Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Schwarm, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schwarm(e)s · Nominativ Plural: Schwärme
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Schwarm‹ als Erstglied: Schwarmbeben · Schwarmgeist · Schwarmintelligenz · Schwarmzeit · schwarmweise
 ·  mit ›Schwarm‹ als Letztglied: Bienenschwarm · Bremsenschwarm · Erdbebenschwarm · Fischschwarm · Fliegenschwarm · Frauenschwarm · Heringsschwarm · Heuschreckenschwarm · Hornissenschwarm · Jugendschwarm · Kinderschwarm · Kindheitsschwarm · Mädchenschwarm · Mückenschwarm · Sternschnuppenschwarm · Vogelschwarm · Wespenschwarm
eWDG

Bedeutungen

1.
größere Anzahl durcheinanderwimmelnder und sich gemeinsam fortbewegender Tiere, besonders Fische, Insekten, Vögel
Beispiele:
ein Schwarm Rebhühner, Tauben, Wespen
Schwärme von Libellen, Grillen, Heuschrecken
ein Schwarm Bienen ist ausgeflogen, ausgebrochen
die Mücken tanzten in dichten Schwärmen über der feuchten Niederung
die Zugvögel sammeln sich zu Schwärmen, bevor sie zu ihrem Fluge aufbrechen
die Heringe, Wellensittiche leben in Schwärmen
Man fängt nämlich die Lachse heute in ganzen Schwärmen (= in großen Mengen) auf hoher See [ GrzimekWildes Tier204]
bildlich
Beispiele:
ein Schwarm Kinder
der Schwarm der Gäste
ein Schwarm von Ausflüglern, Anbetern, Verehrerinnen
Fern … zog ein Schwarm einmotoriger Flugzeuge vorüber [ NollHolt1,245]
Die Frage schien einen ganzen Schwarm unliebsamer Gedanken in seinem Kopf aufzustöbern [ SeghersTransit5,103]
2.
umgangssprachlich
a)
jmd., etw., wofür sich jmd. begeistert, wovon er schwärmerisch spricht, wonach er strebt
Beispiele:
der strahlende Tenor war der Schwarm aller jungen Damen
ein neuer Sportwagen war sein Schwarm
sein Schwarm ist der Segelsport
der Schwarm (= Freund) meiner Schwester
b)
das Schwärmen für etw., jmdn.
Beispiel:
deinen Schwarm für das Bergsteigen kann ich gut verstehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schwarm · schwärmen · Schwärmer · Schwarmgeist
Schwarm m. ‘ausfliegende, summend schwirrende Bienenschar, sich wimmelnd fortbewegende Menge’, ahd. swar(a)m ‘Bienenschwarm’ (9. Jh.), mhd. asächs. mnd. swarm, mnl. swarm, swerm, nl. zwerm, aengl. swearm, engl. swarm, anord. svarmr ‘Unruhe, Lärm’, schwed. svärm ‘Schwarm’ stehen als Bildungen mit mo-Suffix wie frühnhd. surm ‘Gesumse, Getöse’ (15. Jh.) neben den verwandten unter schwirren und surren (s. d.) angeführten Verben. Außergerm. sind vergleichbar aind. svárati ‘gibt einen Ton von sich, erschallt, singt’, griech. hýrax (ὕραξ) ‘Spitzmaus’, lat. sōrex ‘Spitzmaus’ (nach dem Pfeifton des Tieres), lat. susurrus ‘das Zischen, Flüstern’, susurrāre ‘zischen, flüstern, summen’, kymr. chwyrnu ‘brummen’, aslaw. svirati ‘flöten, pfeifen’, aruss. svirati, svirjati ‘flöten’, aslaw. svirělь ‘Flöte, Schalmei’, russ. svirél’ (свирель) ‘Hirtenflöte, Schalmei, Pfeife’, so daß von einer Schallwurzel ie. *su̯er- ‘surren’ ausgegangen werden kann. – schwärmen Vb. ‘einen Schwarm bilden’, ahd. swer(e)men (11. Jh.), mhd. swarmen, swermen; übertragen frühnhd. schwärmen ‘ein lustiges, freies Leben führen’ (16. Jh.), ‘von einer vorgeprägten geistigen Bahn oder Ordnung, einem Gedankengebäude abweichen’, besonders von religiösen Sektierern ‘wirklichkeitsfern denken, sich begeistern’ (16. Jh.), in der literarischen Bewegung des 18. Jhs. ‘sich überschwenglich begeistern, seiner Phantasie freien Lauf lassen’, für jmdn. schwärmen ‘ihn verehren, anhimmeln’ (18. Jh.) mit der Rückbildung Schwarm m. ‘verehrte Person, begeisternder Gegenstand’ (19. Jh.). In der Militärsprache (aus)schwärmen ‘eine feste Zugordnung auflösen, sich im Gelände verteilen’ (18. Jh.). Schwärmer m. und Schwarmgeist m. ‘religiöser Sektierer’ (16. Jh.), ‘wer den Boden der Wirklichkeit verliert, Phantast’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gruppe (von Tieren) · Herde · Koppel · Meute · Rotte · Rudel · Schule · Sprung · Trupp  ●  Schwarm  auch figurativ
Assoziationen
Synonymgruppe
Grüppchen · Kreis · Kränzchen · Pulk · Runde · Schar · Traube · Trupp · Versammlung  ●  Gruppe (von Menschen)  Hauptform · Clique  ugs., abwertend · Korona  ugs. · Schwarm  geh., fig., literarisch · bunte Truppe  ugs., scherzhaft · lustiger Verein  ugs., fig.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Schwarm‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schwarm‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schwarm‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zuerst wird der Schwarm, sobald er sich angesetzt hat, naßgespritzt. [Meyerhoff, Grete: Kleine Imkerschule, Berlin: Deutscher Landwirtschaftsverl. VEB 1981 [1970], S. 78]
Endlich entscheidet sich der Schwarm für den von der Mehrheit bevorzugten Ort. [Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 255]
Wie war ich doch mein Leben lang an den bunten Schwarm um mich gewöhnt gewesen! [Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 1717]
Vollwertige Objekte mit eigener Animation bringt die Software zu Schwärmen vervielfacht in Bewegung. [C’t, 2001, Nr. 12]
Er bildet Schwärme, von denen manche viele Hundert Meter breit und zwei Millionen Tonnen schwer sein können. [Die Zeit, 23.12.2013, Nr. 51]
Zitationshilfe
„Schwarm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schwarm>.

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