Schranze, die oder der

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schranze · Nominativ Plural: Schranzen
Nebenform veraltet Schranze · Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schranze · Nominativ Plural: Schranzen
WorttrennungSchran-ze (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Schranze‹ als Erstglied: ↗schranzenhaft  ·  mit ›Schranze‹ als Letztglied: ↗Hofschranze
eWDG, 1976

Bedeutung

abwertend Angehöriger der Hofgesellschaft, der dem Fürsten schmeichelte und bedingungslos dessen Interessen vertrat, Fürstendiener
Beispiel:
Sieht man doch heute schon, wie sich eine Schar von Schranzen mit betonter Dringlichkeit um [Herzog] Maine versammelt hält! [ZuchardtStunde241]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schranze · Schranz · Hofschranze
Schranze f. ‘überflüssiger Wichtigtuer’ (geringschätzig und spöttisch für einen ergebenen Beamten, Würdenträger, Höfling). Hervorgegangen aus Schranz m. ahd. schranz (Hs. 13. Jh.), mhd. schranz(e) m. f. ‘Riß, Schlitz, Spalte’, auch ‘modisch geschlitztes Gewand’, danach ‘so gekleideter eitler junger Mann, Geck’ und (14. Jh.) ‘Schmeichler, Heuchler’ (mit wechselndem Genus, seit 18. Jh. nur noch f.). Häufig in der Zusammensetzung Hofschranze f. ‘schmeichelnder, devoter Höfling’, hofeschranzen Plur. (Luther, mit einem anzunehmenden Sing. hofeschranz m.). Wohl gebildet zu ahd. scrintan, mhd. schrinden ‘aufreißen, bersten, spalten’ (s. ↗Schrunde).

Thesaurus

Synonymgruppe
(im) Schlepptau · ↗Anhang · ↗Begleitperson · ↗Begleitung · ↗Entourage · ↗Eskorte · ↗Gefolge (eines Prominenten) · ↗Gefolgschaft · ↗Gefolgsleute · ↗Tross  ●  ↗Hofstaat  veraltet, ironisch · ↗(jemandes) Leute  ugs. · ↗Hofschranze  geh., veraltet · ↗Höfling  geh., veraltet · Schranze  geh., veraltet
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Kriecher · ↗Schmeichler  ●  ↗Radfahrer  fig. · ↗Wurm  veraltet · ↗Arschkriecher  derb · Byzantiner  geh., veraltend · ↗Liebediener  geh. · ↗Schleimer  ugs., Hauptform · ↗Schleimscheißer  derb · Schranze  geh., veraltet · ↗Speichellecker  derb · ↗Steigbügelhalter  geh. · ↗Stiefellecker  derb
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  ↗Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Selbst seinen Schranzen gelang es nicht mehr, ihm die Welt schön zu malen.
Die Welt, 03.11.2005
Sie soll nicht über ihn verfügen wie über die anderen Schranzen.
Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 74
Er hat nicht den häufig zu beobachtenden Chef-Fehler gemacht, sich mit Schranzen zu umgeben.
Süddeutsche Zeitung, 17.10.2002
So wollte er gesehen werden, und so verklärten ihn die Politurspezialisten und Schranzen seines imaginären Hofstaates.
Die Zeit, 11.11.1988, Nr. 46
Man wird wohl Schranzen vom Verdachte der Fälschung freisprechen, um so mehr aber Erzherzog Karl belasten müssen.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1929, S. 968
Zitationshilfe
„Schranze“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schranze>, abgerufen am 11.12.2019.

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