Schranze, die oder der

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schranze · Nominativ Plural: Schranzen
Nebenform veraltet Schranze · Substantiv (Maskulinum)
Worttrennung Schran-ze
Wortbildung  mit ›Schranze‹ als Erstglied: schranzenhaft  ·  mit ›Schranze‹ als Letztglied: Hofschranze
eWDG

Bedeutung

abwertend Angehöriger der Hofgesellschaft, der dem Fürsten schmeichelte und bedingungslos dessen Interessen vertrat, Fürstendiener
Beispiel:
Sieht man doch heute schon, wie sich eine Schar von Schranzen mit betonter Dringlichkeit um [Herzog] Maine versammelt hält! [ ZuchardtStunde241]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schranze · Schranz · Hofschranze
Schranze f. ‘überflüssiger Wichtigtuer’ (geringschätzig und spöttisch für einen ergebenen Beamten, Würdenträger, Höfling). Hervorgegangen aus Schranz m. ahd. schranz (Hs. 13. Jh.), mhd. schranz(e) m. f. ‘Riß, Schlitz, Spalte’, auch ‘modisch geschlitztes Gewand’, danach ‘so gekleideter eitler junger Mann, Geck’ und (14. Jh.) ‘Schmeichler, Heuchler’ (mit wechselndem Genus, seit 18. Jh. nur noch f.). Häufig in der Zusammensetzung Hofschranze f. ‘schmeichelnder, devoter Höfling’, hofeschranzen Plur. (Luther, mit einem anzunehmenden Sing. hofeschranz m.). Wohl gebildet zu ahd. scrintan, mhd. schrinden ‘aufreißen, bersten, spalten’ (s. Schrunde).

Thesaurus

Synonymgruppe
(im) Schlepptau · Anhang · Begleitperson · Begleitung · Entourage · Eskorte · Gefolge (eines Prominenten) · Gefolgschaft · Gefolgsleute · Tross  ●  Hofstaat  veraltet, ironisch · (jemandes) Jungs  ugs. · (jemandes) Leute  ugs. · (jemandes) Mädels  ugs. · Hofschranze  geh., veraltet · Höfling  geh., veraltet · Schranze  geh., veraltet
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Hofierer · Kriecher · Lobhudler · Schmeichler  ●  Radfahrer  fig. · Wurm  veraltet · Arschkriecher  derb · Byzantiner  geh., veraltend · Liebediener  geh. · Schleimer  ugs., Hauptform · Schleimi  ugs. · Schleimscheißer  derb · Schranze  geh., veraltet · Speichellecker  derb · Steigbügelhalter  geh. · Stiefellecker  derb
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Schranze‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie soll nicht über ihn verfügen wie über die anderen Schranzen. [Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 74]
Selbst seinen Schranzen gelang es nicht mehr, ihm die Welt schön zu malen. [Die Welt, 03.11.2005]
Er hätte es nicht ertragen können, mitten unter ihren Schranzen zu sitzen. [Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 84]
Ich bin schneller, klüger, entschlossener als alle deine Schranzen zusammen. [Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 218]
Er hat nicht den häufig zu beobachtenden Chef‑Fehler gemacht, sich mit Schranzen zu umgeben. [Süddeutsche Zeitung, 17.10.2002]
Zitationshilfe
„Schranze“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schranze>.

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