Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Schwarte, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schwarte · Nominativ Plural: Schwarten
Aussprache 
Worttrennung Schwar-te
Wortbildung  mit ›Schwarte‹ als Erstglied: Schwartemagen · Schwartenmagen · schwartig
 ·  mit ›Schwarte‹ als Letztglied: Dachsschwarte · Räuberschwarte · Schundschwarte · Speckschwarte
eWDG

Bedeutungen

1.
dicke, feste, zähe Haut
a)
am Schweinefleisch, Schinken, Speck
Beispiele:
die Schwarte vom Schinken, Speck schneiden
Schwarten auskochen
die Pfanne mit einer Schwarte einfetten
b)
Jägersprache Außenhaut, Fell von Dachsen, Wildschweinen
2.
salopp, abwertend Buch
Beispiel:
klappe endlich deine Schwarte zu und komm an die frische Luft!
altes Buch
Beispiele:
eine in Schweinsleder gebundene Schwarte
er hat im Antiquariat alte Schwarten gekauft
inhaltlich wenig wertvolles, schlechtes Buch
Beispiel:
er hatte bis zu seinem zwanzigsten Jahr nur Schwarten gelesen
3.
salopp menschliche Haut
Beispiel:
während er … dem letzten Kunden [beim Rasieren] mit dem Messer über die dicke Schwarte fuhr [ G. HermannKubinke54]
bildlich dass die Schwarte krachtdrückt ein großes Ausmaß aus
Beispiele:
sie müssen arbeiten, dass die Schwarte kracht
er wurde verprügelt, dass die Schwarte krachte
4.
Medizin narbige Verdickung, Verwachsung des Bindegewebes, besonders von Brustfell und Rippenfell nach Entzündungen
5.
fachsprachlich schmales, beim Zersägen von Baumstämmen abfallendes, einseitig mit Rinde bedecktes Brett
Beispiele:
er hat seine Sommerlaube mit Schwarten verschalt
Holzabfälle, wie die in den Sägewerken anfallenden Schwarten und Säumlinge, werden nutzbringend verwendet
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schwarte · schwarten
Schwarte f. ‘zähe, dicke (behaarte) Haut’ (besonders Schweine-, Speckschwarte), mhd. swart(e) ‘behaarte menschliche (Kopf)haut, behaarte oder gefiederte Tierhaut, Speckrinde’, mnd. swārde, swārte (vgl. auch grȫnswārde ‘Grasdecke’), mnl. swaerde ‘behaarte Haut, mit Rasen bedeckter Boden’, nl. zwoord, afries. swarde f., aengl. sweard ‘(Schweins)haut’, mengl. (wiederbelebt durch mnd. bzw. nord. Einfluß) sward (auch ‘Grasnarbe’), engl. sward ‘Rasen’, anord. svǫrðr ‘Schwarte, Kopfhaut, Grasdecke, Grasnarbe’ (germ. *swardu-). Herkunft unbekannt. Heranziehen läßt sich lediglich lett. šērve ‘Schweinehaut, sich ablösende schmutzige Haut’, falls dies nicht aus nd. Schörfe (Plur. zu Schorf) entlehnt ist. Angesichts der schwachen bzw. fehlenden Vergleichsmöglichkeiten ist Anschluß im Sinne von ‘bedeckende Schicht’ an die Wurzel ie. *u̯er- ‘bedecken’ (mit anlautendem s-) zweifelhaft. Übertragen ‘dickes, in Schweinsleder eingebundenes Buch’ (17. Jh.), ‘altes Buch. schlechtes, verachtetes Buch’ (18. Jh.). schwarten Vb. ‘die Haut vom Vieh, die Rinde vom Baum abziehen’ (19. Jh.), in der Umgangssprache ‘(ver)prügeln, angespannt und ausdauernd lesen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Schinken · dickes Buch  ●  Klopper  ugs. · Monumentalwerk  geh. · Schwarte  ugs. · Wälzer  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Schwarte‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schwarte‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schwarte‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und damit wollen wir den Sums um diese Schwarte denn auch beenden. [konkret, 1997]
Doch jetzt braucht Schwarte das Geld erst einmal für den Aufbau. [Die Zeit, 30.09.2013, Nr. 39]
Gleich zwei Mal habe ich mir diese dicke Schwarte von Homer durchgelesen. [Der Tagesspiegel, 27.08.2004]
Außerdem, dazu sind Bücher ja da, strapazieren die Leser die moribunden Schwarten. [Süddeutsche Zeitung, 03.01.2000]
Erna kochte Wasserrübchen mit geräucherter Schwarte, ich ließ sie kalt werden. [Loest, Erich: Völkerschlachtdenkmal, München: Dt. Taschenbuch-Verl. 1987 [1984], S. 61]
Zitationshilfe
„Schwarte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schwarte>.

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