Schwüle, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schwüle · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungSchwü-le (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Schwüle‹ als Letztglied: ↗Feuchtschwüle · ↗Gewitterschwüle · ↗Regenschwüle · ↗Treibhausschwüle
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
mit hohem Feuchtigkeitsgehalt der Luft verbundene unangenehme Wärme, drückende Hitze
Beispiele:
die Schwüle vor dem Gewitter, Regen
die tropische, drückende, lastende, unerträgliche Schwüle eines Julitags
das Stickigsein
Beispiel:
die Schwüle in einem ungelüfteten Zimmer, überfüllten Saal
2.
Sinnlichkeit, sexuelle Erregung
Beispiel:
dann war da [beim Fandango] ein letztes, sehr kurzes, in seiner Schwüle fast unerträgliches Tanzen, Reißen, Zucken, Verlangen [Feuchtw.Goya401]
3.
gespannte Atmosphäre, Beklommenheit
Beispiel:
nach seinen Worten herrschte eine beklommene, ängstliche Schwüle, in der niemand zu widersprechen wagte
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwül · schwul · Schwüle · Schwulität
schwül Adj. ‘feuchtwarm, drückend heiß, beklemmend’. Im 17. Jh. wird nd. swōl, swūl ‘drückend und ermattend warm oder heiß, drückend oder ängstlich beklommen’ in der md. Form schwul in die Literatursprache übernommen. Unter Einfluß des Antonyms ↗kühl (s. d.) setzt sich gegen Anfang des 18. Jhs. die umgelautete Form schwül durch. Das Adjektiv steht mit nl. zwoel ‘drückend warm’ und aengl. swol n. ‘das Brennen, Hitze’ ablautend zu den unter ↗schwelen (s. d.) angeführten Verben. Ältere Bildungen begegnen in omd. geschwule ‘ängstlich’ (Ende 16. Jh.), obd. gschwilig (16. Jh.), swilch ‘schwül, ängstlich’ (16. Jh.), swilich ‘lau’ (15. Jh.). In der Umgangssprache nimmt die umlautlose Form schwul die Bedeutung ‘homosexuell’ an (um 1900), vgl. die auf einer ähnlichen Vorstellung beruhende Fügung warmer Bruder für ‘Homosexueller’. Schwüle f. ‘drückende, feuchte Hitze’ (18. Jh.). Schwulität f. ‘Schwierigkeit, Verlegenheit’, scherzhafte latinisierende Bildung der Studentensprache (2. Hälfte 18. Jh.) für ‘heiß machende, beklemmende Verlegenheit’. Heute meist in Schwulitäten (‘in Verlegenheit, in Schwierigkeiten’) sein, kommen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bruthitze · ↗Gewitterstimmung · Schwüle · bleierne Hitze · brütende Hitze · erdrückende Hitze · feuchtwarme Hitze · tropische Hitze · tropisches Klima · unerträgliche Hitze  ●  drückende Hitze  Hauptform · wie in der Sauna  ugs. · wie in einem Brutkasten  ugs.
Assoziationen
  • brutheiß · brütend heiß · drückend · ↗feuchtwarm · gewitterschwer · ↗gewittrig · ↗schwer · ↗schwül · schwül-heiß · ↗stickig  ●  drückend heiß  Hauptform · ↗bleiern  geh. · ↗dämpfig  ugs., regional
  • (die Kleidung) klebt jemandem am Leib(e) · durchgeschwitzt · in Schweiß gebadet · nassgeschwitzt · ↗schweißtriefend · verschwitzt  ●  (jemand) hat keinen trockenen Faden am Leib  Redensart · nass geschwitzt  Hauptform · geschwitzt (sein)  ugs., regional
  • (starke) Wärme · ↗Bruthitze · ↗Hitze · flirrende Hitze · glühende Hitze · sengende Hitze · siedende Hitze  ●  ↗Affenhitze  ugs. · ↗Bullenhitze  ugs. · Demse  ugs. · ↗Gluthitze  ugs. · Knallhitze  ugs. · ↗Tropenhitze  ugs.
  • brennend · brütend heiß · bullig heiß · ↗glutheiß · glutig · glühend · glühend heiß · ↗heiß · heiß wie ein Bügeleisen · ↗hochsommerlich · kochend heiß · sehr warm · sengend · sengend heiß · siedend · siedend heiß · wie in einem Backofen · überheizt · überhitzt  ●  sehr heiß  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dschungel Gewitter Grad Hitze Kälte Nachmittag Regen Staub Stille Temperatur bedrückend bleiern drückend dumpf entladen erdrückend extrem feucht furchtbar herrschen lasten lastend schweißtreibend sommerlich stickig subtropisch tropisch unerträglich weichen zunehmend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schwüle‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es herrscht eine unerträgliche Schwüle; und die Zeit scheint stillzustehen.
Die Welt, 22.08.2002
Denn zuerst muss er wieder klar denken können, muss raus aus der Schwüle, rein in den See.
Süddeutsche Zeitung, 30.07.2001
In der ganzen Stadt sprach man von der unaufhörlichen Schwüle.
Hein, Christoph: Horns Ende, Hamburg: Luchterhand 1987 [1985], S. 153
Die Schwüle des ungesprochenen Wortes lag zwischen uns an jenem Tag.
Müller-Jahnke, Clara: Ich bekenne. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1904], S. 9224
Niemand fürchtete den Regen, denn jedermann ersehnte Minderung der Schwüle.
Doderer, Heimito von: Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre, Gütersloh: Bertelsmann 1996 [1951], S. 225
Zitationshilfe
„Schwüle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schwüle>, abgerufen am 19.11.2019.

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