Schuldbewusstsein, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungSchuld-be-wusst-sein
WortzerlegungSchuldBewusstsein
Ungültige SchreibungSchuldbewußtsein
Rechtschreibregeln§ 2, § 25 (E1)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bewußt · Bewußtsein · selbstbewußt · Selbstbewußtsein · schuldbewußt · Schuldbewußtsein · unbewußt · das Unbewußte · bewußtlos
bewußt Adj. ‘mit klarem Verstand handelnd, erkennend, absichtlich, bekannt, in Rede stehend’. Frühnhd. bewust steht als md. Form neben frühnhd. bewist, bewüst, Part. Prät. eines inzwischen untergegangen Verbs frühnhd. bewissen ‘genau kennen, wissen’, reflexiv ‘sich auskennen, zurechtfinden’, das seinerseits wie mnd. bewēten ‘etw. ins Auge fassen, auf etw. bedacht sein, (um etw.) wissen’ (Part. Prät. bewēten ‘bei klarem Verstand, Bewußtsein’, bewust ‘bewußt, bekannt’) und aengl. bewitan ‘Sorge tragen, achten auf, Aufsicht führen’ eine Präfixbildung zu dem unter ↗wissen (s. d.) behandelten Simplex ist. Zuvor erscheint die hd. Präfixbildung nur als negiertes Part. Präs. in ahd. unbiwiʒʒanti (8. Jh.), Übersetzung von lat. ignorāns. Das Nebeneinander der Wurzelsilbenvokale i und u findet sich ebenso im Part. Prät. des Simplex, vgl. mhd. gewist, gewest (neben fast nur adjektivisch gebrauchtem gewiʒʒen), md. auch gewust. Die semantische Entwicklung des Part.adj. geht aus von den Bedeutungen ‘bekannt’ und ‘genau wissend’, wie sie in den seit frühnhd. Zeit bezeugten Verwendungen mir ist bewußt und (rückbezüglichem) ich bin mir bewußt (‘weiß genau’) vorliegen. Bewußtsein n. ‘spezifisch menschlich ideelle Widerspiegelung der objektiven Realität, klares Wissen, Gewißheit, Zustand, in dem der Mensch seiner Sinne mächtig ist’. Als philosophischer Terminus 1720 von Chr. Wolff geprägt, anfangs auch getrennt geschrieben (das bewust Sein). selbstbewußt Adj. ‘eine klare Vorstellung von sich selbst, von seiner Existenz besitzend’, meist in dem speziellen Sinn ‘vom eigenen Wert überzeugt, ihn deutlich betonend’; Selbstbewußtsein n. (beide um 1800). schuldbewußt Adj. ‘um seine Schuld wissend, reuig’ (18. Jh.); Schuldbewußtsein n. (19. Jh.). unbewußt Adj. ‘ohne etw. in ausgeprägter Weise im Bewußtsein zu reflektieren, instinktiv, nur vom Gefühl her’. Wie bei den nichtnegierten Formen findet sich auch hier ein Nebeneinander verschiedener Wurzelsilbenvokale, frühnhd. unbewist (15. bis 17. Jh.), unbewüst, md. unbewust, unbewost. Bereits im Frühnhd. erscheinen die Bedeutungen ‘unbekannt, nicht erinnerlich’ und ‘nicht wissend, ahnungslos, ohne Überlegung’. Substantiviert das Unbewußte n. in der Philosophie für das, was sich der Beachtung und Aufmerksamkeit entzieht (Jean Paul, 1804), in der analytischen Psychologie für abgewiesene und verdrängte Erlebnisse (Freud, 1900). bewußtlos Adj. ‘ohne Bewußtsein, ohnmächtig, zu keinem bewußten Verhalten, Erleben fähig’. Eine frühe Abstraktbildung zu bewußt (s. oben) ist das in der Literatursprache wieder untergegangene Substantiv Bewußt f. m. ‘Wissen, Bewußtsein, Kenntnis’ (15. Jh.), erhalten in der Ableitung bewußtlos (Ende 18. Jh.), zunächst meist in der Bedeutung ‘unwissentlich, unbewußt’, heute nur noch im oben angegebenen Sinn.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gewissensbisse · Schuldbewusstsein · Schuldgefühle · Selbstvorwürfe · ↗Unrechtsbewusstsein (auch jur.)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausdruck Mangel Mischung Reue Scham Spur Sünde empfinden gering kollektiv mangelnd plagen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schuldbewusstsein‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn wir schon die Erde nicht verbessern können, suhlen wir uns immerhin in unserem Schuldbewußtsein.
Süddeutsche Zeitung, 20.09.1996
Das betrübt mein Herz, denn ich habe dabei immer so eine Art Schuldbewußtsein, weil ich Dir dazu geraten habe.
Tucholsky, Kurt: An Hedwig Müller, 17.12.1935. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1935], S. 16651
Außerdem mußte man ihm auch nicht gleich beim Eintreten sein Schuldbewußtsein ansehen.
Kafka, Franz: Amerika. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1914], S. 8641
Wer einen Fehler gemacht und unumwunden eingestanden hat, muss mit seinem Schuldbewusstsein selber fertig werden.
Bild, 20.01.2000
Das ist möglich, doch bei Eltern, die ihre Kinder krankenhausreif schlagen, ist es nötig, das Schuldbewußtsein überhaupt zu wecken.
Der Spiegel, 27.08.1990
Zitationshilfe
„Schuldbewusstsein“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schuldbewusstsein>, abgerufen am 21.10.2019.

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