Schoßkind, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungSchoß-kind (computergeneriert)
WortzerlegungSchoß1Kind
eWDG, 1976

Bedeutung

sehr verwöhntes, verzärteltes und verhätscheltes Kind
Beispiel:
die Kleine ist ein richtiges Schoßkind
übertragen jmd., der von etw., jmdm. begünstigt, bevorzugt wird, Lieblingskind
Beispiele:
er ist ein Schoßkind des Glücks
abwertend dieser Mann, Schoßkind der westdeutschen und internationalen Reaktion [Tageszeitung1960]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schoß1 · Schoßhund · Schoßkind
Schoß1 m. ‘Hüftteil bestimmter Oberbekleidungsstücke’ (vgl. Rockschoß), ‘Mitte des Leibes’, zumal die ‘beim Sitzen zwischen Oberschenkeln und Unterleib entstehende Nische’ ahd. scōʒ m. (10. Jh.), scōʒa f. (um 800), scōʒo m. (um 1000) ‘Ecke, Kleidersaum, Leibesmitte’, mhd. schōʒ m. n., schōʒ(e) f., auch ‘vom Leib niedergehender gefalteter Teil des Kleides, den Schoß deckender Teil der Rüstung’, mnd. schōt m., schōte m. f., mnl. scoot m., nl. schoot ‘Rockschoß, Kleidersaum, Leibesmitte, Meerbusen’, afries. scāt, aengl. scēat m. ‘Ecke, Zipfel, Vorgebirge, Leibesmitte’, anord. skaut n. ‘Ecke, Zipfel, Leibesmitte, Kopftuch’, schwed. sköte, got. skaut (n.?) ‘Saum (des Kleides)’ sind wohl mit Ablaut zu dem unter ↗schießen (s. d.) behandelten Verb gebildet. Auszugehen ist dabei von germ. *skauta- mit einer Bedeutung (vgl. ahd. thrīscōʒ(i), um 1000, aengl. þriskyte, anord. þrīskeyta ‘dreieckig’) ‘Hervorschießendes, -springendes, Spitzes, Ecke, Winkel’, die in ‘Gewand, Zipfel, unterer faltenreicher Teil eines den Unterleib bedeckenden Kleidungsstückes’ übergeht. Von daher erfolgt die Übertragung auf die durch Oberschenkel und Unterleib gebildete ‘Körpermitte’. So erhält Schoß auch den Sinn von ‘Mutterleib’ und wird zum bildhaften Ausdruck für einen ‘sicheren, geschützten Ort’ wie auch für einen ‘Ort des Werdens, des Entstehens’, vgl. der Mutter Schoß, der Schoß Gottes, in Abrahams Schoß, Schoß der Erde, Schoß der Nacht, Schoß der Natur, Schoß der Familie. Das maskuline Genus mit starker Flexion setzt sich erst im 19. Jh. endgültig durch. Schoßhund m. ‘kleiner Hund, der sich auf den Schoß nehmen läßt’ (16. Jh.). Schoßkind n. ‘kleines, jüngstes Kind’, auch ‘Lieblingskind, Hätschelkind’ (17. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Glück Nation

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schoßkind‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So dauerte es denn fast zwanzig Jahre, bis die „Schoßkinder der Nation“ mündig wurden.
Die Zeit, 04.08.1967, Nr. 31
Dieses Schoßkind der westeuropäischen Demokratien gehört überhaupt nicht zu den kulturellen Nationen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1939]
Hartnäckig hielt sich das Vorurteil, der Mops tauge bestenfalls als träges, verfettetes Schoßkind alter Jungfern.
Die Zeit, 24.11.2005, Nr. 48
Das Stadttheater bedeutete in jenen stillen Zeiten das Schoßkind der ganzen Bevölkerung, den einzigen Gesprächsstoff allgemeiner Art.
Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863-1933. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 5184
Im Zentrum steht ein verkrachter Dichter, der sich neu erfindet, als medienwirksamer Schockpoet, Schoßkind einer übersatten Bussi- Gesellschaft.
Süddeutsche Zeitung, 22.11.2003
Zitationshilfe
„Schoßkind“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schoßkind>, abgerufen am 24.04.2019.

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