Schwelgerei, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schwelgerei · Nominativ Plural: Schwelgereien
Aussprache
WorttrennungSchwel-ge-rei
Wortzerlegungschwelgen-erei
Wortbildung mit ›Schwelgerei‹ als Letztglied: ↗Gefühlsschwelgerei
Wahrig und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
üppiges, genießerisches Essen und Trinken, Schlemmerei
Beispiele:
Gemessen an den Spitzenleistungen von Schlemmerei und Schwelgerei, die im Lauf der Zeiten aus dem wunderbaren Frankreich berichtet wurden, sind vierzehn Flaschen [Wein pro Tag] […] geradezu ein Klacks. [Der Standard, 26.09.2014]
[…] kulinarisch ist die Region [der Großraum Dresden] […] mehr für lutherische Kargheit denn für üppige Schwelgereien bekannt. [Süddeutsche Zeitung, 21.02.2015]
Die gastronomische Literatur weist nicht wenige Publikationen auf, in denen Schwelgereien und Prassereien gebündelt geschildert und womöglich als symptomatisch für ein Zeitalter oder für eine Menschenklasse bezeichnet werden. [Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 59]
Schwelgereien, zu denen mich reiche Freunde manchmal einluden, haben für mich nie einen Reiz gehabt; nach Austern, Trüffeln und Sekt habe ich nie Gelüste empfunden und mich darum auch nie dazu hergegeben, für solche Genüsse alberne Gesellschaft zu ertragen. [Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 9624]
allgemeiner maßloses Genießen, genussvolle Hingabe
Beispiele:
Die Reichen leben in Schwelgerei, die Armen schuften sich zu Tode[…]. [Die Zeit, 19.02.2011 (online)]
Die Griechen haben sich gern vorgestellt, daß an den altorientalischen Fürstenhöfen ein Leben ununterbrochener üppigster Schwelgerei herrsche. [Gigon, Olof: Das hellenische Erbe. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 4729]
Viel Unfrieden ist in Ehen gestiftet worden, wenn sich Damen der Schwelgerei von Lustbarkeiten ergeben haben. [Gontard, O. von: Wie soll ein weibliches Wesen sich benehmen, um einen Mann zu bezaubern? In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1904], S. 21645]
2.
Überschreiten des richtigen Maßes, Ausufern (in Text und Rede, in der Verwendung von Farben oder Tönen)
Beispiele:
Mutter Afrika – viele schwarze Amerikaner verlieren sich, wenn sie an den Kontinent ihrer Vorfahren denken, in mystifizierender Schwelgerei. [Die Zeit, 19.09.1997, Nr. 39]
[…] dennoch ufern seine Sätze nie in Schwelgerei aus, bleiben stets der argumentativen Stringenz und dem präzisen Ausdruck verpflichtet. [Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2011]
Klare Strukturen beherrschen die musikalische Szene, keine große Schwelgerei und schon gar keine Überdosis Klangrauschgift. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2002]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwelgen · Schwelger · Schwelgerei · schwelgerisch
schwelgen Vb. ‘üppig essen und trinken, schlemmen, in vollen Zügen genießen’; Herkunft ungewiß. Man versucht, das ehemals stark flektierende Verb ahd. swelgan (8. Jh.), mhd. swelgen, swelhen ‘verschlingen, (ver)schlucken, trinken’, mnd. swelgen, mnl. swelghen, nl. zwelgen, aengl. swelgan, engl. to swallow, anord. svelga, aschwed. svælgh(i)a, schwed. svälja mit anord. sylgr ‘Schluck, Trank’, auch ‘Schlinger, Fresser’, mhd. swalch, swalc ‘Schlund, Flut, Woge’ auf eine k-Erweiterung der aus awest. xvar- ‘genießen, verzehren’, aengl. swillan, swilian ‘waschen, spülen’, engl. to swill ‘(ab)waschen, gierig trinken’, anord. sollr ‘Spültrank für Schweine’, schwed. (mundartlich) soll, sull ‘Milch mit Brotbrocken’ erschließbaren Wurzel ie. *su̯el- ‘schlingen, essen, trinken’ zurückzuführen, die allerdings nur im Iran. und Germ. nachgewiesen werden kann (Pokorny 1, 1045). Im Nhd. (etwa 16. Jh.) wird mit der starken Flexion auch die transitive Verwendung ‘(ver)schlucken’ aufgegeben, und schwelgen steht für ‘schmausen, zechen, schlemmen, prassen’, danach (seit dem 18. Jh.) für ‘üppig, genüßlich leben’. Schwelger m. ‘Schlemmer’, ahd. swelgāri (8. Jh.), mhd. swelher ‘Schlucker, Säufer’. Schwelgerei f. ‘Schlemmerei, Prasserei’ (16. Jh.). schwelgerisch Adj. ‘üppig, verschwenderisch’ (17. Jh.).
Zitationshilfe
„Schwelgerei“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schwelgerei>, abgerufen am 17.09.2019.

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