Schwachsinn, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schwachsinn(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Schwach-sinn
Wortzerlegung schwachSinn
Wortbildung  mit ›Schwachsinn‹ als Erstglied: ↗schwachsinnig
eWDG und DWDS

Bedeutungen

salopp dummes Gerede, UnfugDWDS
Beispiele:
Ich sehe da eine tragische Fehlentwicklung. Wir hören zwar immer mehr von frühkindlicher Bildung, aber das halte ich mit Verlaub für Schwachsinn. [Die Zeit, 02.05.2014, Nr. 18]
Dabei muß man den Schwachsinn vergessen, mit dem die Bildungsreformer die chronologische Ordnung als Leitfaden des Geschichtsunterrichts zerschnitten […]. [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 29]
in verschiedener Stärke auftretende Krankheit mit meist angeborenem Mangel an Intelligenz, Geistesschwäche
Beispiel:
bei dem Angeklagten lag ein leichter, organisch bedingter, hochgradiger Schwachsinn vor

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwach · Schwäche · Schwachheit · schwächen · schwächlich · Schwächling · Schwachkopf · Schwachmatikus · Schwachsinn · schwachsinnig
schwach Adj. ‘kraftlos, dünn, wenig gehaltvoll’, mhd. swach ‘schlecht, gering, unedel, niedrig, armselig, kraftlos’, mnd. swak, auch ‘biegsam’, mnl. swac ‘biegsam, gebrechlich’, nl. zwak läßt sich mit mnd. swāken, swēken ‘wackeln’, norw. (mundartlich) svaga ‘schwanken, schlenkern’, svagga ‘schwankend gehen’, anord. sveggja ‘hin und her schwingen’ zu der unter ↗schwingen (s. d.) angeführten Wortgruppe stellen, könnte also einer nasallosen Variante ie. *su̯eg-, *su̯ek- des dort angegebenen Ansatzes ie. *su̯eng-, *su̯enk- ‘biegen, drehend schwingen, schwenken’ folgen. Als Ausgangsbedeutung ergäbe sich ‘biegsam, schwankend’, die in ‘schlecht, kraftlos’ übergeht. Schwäche f. ‘Kraftlosigkeit’ (16. Jh.), abgeleitet vom Adjektiv; vgl. mhd. swache ‘Unehre, Schmach’, frühnhd. sweche ‘dünner Teil der Messerklinge’ (15. Jh.). Schwachheit f. ‘Kraftlosigkeit’, mhd. swachheit, swacheit ‘Geringheit, Unehre, Schmach, Kränklichkeit’. schwächen Vb. ‘schwach, hinfällig, kraftlos machen’, mhd. swechen ‘verächtlich machen, beschimpfen, erniedrigen’; vgl. auch mhd. swachen ‘schlecht, armselig sein, schlecht werden oder machen, verachten, tadeln, schänden’. schwächlich Adj. ‘von nicht kräftigem Körperbau, kraftlos’, mhd. swach-, swechlich ‘schlecht, gering, verachtet, kraftlos’. Schwächling m. ‘(körperlich und moralisch) kraft- und haltloser Mensch’ (Anfang 18. Jh.). Schwachkopf m. ‘dummer, einfältiger Kerl’ (um 1800). Schwachmatikus m. ‘Schwächling’ (1. Hälfte 19. Jh.), scherzhafte Latinisierung der Studentensprache (etwa nach Rheumatikus, Phlegmatikus). Schwachsinn m. ‘Mangel an Empfindung und Verstand’ (18. Jh.), dann auch ‘Unsinn, dummes Zeug’, medizinisch ‘Intelligenzmangel durch Unterentwicklung des Gehirns oder durch Gehirnschädigung’; schwachsinnig Adj. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Geistesschwäche · ↗Idiotie · ↗Irrsinn · ↗Wahnsinn  ●  Schwachsinn  derb
Assoziationen
  • Angst vor Irrsinn  ●  Agateophobie  fachspr.
Synonymgruppe
Blödsinn · ↗Humbug · ↗Nonsens · ↗Unfug · ↗Widersinn  ●  Nonsense  engl. · ↗Unsinn  Hauptform · dümmliches Gerede  variabel · Blaschwafel  ugs. · ↗Blech  ugs. · ↗Bockmist  ugs. · ↗Bullshit  derb, engl. · Driss  ugs. · Dummfug  ugs. · ↗Fez  ugs. · ↗Firlefanz  ugs. · ↗Gefasel  ugs., abwertend · ↗Gelaber  ugs. · ↗Geschwafel  ugs. · ↗Gewäsch  ugs. · ↗Heckmeck  ugs. · ↗Kappes  ugs. · ↗Kiki  ugs. · Killefit(t)  ugs., rheinisch · ↗Kohl  ugs. · ↗Kokolores  ugs. · ↗Krampf  ugs. · ↗Käse  ugs. · ↗Mist  ugs. · ↗Mumpitz  ugs. · ↗Papperlapapp  ugs. · ↗Pillepalle  ugs. · ↗Pipifax  ugs. · ↗Quark  ugs. · ↗Quatsch  ugs. · Quatsch mit Soße  ugs., berlinerisch · ↗Scheiß  derb · ↗Scheiße  derb · ↗Schmarren  ugs. · ↗Schmarrn  ugs. · ↗Schmonzes  ugs. · ↗Schmu  ugs. · ↗Schmäh  ugs., österr. · Schwachfug  derb · Schwachsinn  ugs. · ↗Sottise(n)  geh., franz. · ↗Stuss  ugs. · ↗Tinnef  ugs. · dummes Zeug  ugs. · geistiger Durchfall  derb · geistiger Dünnschiss  derb · gequirlte Scheiße  derb · saudummes Zeug  ugs., süddt.
Unterbegriffe
  • Worthülserei  ●  Blaschwafeln  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Schwachsinn‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schwachsinn‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schwachsinn‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Anders kann man sich ja den ganzen Schwachsinn, der gesendet wird, gar nicht erklären.
Die Welt, 20.11.2004
Es heißt, dieser verbale Schwachsinn sei dokumentiert, aber den Film rettet er nicht.
Die Zeit, 13.01.2000, Nr. 3
Meist gehen mit dem Schwachsinn auch körperliche und nervöse Anomalien verschiedenster Art einher.
Janssen, K.: Schwachsinnigenfürsorge. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 31506
Das ist Schwachsinn, war es immer und wird es immer sein.
Der Spiegel, 22.06.1992
Andere wieder sind schweigsam, langsam, stehen geistig zurück und geraten sogar in Schwachsinn.
Riemkasten, Felix: Yoga für Sie, Gelnhausen: Schwab 1966 [1953], S. 76
Zitationshilfe
„Schwachsinn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schwachsinn>, abgerufen am 19.06.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Schwachsichtigkeit
schwachsichtig
schwachrot
Schwachpunkt
schwachmütig
schwachsinnig
Schwachstelle
Schwachstrom
Schwachstromkabel
Schwachstromnetz