Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Schwelle, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schwelle · Nominativ Plural: Schwellen
Aussprache 
Worttrennung Schwel-le
eWDG

Bedeutungen

1.
am Boden befindlicher, etwas erhöhter Abschluss einer Türöffnung, Anschlag für die Tür
Beispiele:
er stand schon auf der Schwelle
sie hatte nur noch die Schwelle zu wischen
du betrittst mir meine Schwelle nicht mehr (= kommst mir nicht mehr in meine Wohnung, mein Haus)
jmdn. von der Schwelle weisen (= jmdm. den Eintritt verweigern)
2.
Querbalken, auf dem die Eisenbahnschienen befestigt sind, Eisenbahnschwelle
Beispiele:
Schwellen aus Spannbeton fertigen
Schwellen verlegen
3.
Geologie Bodenerhebung zwischen zwei Senken
Beispiel:
Afrika ist … der Erdteil der Becken und Schwellen, der Hochländer und tektonischen Bruchgebiete [ Urania1957]
4.
gehoben, übertragen an der Schwelle des Jahresunmittelbar am Beginn des Jahres
Beispiele:
an der Schwelle seines Berufslebens, des Erwachsenseins
er steht auf der Schwelle des Greisenalters
Psychologiedie Schwelle des Bewusstseins (= nicht feste Grenze zwischen Nichtbewußtem und Bewußtem, Bewußtseinsschwelle)
Ich habe das Gefühl, an der Schwelle einer wichtigen Erkenntnis zu stehen [ JensMann39]
Er … ist ihr bis an die Schwelle (= bis an den Rand) des Verderbens gefolgt [ H. Mann8,61]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schwelle f. ‘waagerecht liegender Balken’ (als untere Begrenzung eines Türrahmens, als Befestigungsgrundlage für Eisenbahnschienen). Die unterschiedlich gebildeten Substantive ahd. swelli n. ‘Türschwelle, Fußgestell, Sockel’ (9. Jh.), swella f. (Hs. 13. Jh.), mhd. swelle f. n. ‘Balken zum Hemmen, Schwellen des Wassers’, überhaupt ‘Balken, Grundbalken, Schwelle’, mnd. sul m., sülle m. f., mnl. sulle, sille, aengl. syll, sylle f., engl. sill, anord. syll, svill f., schwed. syll führen auf germ. *swallja- bzw. (ablautend) *swelljō und *sulljō. Vergleichbar sind vielleicht griech. selís (σελίς) ‘Querbalken eines Gebäudes, Schiffes, Querstück, Querwand, in die Quere laufende Bank- oder Sitzreihe im Theater’ und (mit m-Suffix) griech. sélma (σέλμα) ‘Deck-, Ruderplanke, Ruderbank, Verdeck, Gerüst’, asächs. selmo m. ‘Lager, Bett’, aengl. sealma m. ‘hölzernes Bettgestell, Bett’, so daß von einer Wurzel ie. *su̯el- bzw. deren Variante *sel- ‘Balken, Brett, aus Stämmen oder Brettern Verfertigtes’ ausgegangen werden kann. Als Bedeutung für das Germ. ergäbe sich ‘Grundbalken’ (eines Hauses, Bauwerkes oder Bauteiles). Jedoch ist diese Herleitung umstritten. Fraglich bleibt auch, ob das unter Säule1 (s. d.) behandelte Substantiv hier anzuschließen ist. Schwelle für ‘Türschwelle’ setzt sich aus omd. Gebrauch in der Literatursprache durch und entwickelt die übertragene Bedeutung ‘Grenze, an der etw. beginnt oder endet’ (vgl. an der Schwelle des Jahres, Schwelle des Bewußtseins, Reizschwelle).

Thesaurus

Synonymgruppe
Grenzwert · Schwelle · Schwellenwert · Schwellwert
Geologie
Synonymgruppe
Rücken · Schwelle
Assoziationen
Synonymgruppe
Schwester  ●  Schwelle  ugs., salopp, Jargon, berlinerisch · Schwesterherz  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Brüder und Schwestern  ●  Geschwister  Pluraletantum
Eisenbahn
Synonymgruppe
Eisenbahnschwelle · Gleisträger · Schwelle
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Schwelle‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schwelle‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schwelle‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Meister erschien auf der Schwelle, sehr bleich, wie mit Kalk bestrichen. [Preußler, Otfried: Krabat, Stuttgart: Thienemann o.J. [1995] [1971], S. 90]
Aber statt der erwarteten Dame stand ein Mann auf der Schwelle. [Cotton, Jerry [d.i. Hober, Heinz Werner]: Die Killer sind unter uns, Bergisch Gladbach: Bastei [1971] [1956], S. 5]
Wir stehen hier schon unmittelbar an der Schwelle der »Idee«. [Natorp, Paul: Platons Ideenlehre. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1903], S. 6067]
Erst J. S. Bach schrieb wieder, an der Schwelle des neuen Stils, Sonaten in dieser Art. [Wirth, Helmut: Kammermusik. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1958], S. 34460]
Der Iran steht unverkennbar an der Schwelle einer neuen Ära. [Die Zeit, 17.02.2000, Nr. 8]
Zitationshilfe
„Schwelle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schwelle>.

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