Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Schuld, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schuld · Nominativ Plural: Schulden
Aussprache  [ʃʊlt]
Wortbildung  mit ›Schuld‹ als Erstglied: Schuldabänderung · Schuldanerkenntnis · Schuldausspruch · Schuldbeitritt · Schuldbekenntnis · Schuldbeweis · Schuldbewusstsein · Schuldbrief · Schuldbuch · Schuldenabbau · Schuldenabkommen · Schuldenaufnahme · Schuldenberg · Schuldenbremse · Schuldendienst · Schuldenerlass · Schuldenerleichterung · Schuldenfalle · Schuldengrenze · Schuldenhaftung · Schuldenkrise · Schuldenlast · Schuldenlatte · Schuldenmacher · Schuldenmasse · Schuldenpolitik · Schuldenposten · Schuldenproblem · Schuldenquote · Schuldenregulierung · Schuldenrisiko · Schuldenruf · Schuldenschnitt · Schuldenstand · Schuldentilgung · Schulderlass · Schuldfaktor · Schuldforderung · Schuldfrage · Schuldgefängnis · Schuldgefühl · Schuldgeständnis · Schuldkomplex · Schuldkonto · Schuldmasse · Schuldmaß · Schuldposten · Schuldrecht · Schuldschein · Schuldspruch · Schuldsumme · Schuldtitel · Schuldturm · Schuldumwandlung · Schuldverhältnis · Schuldverpflichtung · Schuldverschreibung · Schuldversprechen · Schuldvorwurf · Schuldwechsel · Schuldübernahme · schuldbefleckt · schuldbeladen · schuldbelastet · schuldbewusst · schuldenfrei · schuldfrei · schuldfähig · schuldhaft · schuldlos · schuldunfähig · schuldvoll
 ·  mit ›Schuld‹ als Letztglied: Ablösungsschuld · Alleinschuld · Altschuld · Anleiheschuld · Auslandsschuld · Bankschuld · Blutschuld · Briefschuld · Bringeschuld · Bringschuld · Buchschuld · Bundesschuld · Dankesschuld · Ehrenschuld · Erbschuld · Finanzschuld · Gattungsschuld · Geldschuld · Gesamtschuld · Grundschuld · Hauptschuld · Holschuld · Kollektivschuld · Kriegsschuld · Mietschuld · Mitschuld · Nichtschuld · Planschulden · Regress-Schuld · Regressschuld · Rentenschuld · Reparationsschuld · Restschuld · Schickschuld · Speziesschuld · Spielschuld · Staatsschuld · Steuerschuld · Sündenschuld · Unschuld · Wahlschuld · Wechselschuld · Zechschuld
 ·  formal verwandt mit: zu Schulden · zuschulden
eWDG

Bedeutungen

1.
das Verantwortlichsein für ungesetzliches Handeln, für die Verletzung sittlicher, moralischer Gebote, Pflichten
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
eine persönliche, kollektive, fahrlässige, vorsätzliche, moralische, strafrechtliche Schuld
das ist meine Schuld
die Schuld liegt bei mir
die ganze Schuld fiel auf ihn
sie trifft keine Schuld
wenig, viel, keine Schuld haben
eine Schuld eingestehen, abstreiten, leugnen
jmds. Schuld beweisen
eine Schuld büßen
er bezahlte seine Schuld mit dem Leben
jmdm. die Schuld geben, zuschreiben
daran trägt er die Schuld
die Schuld auf jmdn. schieben, abwälzen
umgangssprachlichjmdm. die Schuld in die Schuhe schieben
alle Schuld auf sich nehmen
die Schuld bei sich suchen
keiner glaubte an seine Schuld
die Beweise sprechen für seine Schuld
ohne jede Schuld sein
sich frei von Schuld fühlen, wissen
ich will ja niemand die Schuld zuschieben [ G. Hauptm.FriedensfestIII]
Erkenntnis, Bewusstsein, eine Verfehlung, Missetat begangen zu haben
Beispiele:
eine untilgbare Schuld
große Schuld lastet auf ihm
das Gefühl der Schuld bedrückte ihn
sie sind sich keiner Schuld bewusst
an einer Schuld tragen
sich in immer neue Schuld verstricken
Schuld und Reue
Schuld und Sühne
2.
Verpflichtung zu einer Leistung
a)
zur Rückerstattung von (geliehenem) Geld
Grammatik: meist im Plural
Beispiele:
alte, noch ausstehende, offene (= unbezahlte), schwebende, drückende Schulden
auf dem Grundstück liegt eine Schuld von 50 000 Euro
große Schulden haben, machen
neue Schulden eingehen
beträchtliche Schulden hinterlassen
Schulden anerkennen, abzahlen, bezahlen, zurückzahlen, abdecken, abtragen, begleichen, bereinigen, tilgen
salopp Schulden abstoßen, abstottern
Schulden einfordern, einkassieren, einklagen, eintreiben, einziehen, erlassen, löschen, streichen
für jmds. Schulden bürgen
in Schulden geraten
ohne Schulden sein
umgangssprachlich, bildlich
Beispiele:
seine Schulden wuchsen ihm über den Kopf (= er wurde nicht mit ihnen fertig)
sich in Schulden stürzen (= sich blindlings verschulden)
mehr Schulden als Haare auf dem Kopf haben (= sehr verschuldet sein)
bis über beide Ohren in Schulden stecken (= sehr verschuldet sein)
b)
gehoben (tief) in jmds. Schuld sein, stehenjmdm. zu Dank verpflichtet sein
Beispiel:
sie meinte … tief in der Schuld der jungen Frau zu stehen [ Ebner-Eschenb.3,83]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schuld · schuld · schulden · schuldig · schuldigen1 · Schuldiger1 · schuldigen2 · Schuldiger2 · beschuldigen · anschuldigen · entschuldigen · Schuldner · Unschuld · unschuldig
Schuld f. ‘Zahlungsverpflichtung, Vergehen, Unrecht, Ursache (von etw. Bösem), Verantwortung (für etw.)’, ahd. sculd ‘(Zahlungs)verpflichtung, Vergehen, Missetat, Buße, Verdienst, Ursache’ (8. Jh.), mhd. schulde, schult, scholt, asächs. skuld, mnd. schult, mnl. scult, nl. schuld, aengl. scyld, anord. schwed. skuld (germ. *skuldi-) ist ein mit ti-Suffix zu dem unter sollen (s. d.) behandelten Präteritopräsens gebildetes Abstraktum. Verwandt sind lit. skolà und kaltė͂ ‘Schuld’, apreuß. skallīsnan (Akkusativ Sing. Fem.) ‘Pflicht’. Schuld bezeichnet zunächst eine ‘Verpflichtung oder Leistung’, die einem obliegt, dann speziell die ‘Verpflichtung zu einer Geldzahlung, die aus einem Darlehen erwächst’ und steht sowohl für ‘entliehenes, zurückzuzahlendes Geld’ als auch (vom Gläubiger her gesehen) für ‘verliehenes Geld, Guthaben’. Bereits im Ahd. nimmt Schuld (unter kirchlichem Einfluß) über ‘Verpflichtung zur Buße’ die Bedeutung ‘Missetat, Vergehen, begangenes Unrecht’ an. Daraus entwickelt sich in rechtssprachlicher Verwendung ‘Anklage, Anschuldigung, zur Last gelegtes Verbrechen, Beschuldigung’ (vgl. mhd. schult geben), ‘Ursache, Grund’ (für die Konsequenzen und Folgen eines Vergehens, vgl. mhd. einer sache schulde hān, nhd. Schuld haben an etw., mhd. einem schulde geben, nhd. die Schuld geben). Aus Wendungen wie er hat (die) Schuld entwickelt sich (etwa im 16. Jh.) prädikatives schuld Adj. Adv. ‘schuldig’. schulden Vb. ‘jmdm. zu einer Leistung, besonders zur Rückzahlung eines Geldbetrags, verpflichtet sein, jmdm. etw. verdanken’, ahd. sculdōn ‘verschulden, verdienen’ (10. Jh., gisculdōn, 9. Jh.), sculden ‘verschulden, verdienen, schuldig sprechen’ (9. Jh.), mhd. schulden ‘schuldig sein, bleiben, sich schuldig machen, verpflichtet sein, beschuldigen, anklagen’. schuldig Adj. ‘verpflichtet (etw. zu leisten oder zu zahlen), Urheber, Ursache, Anlaß für etw. darstellend’, ahd. sculdīg ‘schuldend, verpflichtend, verpflichtet, zugehörig, geeignet’ (8. Jh.), mhd. schuldic, schuldec. schuldigen1 Vb. ‘anklagen, bezichtigen’, ahd. sculdigōn (um 1000), mhd. schuldigen. Davon abgeleitet Schuldiger1 m. ‘Beschuldigender, Ankläger, Gläubiger’, mhd. schuldigære, schuldiger. Daneben (selten) schuldigen2 Vb. ‘Schuld tragen, schuldig sein’, ahd. sculdigen (10. Jh.). Davon abgeleitet Schuldiger2 m. ‘wer Schuld auf sich geladen hat, Straffälliger, Missetäter, Beklagter’, ahd. sculdiger (11. Jh.), mhd. schuldigære, schuldiger. Biblisch: … wie auch wir vergeben unsern Schuldigern Vaterunser (Matth. 6, 12), mhd. … als wir tuon unsern schuldigæren, in der Übersetzung von lat. dēbitōribus nostris (Vulgata), griech. opheilétais ḗmōn (ὀφειλέταις ἡμῶν). beschuldigen Vb. ‘die Schuld geben, anklagen, bezichtigen’, mhd. beschuldigen ‘anklagen’; vgl. ahd. sculdī̌gōn ‘beschuldigen’ (um 1000). anschuldigen Vb. ‘die Schuld geben, bezichtigen’, mhd. aneschuldigen. entschuldigen Vb. ‘verzeihen, erklären und damit um Verständnis bitten’, mhd. entschuldigen ‘von der Schuld befreien, lossagen, freisprechen’. Schuldner m. ‘wer einem Gläubiger Geld zurückzahlen muß’, frühnhd. schuldener ‘Schuldner’ und ‘Gläubiger’ (15. Jh.). Unschuld f. ‘Schuldlosigkeit, moralische Reinheit’, ahd. unsculd (8. Jh.), mhd. unschult, -schulde. unschuldig Adj. ‘schuldlos, moralisch untadelig’, ahd. unsculdīg (8. Jh.), mhd. unschuldic, -schuldec ‘frei von Schuld, schuldlos, unverschuldet, nicht gebührend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anlass · Grund · Schuld · Ursache
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Schuld‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schuld‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schuld‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schuld sind immer die anderen, vor allem an den eigenen Fehlern. [Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 94]
Regelmäßig hat der Übernehmer ein eigenes wirtschaftliches Interesse an der Erfüllung der Schuld. [Zimmermann, Theo: Der praktische Rechtsberater, Gütersloh: Bertelsmann [1968] [1957], S. 158]
Es scheint gerade die Schulden für den »Götz« gedeckt zu haben. [Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1991], S. 3028]
Es ist aber wichtig, die Schuld nicht nur auf ihn abzuschieben. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 287]
Davor zu warnen ist für mich der einzige Weg, diese Schuld umzusetzen. [Der Spiegel, 26.09.1988]
Zitationshilfe
„Schuld“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schuld>.

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