Schrulle, die
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schrulle · Nominativ Plural: Schrullen
Aussprache
WorttrennungSchrul-le (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Schrulle‹ als Erstglied: ↗schrullenhaft  ·  formal verwandt mit: ↗verschrullt
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
seltsamer Einfall, an dem eigensinnig festgehalten wird, wunderliche Eigenheit
Beispiele:
eine harmlose, krankhafte Schrulle
er hat den Kopf voller Schrullen, nichts als Schrullen im Kopf
sie hatten ihn gern, trotz seiner Schrullen und Merkwürdigkeiten
Diese Schrulle bestand in einer blauen Mappe, die er stets ... unter dem Arm trug [SpoerlFeuerzangenbowle38]
2.
eine alte Schrulle salopp, abwertend wunderliche, komische, alte Frau
Beispiele:
die alte Schrulle hat auch immer etwas zu meckern
ich möchte nur wissen, wie die alte Schrulle das rausgekriegt hat
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schrulle · schrullig
Schrulle f. ‘wunderlicher Einfall, Laune, Marotte, merkwürdiges Verhalten’, ein nd. Wort, das im 18. Jh. in die Literatursprache eingeht und dort im 19. Jh. geläufig wird. Mnd. schrul, schrol m. n. ‘Groll, Verstimmung, Raserei, Verrücktheit’, nd. Schrull m. ‘toller Einfall’ steht wie nl. schrollen ‘schmälen, schimpfen’ (17. Jh.) und schwed. (mundartlich) skrolla ‘schelten’ lautmalend im Ablaut zu ↗schrill (s. d.). schrullig Adj. ‘wunderlich, launisch’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Angewohnheit · ↗Caprice · ↗Eigenart · ↗Eigenheit · ↗Kaprice · ↗Marotte · Schrulle · ↗Spleen · ↗Tick  ●  ↗Grille  veraltend · ↗Kaprize  österr. · Allüren  geh. · ↗Fimmel  ugs. · ↗Macke  ugs. · ↗Tic  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Psychologie
Synonymgruppe
Angewohnheit · ↗Habit · ↗Neigung  ●  ↗Marotte  ugs. · Schrulle  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
altes Weib  ●  ↗(alte) Vettel  abwertend · ↗Matrone  abwertend · alte Frau  Hauptform · ↗(abgetakelte) Fregatte  ugs., abwertend, fig. · ↗(alte) Schabracke  ugs., abwertend · ↗(alte) Schachtel  derb, abwertend, fig. · ↗(alte) Scharteke  ugs., abwertend · (alte) Schrulle  ugs., abwertend · ↗(altes) Schrapnell  ugs., fig. · ↗Alte  derb · ↗Reff  ugs., abwertend · ↗Schreckschraube  ugs., abwertend · ↗Spinatwachtel  ugs., abwertend · alte Hexe  derb · alter Besen  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Furie · ↗Zicke · zänkisches Weib  ●  ↗Besen  ugs. · ↗Drachen  ugs. · ↗Gewitterziege  ugs. · ↗Giftnudel  ugs. · ↗Hausdrachen  ugs. · ↗Hippe  ugs. · ↗Kratzbürste  ugs. · ↗Krähe  ugs. · Meckertante  ugs. · ↗Meckerziege  ugs. · ↗Megäre  geh., bildungssprachlich · ↗Schlange  ugs. · ↗Xanthippe  geh. · ↗Zimtzicke  ugs., ruhrdt. · ↗Zippe  ugs. · boshaftes Weibsstück  ugs. · feuerspeiender Drache  ugs., fig.
  • (...) Jahre jung sein · (...) Lenze zählen (lit. oder veraltet) · (...) geboren sein · ↗(...) sein · Jahrgang (...) sein · es auf (...) Jahre bringen · im Jahr(e) (...) geboren sein  ●  (...) Jahre alt sein  Hauptform · (...) Jahre zählen  veraltet · (...) Jahre auf dem Buckel haben  ugs.
  • (blödes) Weibsstück  ugs., abwertend · ↗Krähe (Schimpfwort)  ugs. · ↗Schnepfe (Schimpfwort)  ugs. · ↗Trulla (leicht abwertend)  ugs., veraltend · Trutsche (Schimpfwort)  ugs. · Trutschn  ugs., süddt. · Tuse  ugs., abwertend · blöde Kuh (Schimpfwort)  ugs., variabel · dumme Pute (Schimpfwort)  ugs. · dummes Huhn (Schimpfwort)  ugs.
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Macken Marotten Schwächen Ticks liebenswerte persönlichen pflegen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schrulle‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daß die einheimischen Autos, und andere gibt es dort kaum, links fahren, mag man als britische Schrulle gelten lassen.
Süddeutsche Zeitung, 22.01.1997
Daß Sie mich damals lieber nicht einsperrten, war gewiß keine humane Schrulle.
Die Zeit, 04.09.1987, Nr. 37
Wenn eine ältere Dame es sagt, halte ich es für eine Schrulle.
Altenberg, Peter: Pròdromos. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1906], S. 6178
Da er meine »Schrullen« kannte, muß er wohl in mir einen Liebhaber gewittert haben.
Benz, Carl Friedrich: Lebensfahrt eines deutschen Erfinders, Die Erfindung des Automobils, Erinnerungen eines Achtzigjährigen. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1925], S. 8188
Mit Energie und Selbstzucht wird es bald gelingen, dieser Schrullen Herr zu werden.
Volkland, Alfred: Überall gern gesehen. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1941], S. 22823
Zitationshilfe
„Schrulle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schrulle>, abgerufen am 26.02.2018.

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