsen, in den Schoß der Familie zurückgekehrt
Fulganzio ... ist in den Schoß der Kirche zurückgekehrt [BrechtGalilei14]
2.
dichterisch Mutterleib
Beispiele:
sie trägt ein Kind in ihrem Schoß
Als er aus dem Schoß seiner Mutter kam, damit er lebte, hatte der Kampf begonnen [E. ClaudiusGrüne Oliven30]
übertragen das Innere
Beispiele:
das liegt noch im Schoß der Zukunft (= ist noch verborgen, nicht vorauszusagen)
Im Schoße der Erde gibt es schaurige Höhlen [KaschnitzHaus73]
in des Grabes Schoß / Versenkt mich [Ric. HuchGedichte159]
3.
Teil eines Kleidungsstückes
a)
Rockschoß
Beispiele:
ein Frack mit langen Schößen
die Kellner eilten mit fliegenden, flatternden, wehenden Schößen umher
Sie sitzen auf dem Schoß ihres Rockes [Th. MannLotte7,688]
b)
meist gekräuselt oder glockig an der Taille angesetzter Stoffteil bei Damenkleidung
Beispiele:
eine Jacke mit Schoß
das Kleid hat ein Schößchen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schoß2 · Schößling
Schoß2 m. ‘junger, aufgeschossener Trieb’, ahd. scoʒʒa f. (Hs. 13. Jh.), erdscoʒʒa (10. Jh.), mhd. schoʒ n. ‘Schößling’ stehen im Ablaut zu dem unter ↗schießen (s. d.) abgehandelten Verb. Maskulines Genus wird im 16./17. Jh. üblich. Dazu die Weiterbildung Schößling m. (15. Jh.); vgl. ahd. scuʒʒiling (11. Jh.), mhd. schüʒʒelinc, schüʒlinc ‘Schößling, Reis, Sproß’.

Schoß1 · Schoßhund · Schoßkind
Schoß1 m. ‘Hüftteil bestimmter Oberbekleidungsstücke’ (vgl. Rockschoß), ‘Mitte des Leibes’, zumal die ‘beim Sitzen zwischen Oberschenkeln und Unterleib entstehende Nische’ ahd. scōʒ m. (10. Jh.), scōʒa f. (um 800), scōʒo m. (um 1000) ‘Ecke, Kleidersaum, Leibesmitte’, mhd. schōʒ m. n., schōʒ(e) f., auch ‘vom Leib niedergehender gefalteter Teil des Kleides, den Schoß deckender Teil der Rüstung’, mnd. schōt m., schōte m. f., mnl. scoot m., nl. schoot ‘Rockschoß, Kleidersaum, Leibesmitte, Meerbusen’, afries. scāt, aengl. scēat m. ‘Ecke, Zipfel, Vorgebirge, Leibesmitte’, anord. skaut n. ‘Ecke, Zipfel, Leibesmitte, Kopftuch’, schwed. sköte, got. skaut (n.?) ‘Saum (des Kleides)’ sind wohl mit Ablaut zu dem unter ↗schießen (s. d.) behandelten Verb gebildet. Auszugehen ist dabei von germ. *skauta- mit einer Bedeutung (vgl. ahd. thrīscōʒ(i), um 1000, aengl. þriskyte, anord. þrīskeyta ‘dreieckig’) ‘Hervorschießendes, -springendes, Spitzes, Ecke, Winkel’, die in ‘Gewand, Zipfel, unterer faltenreicher Teil eines den Unterleib bedeckenden Kleidungsstückes’ übergeht. Von daher erfolgt die Übertragung auf die durch Oberschenkel und Unterleib gebildete ‘Körpermitte’. So erhält Schoß auch den Sinn von ‘Mutterleib’ und wird zum bildhaften Ausdruck für einen ‘sicheren, geschützten Ort’ wie auch für einen ‘Ort des Werdens, des Entstehens’, vgl. der Mutter Schoß, der Schoß Gottes, in Abrahams Schoß, Schoß der Erde, Schoß der Nacht, Schoß der Natur, Schoß der Familie. Das maskuline Genus mit starker Flexion setzt sich erst im 19. Jh. endgültig durch. Schoßhund m. ‘kleiner Hund, der sich auf den Schoß nehmen läßt’ (16. Jh.). Schoßkind n. ‘kleines, jüngstes Kind’, auch ‘Lieblingskind, Hätschelkind’ (17. Jh.).

Schoß3 m. ‘Steuer, Geldbetrag’ (von den Bürgern zusammengeschossen), mhd. schoӡ n. m., mnd. schot(e) n., afries. skot n., aengl. sceot, scot n., anord. skot n. (germ. *skuta-) und die Entlehnung mlat. scutum n. Eine ablautende Bildung (wie ↗Schuß, s. d.), im Hd. zum Maskulinum übergehend und nach dem 19. Jh. ungebräuchlich, zu ↗schießen (s. d.) im Sinne von ‘zuschießen, beisteuern’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Brutstätte  fig. · ↗Nährboden  fig. · Schoß  geh., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
Schubfach · ↗Schubkasten  ●  ↗Schublade  Hauptform · Schoss  ugs., rheinisch

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baby Erde Familie Frucht Geborgenheit Hand Handtasche Jungfrau Katze Kirche Laptop Mutter Serviette Zutun betten fallen falten fruchtbar fällen gefallen großrussisch hocken kriechen kuscheln legen mütterlich ruhen schlummern sitzen zurückkehren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schoß‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dies aber bedeutete nicht die Hände in den Schoß zu legen.
Der Tagesspiegel, 04.09.2003
Aber jetzt will sie immer auf seinem Schoß sitzen und sich streicheln lassen.
Süddeutsche Zeitung, 21.07.2001
Wir legen nicht die Hände in den Schoß, sondern wir arbeiten fabelhaft Hand in Hand.
Röhrich, Lutz: Hand. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 24580
Er hielt mir auf seinem Schoße sitzend nach dem Einatmen den Mund zu.
Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 16
Oder wollen wir etwa die Hände müßig in den Schoß legen?
Wilhelm II. (Kaiser des Deutschen Reiches): Seepredigt. In: Johann, Ernst (Hg.), Reden des Kaisers, München: Deutscher Taschenbuch-Verl. 1966 [29.07.1900], S. 86
Zitationshilfe
„Schoß“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schoß#1>, abgerufen am 23.04.2019.

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Schoss, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schosses · Nominativ Plural: Schosse
Ungültige SchreibungSchoß
Rechtschreibregeln§ 2, § 25 (E1)
Wortbildung mit ›Schoss‹ als Erstglied: ↗Schössling
eWDG, 1976

Bedeutung

lang gewachsener, meist junger Trieb einer Pflanze
Beispiele:
der Baum hat Schosse getrieben
die unfruchtbaren Schosse ausschneiden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schoß2 · Schößling
Schoß2 m. ‘junger, aufgeschossener Trieb’, ahd. scoʒʒa f. (Hs. 13. Jh.), erdscoʒʒa (10. Jh.), mhd. schoʒ n. ‘Schößling’ stehen im Ablaut zu dem unter ↗schießen (s. d.) abgehandelten Verb. Maskulines Genus wird im 16./17. Jh. üblich. Dazu die Weiterbildung Schößling m. (15. Jh.); vgl. ahd. scuʒʒiling (11. Jh.), mhd. schüʒʒelinc, schüʒlinc ‘Schößling, Reis, Sproß’.

Schoß1 · Schoßhund · Schoßkind
Schoß1 m. ‘Hüftteil bestimmter Oberbekleidungsstücke’ (vgl. Rockschoß), ‘Mitte des Leibes’, zumal die ‘beim Sitzen zwischen Oberschenkeln und Unterleib entstehende Nische’ ahd. scōʒ m. (10. Jh.), scōʒa f. (um 800), scōʒo m. (um 1000) ‘Ecke, Kleidersaum, Leibesmitte’, mhd. schōʒ m. n., schōʒ(e) f., auch ‘vom Leib niedergehender gefalteter Teil des Kleides, den Schoß deckender Teil der Rüstung’, mnd. schōt m., schōte m. f., mnl. scoot m., nl. schoot ‘Rockschoß, Kleidersaum, Leibesmitte, Meerbusen’, afries. scāt, aengl. scēat m. ‘Ecke, Zipfel, Vorgebirge, Leibesmitte’, anord. skaut n. ‘Ecke, Zipfel, Leibesmitte, Kopftuch’, schwed. sköte, got. skaut (n.?) ‘Saum (des Kleides)’ sind wohl mit Ablaut zu dem unter ↗schießen (s. d.) behandelten Verb gebildet. Auszugehen ist dabei von germ. *skauta- mit einer Bedeutung (vgl. ahd. thrīscōʒ(i), um 1000, aengl. þriskyte, anord. þrīskeyta ‘dreieckig’) ‘Hervorschießendes, -springendes, Spitzes, Ecke, Winkel’, die in ‘Gewand, Zipfel, unterer faltenreicher Teil eines den Unterleib bedeckenden Kleidungsstückes’ übergeht. Von daher erfolgt die Übertragung auf die durch Oberschenkel und Unterleib gebildete ‘Körpermitte’. So erhält Schoß auch den Sinn von ‘Mutterleib’ und wird zum bildhaften Ausdruck für einen ‘sicheren, geschützten Ort’ wie auch für einen ‘Ort des Werdens, des Entstehens’, vgl. der Mutter Schoß, der Schoß Gottes, in Abrahams Schoß, Schoß der Erde, Schoß der Nacht, Schoß der Natur, Schoß der Familie. Das maskuline Genus mit starker Flexion setzt sich erst im 19. Jh. endgültig durch. Schoßhund m. ‘kleiner Hund, der sich auf den Schoß nehmen läßt’ (16. Jh.). Schoßkind n. ‘kleines, jüngstes Kind’, auch ‘Lieblingskind, Hätschelkind’ (17. Jh.).

Schoß3 m. ‘Steuer, Geldbetrag’ (von den Bürgern zusammengeschossen), mhd. schoӡ n. m., mnd. schot(e) n., afries. skot n., aengl. sceot, scot n., anord. skot n. (germ. *skuta-) und die Entlehnung mlat. scutum n. Eine ablautende Bildung (wie ↗Schuß, s. d.), im Hd. zum Maskulinum übergehend und nach dem 19. Jh. ungebräuchlich, zu ↗schießen (s. d.) im Sinne von ‘zuschießen, beisteuern’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Brutstätte  fig. · ↗Nährboden  fig. · Schoß  geh., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
Schubfach · ↗Schubkasten  ●  ↗Schublade  Hauptform · Schoss  ugs., rheinisch

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baby Erde Familie Frucht Geborgenheit Hand Handtasche Jungfrau Katze Kirche Laptop Mutter Serviette Zutun betten fallen falten fruchtbar fällen gefallen großrussisch hocken kriechen kuscheln legen mütterlich ruhen schlummern sitzen zurückkehren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schoß‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dies aber bedeutete nicht die Hände in den Schoß zu legen.
Der Tagesspiegel, 04.09.2003
Aber jetzt will sie immer auf seinem Schoß sitzen und sich streicheln lassen.
Süddeutsche Zeitung, 21.07.2001
Wir legen nicht die Hände in den Schoß, sondern wir arbeiten fabelhaft Hand in Hand.
Röhrich, Lutz: Hand. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 24580
Er hielt mir auf seinem Schoße sitzend nach dem Einatmen den Mund zu.
Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 16
Oder wollen wir etwa die Hände müßig in den Schoß legen?
Wilhelm II. (Kaiser des Deutschen Reiches): Seepredigt. In: Johann, Ernst (Hg.), Reden des Kaisers, München: Deutscher Taschenbuch-Verl. 1966 [29.07.1900], S. 86
Zitationshilfe
„Schoss“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schoss#2>, abgerufen am 23.04.2019.

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