Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Schwüle, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schwüle · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Schwü-le (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Schwüle‹ als Letztglied: Feuchtschwüle · Gewitterschwüle · Regenschwüle · Treibhausschwüle
eWDG

Bedeutungen

1.
mit hohem Feuchtigkeitsgehalt der Luft verbundene unangenehme Wärme, drückende Hitze
Beispiele:
die Schwüle vor dem Gewitter, Regen
die tropische, drückende, lastende, unerträgliche Schwüle eines Julitags
das Stickigsein
Beispiel:
die Schwüle in einem ungelüfteten Zimmer, überfüllten Saal
2.
Sinnlichkeit, sexuelle Erregung
Beispiel:
dann war da [beim Fandango] ein letztes, sehr kurzes, in seiner Schwüle fast unerträgliches Tanzen, Reißen, Zucken, Verlangen [ Feuchtw.Goya401]
3.
gespannte Atmosphäre, Beklommenheit
Beispiel:
nach seinen Worten herrschte eine beklommene, ängstliche Schwüle, in der niemand zu widersprechen wagte
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwül · schwul · Schwüle · Schwulität
schwül Adj. ‘feuchtwarm, drückend heiß, beklemmend’. Im 17. Jh. wird nd. swōl, swūl ‘drückend und ermattend warm oder heiß, drückend oder ängstlich beklommen’ in der md. Form schwul in die Literatursprache übernommen. Unter Einfluß des Antonyms kühl (s. d.) setzt sich gegen Anfang des 18. Jhs. die umgelautete Form schwül durch. Das Adjektiv steht mit nl. zwoel ‘drückend warm’ und aengl. swol n. ‘das Brennen, Hitze’ ablautend zu den unter schwelen (s. d.) angeführten Verben. Ältere Bildungen begegnen in omd. geschwule ‘ängstlich’ (Ende 16. Jh.), obd. gschwilig (16. Jh.), swilch ‘schwül, ängstlich’ (16. Jh.), swilich ‘lau’ (15. Jh.). In der Umgangssprache nimmt die umlautlose Form schwul die Bedeutung ‘homosexuell’ an (um 1900), vgl. die auf einer ähnlichen Vorstellung beruhende Fügung warmer Bruder für ‘Homosexueller’. Schwüle f. ‘drückende, feuchte Hitze’ (18. Jh.). Schwulität f. ‘Schwierigkeit, Verlegenheit’, scherzhafte latinisierende Bildung der Studentensprache (2. Hälfte 18. Jh.) für ‘heiß machende, beklemmende Verlegenheit’. Heute meist in Schwulitäten (‘in Verlegenheit, in Schwierigkeiten’) sein, kommen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bruthitze · Gewitterstimmung · Schwüle · bleierne Hitze · brütende Hitze · erdrückende Hitze · feuchtwarme Hitze · tropische Hitze · tropisches Klima · unerträgliche Hitze  ●  drückende Hitze  Hauptform · wie in der Sauna  ugs. · wie in einem Brutkasten  ugs.
Assoziationen
  • brutheiß · brütend heiß · drückend · feuchtwarm · gewitterschwer · gewittrig · schwer · schwül · schwül-heiß · stickig  ●  drückend heiß  Hauptform · bleiern  geh. · dämpfig  ugs., regional
  • (der) Schweiß fließt in Strömen · (jemandem) klebt die Kleidung am Leib(e) · (jemandem) klebt jeder Faden am Leib(e) · durchgeschwitzt · in Schweiß gebadet · nassgeschwitzt · schweißtriefend · verschwitzt  ●  (jemand) hat keinen trockenen Faden am Leib  Redensart · nass geschwitzt  Hauptform · schweißgebadet  fig. · geschwitzt (sein)  ugs., regional

Typische Verbindungen zu ›Schwüle‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schwüle‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schwüle‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In der ganzen Stadt sprach man von der unaufhörlichen Schwüle. [Hein, Christoph: Horns Ende, Hamburg: Luchterhand 1987 [1985], S. 153]
Die Schwüle des ungesprochenen Wortes lag zwischen uns an jenem Tag. [Müller-Jahnke, Clara: Ich bekenne. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1904], S. 9224]
Die deutschen Damen drängten trotz der sommerlichen Schwüle vehement auf die Führung. [Die Zeit, 20.08.2013 (online)]
Um sich aufs Lernen zu konzentrieren, ist die Schwüle nicht gerade hilfreich. [Die Zeit, 12.04.2010, Nr. 15]
Die indische Schwüle ist dem mitteleuropäischen Geschmack etwas zu kompakt. [Die Zeit, 25.10.1951, Nr. 43]
Zitationshilfe
„Schwüle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schw%C3%BCle>.

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