Schwanz, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schwanzes · Nominativ Plural: Schwänze
Aussprache 
eWDG

Bedeutungen

1.
bei fast allen Wirbeltieren beweglicher Fortsatz der Wirbelsäule über den Rumpf hinaus, der ihnen oft zum Fortbewegen, Greifen oder Steuern dient
Beispiele:
ein langer, kurzer, glatter, buschiger, haariger, gestutzter, verstümmelter Schwanz
der Schwanz des Pferdes, der Kuh, des Affen, Vogels, Herings, der Schlange
der Hund wedelt mit dem Schwanz, lässt den Schwanz hängen, klemmt den Schwanz ein, läuft mit hängendem Schwanz davon
umgangssprachlichder läuft mit eingekniffenem Schwanz davon
die Schwalbe wippt mit dem Schwanz, Schwänzchen
er trat versehentlich der Katze auf den Schwanz
scherzhaft [zu einem Kind:] du musst dem Hasen Salz auf den Schwanz streuen, dann kannst du ihn besser fangen
übertragen
Beispiele:
das Pferd, eine Sache am, beim Schwanz, vom Schwanz her aufzäumen (= eine Sache von der verkehrten Seite in Angriff nehmen)
saloppda beißt sich die Katze, Schlange in den Schwanz (= das ist ein fehlerhafter Kreislauf)
saloppden Schwanz einziehen, einkneifen, zwischen die Beine nehmen, hängen lassen (= den Widerstand aufgeben, nach-, klein beigeben)
saloppjmdn. auf den Schwanz treten (= jmdn. kränken, beleidigen)
salopper fühlte sich auf den Schwanz getreten (= war beleidigt)
salopp, scherzhafter wohnt dort, wo die Hunde mit dem Schwanz bellen (= in einer ganz abgelegenen, verlassenen Gegend)
2.
etw., das dem Schwanz der Tiere äußerlich ähnlich ist
Beispiele:
der bunte Schwanz des Drachens
umgangssprachlichder Schwanz des Kometen
umgangssprachlichDer Rumpf [des Flugzeugs] fuhr kerzengerade herunter, den Schwanz oben, über ihm eine Qualmschnur [ RennKrieg287]
3.
salopp kein Schwanzniemand
Beispiele:
kein Schwanz war da, zu Hause
heute war wieder kein Schwanz gekommen
danach fragt kein Schwanz
4.
salopp
Grammatik: nur im Singular
a)
lange Reihe von (wartenden) Personen
Beispiele:
ein Schwanz von Verehrern folgte der Künstlerin
als warte nicht hinter meinem Rücken ein Schwanz bis zur nächsten Straßenecke [ SeghersTransit5,196]
b)
räumliches, auch zeitliches Ende
Beispiele:
den Schwanz des Umzuges bildete ein Haufen Kinder
spöttischda ich doch erst fünfundvierzig Jahre alt bin, habe ich alle Aussicht, von seinen herrlichen Zeiten wenigstens so den Schwanz mitzuerwischen [ WelkGrambauer301]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schwanz · schwänzen1 · schwänzeln · Schwänzer · schwänzen2
Schwanz m. beweglicher Fortsatz der Wirbelsäule bei Wirbeltieren, ‘Schweif’ ist seit dem 13. Jh. belegt, mhd. swanz, auch ‘schwankende, tanzartige Bewegung, Schleppe, Schmuck, Zierde’ und (spätmhd.) übertragen ‘Penis’, rückgebildet aus mhd. swanzen ‘sich schwenkend bewegen, hin und her schwanken, umherstreifen’, dem wohl eine vorauszusetzende Intensivbildung *swankezen zu dem unter schwanken (s. d.) behandelten Verb vorausgeht. Dieses gehört zu der unter schwingen (s. d.) angegebenen Wortgruppe, so daß als Ausgangsbedeutung für Schwanz ‘der (Hin-und-her-)Bewegliche, der Schwankende’ anzunehmen ist. Mhd. swanz löst ahd. zagal, mhd. zagel, nhd. (älter und mundartlich) Zagel (s. d.) ab, das bereits in mhd. Zeit ebenfalls die Bedeutung ‘Penis’ annimmt und daher in der frühnhd. Literatursprache allmählich gemieden wird. schwänzen1 Vb. ‘den Unterricht u. ä. versäumen, bummeln’, seit dem 18. Jh. in der Studentensprache nachgewiesen. Die Bedeutung stammt wohl von rotw. swensen ‘über Land laufen’ (1724), schwentzen ‘(durchs Land) gehen’ (16. Jh.), das auf schwänzen ‘sich schwenkend (im Tanz) bewegen, tanzartig, geziert einherstolzieren’ (bis ins 17. Jh.), mhd. swenzen ‘schwenken, putzen, zieren’, mnd. swentzen ‘schwenkend sich bewegen, hin und her schwanken’ (aus *swenkezen, Intensivum zu dem unter schwenken behandelten Verb) bzw. mhd. swanzen (s. oben) zurückgeht; dazu auch die Iterativbildung schwänzeln Vb. ‘geziert einherstolzieren, auffällig mit dem Schwanz wedeln, jmdn. umschmeicheln’, mhd. swenzeln. Schwänzer m. ‘wer Unterricht u. ä. versäumt’ (19. Jh.), zuvor ‘Prahler’ (17. Jh.), zu schwänzen1 (s. oben). schwänzen2 Vb. ‘mit einem Schwanz versehen’ (16. Jh.), abgeleitet von Schwanz.

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Glied · Prachtexemplar · männliches Glied  ●  (jemandes) bestes Stück  verhüllend · Penis  Hauptform · Schaft  fig. · gutes Stück  verhüllend · Bolzen  derb · Dödel  ugs. · Kindermacher  ugs. · Lurch  ugs. · Lörres  ugs., rheinisch · Lümmel  ugs. · Phallus  fachspr. · Piephahn  ugs. · Piepmatz  ugs. · Pillemann  ugs., rheinisch · Pillemännchen  ugs., rheinisch, verniedlichend · Pillermann  ugs. · Pimmel  derb · Pimmelmann  derb · Prengel  ugs., ruhrdt. · Pullermann  derb · Riemen  vulg. · Rohr  ugs. · Rute  derb · Schniedel  ugs. · Schniedelwutz  ugs., verniedlichend · Schwanz  derb · Schwengel  ugs. · Schwert  ugs. · Stößel  ugs. · Zauberstab  ugs. · Zipfel  derb · Zumpferl  ugs., österr.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Bürzel (Jägerspr.) · Rute · Schwanz · Schweif · Sterz

Typische Verbindungen zu ›Schwanz‹ (berechnet)

Dinosaurier Drachen Eichhörnchen Esel Pfau abbeißen abgeschnitten abschneiden befiedert behaart buschig eingeklemmt eingekneifen eingezogen einkneifen einziehen erigiert faulig feurig gegabelt gekrümmt geringelt klemmen kneifen lutschen versehen wackeln wedeln wedelnd zusammengedrückt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schwanz‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schwanz‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Herr schickt seinen Hund, und der schickt seinen Schwanz. [Hannover, Heinrich: Die Republik vor Gericht 1954 - 1974, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1998], S. 428]
Denn die Männer finden es halt schön, den Schwanz drin zu haben. [Schwarzer, Alice: Der »kleine Unterschied« und seine großen Folgen, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 1977 [1975], S. 167]
Er kann seinem Esel wohl den Schwanz verbergen, aber die Ohren läßt er gucken. [Röhrich, Lutz: Esel. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 17695]
Wir können nicht immer nur laut von Freiheit tönen, und wenn sie bewiesen werden soll, dann ziehen wir den Schwanz ein. [Der Spiegel, 28.01.1980]
Da kann der Schwanz schon mal mit dem Hund wedeln. [C't, 2000, Nr. 9]
Zitationshilfe
„Schwanz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schwanz>.

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