Schwere, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schwere · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungSchwe-re
Wortbildung mit ›Schwere‹ als Erstglied: ↗Schwerenöter · ↗schwerelos  ·  mit ›Schwere‹ als Letztglied: ↗Bettschwere · ↗Erdenschwere
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Physik Schwerkraft
Beispiele:
das Gesetz der Schwere
als schwebe sie ohne Schwere über die Erde hin [G. Hauptm.2,24]
2.
entsprechend der Bedeutung von schwer (2 u. 3)
das Schwersein, Gewicht
entsprechend der Bedeutung von schwer (2a)
Beispiele:
gehobendie Blüte neigte sich durch ihre Schwere
gehobener spürte bleierne Schwere in seinen Gliedern
gehobenGroße Schiffe ... gaben dem Wellenschlag nur soweit nach, als es ihre Schwere erlaubte [KafkaAmerika19]
gehobenaußerdem litt meine Beschwingtheit bald unter der Schwere der Füße [Th. MannKrull8,427]
gehobenDas Tuch war ... noch von einer Schwere und Dichte, daß es eine Freude war [WintersteinLeben1,44]
übertragen
Beispiel:
Mein Kopf hatte eine lähmende Schwere [H. W. RichterSpuren253]
entsprechend der Bedeutung von schwer (2 b)
Beispiel:
man erkannte ihn an der Schwere seines Schrittes
entsprechend der Bedeutung von schwer (2 c)
Beispiel:
die Schwere des Weines
entsprechend der Bedeutung von schwer (2 d)
Beispiel:
die Schwere des Abschieds drückte sie nieder
entsprechend der Bedeutung von schwer (2 e α)
Beispiele:
keiner ... wollte sich die Schwere (= körperliche Anstrengung) der ungewohnten Arbeit anmerken lassen [MarchwitzaJugend183]
Von Bedeutung für die ... Schwere eines Arbeitsganges ist auch die Gestaltung der benutzten Maschinen und Werkzeuge [Urania1965]
Schwierigkeit
entsprechend der Bedeutung von schwer (2 e β)
Beispiel:
die Schwere der Entscheidung
Stärke, Heftigkeit
entsprechend der Bedeutung von schwer (3 a)
Beispiele:
ein Sturm, Unwetter von ungeheurer Schwere
durch die Schwere der Detonation wurde das Dach des Hauses abgedeckt
hohes Ausmaß
entsprechend der Bedeutung von schwer (3 b)
Beispiele:
die Schwere einer Straftat, eines Verbrechens, eines Unglücks
die Schwere seiner Schuld, einer Beschuldigung, eines Verdachts
er war sich der Schwere der Verantwortung bewusst
das Gesetz traf ihn in seiner ganzen Schwere (= Härte, Strenge)
die Schwere (= der Ernst, die Gefährlichkeit) einer Krankheit
die Schwere von Hans Castorps Fall, sein Krankheitsgrad [Th. MannZauberb.2,291]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwer · Schwere · schwerlich · Schwermut · schwermütig · Schwerenot · Schwerenöter · Schwerkraft · Schwerpunkt · schwerfällig · schwerhörig
schwer Adj. ‘von großem Gewicht, von hohem Schwierigkeitsgrad’, ahd. swār (8. Jh.), swāri (9. Jh.) ‘schwer, drückend, schmerzlich’, mhd. swær(e), swār ‘wehtuend, schmerzlich, unangenehm, beschwerlich, betrübt, von großem Gewicht, vornehm’, asächs. mnd. swār, mnl. swaer, swāre, nl. zwaar, afries. swēr, aengl. swǣr, swār, auch ‘träge, schwach’, anord. svārr, schwed. svår, got. swērs ‘geachtet, geehrt’, eigentlich ‘schwerwiegend’ (germ. *swēra-, *swēri-) lassen sich vergleichen mit lit. sver̃ti ‘etw. wägen (um das Gewicht zu bestimmen), wiegen, Gewicht haben’, svarùs ‘schwer’, russ. (älter) osvér, osvír (освер, освир) ‘Hebel’, osvérit’, osvírit’ (осверить, освирить) ‘neigen, einer Seite das Übergewicht geben’, vielleicht auch mit griech. hérma (ἕρμα) ‘Stütze, Klippe, Stein, Ballast’ (falls eigentlich ‘schweres Gewicht, schwerer Stein, Steinblock’) und lat. sērius ‘ernsthaft, ernstlich’ (eigentlich ‘schwer, gewichtig’), so daß von einer auch mit anlautendem s- auftretenden Wurzel ie. *u̯er- ‘binden, anreihen, aufhängen’, auch zum Wägen, daher ‘schwer, Schnur, Strick’, ausgegangen werden kann. Schwere f. ‘Gewicht, Schwierigkeit’, ahd. swārī (8. Jh.), mhd. swære ‘Leid, Schmerz, Kummer, Bedrängnis, großes Gewicht’. schwerlich Adv. ‘kaum’ (16. Jh.), ahd. swārlīhho (9. Jh.), mhd. swærlīche ‘auf schwere Weise, mit Mühe, in hohem Grade’, neben ahd. swārlīh (8. Jh.), mhd. swærlich Adj. Schwermut f. ‘gedrückte Gemütsverfassung, Melancholie’ (16. Jh.), Rückbildung aus schwermütig Adj. ‘gedrückt, depressiv, melancholisch’, mhd. swærmüetic; doch vgl. bereits vereinzeltes mhd. swārmueti (13. Jh.). Schwerenot Interjektion (18. Jh.), eigentlich mhd. swære nōt, nhd. schwere Not ‘körperlicher Schmerz, Krankheit’, auch ‘Geburtswehen’, besonders aber ‘Fallsucht, Epilepsie’ (17. Jh.), von der man glaubte, daß sie einem Menschen durch teuflische Beschwörung angehext werden könne; daher erklären sich Wendungen wie die Schwerenot soll euch regieren, die Schwerenot kriegen (18. Jh.), danach elliptisch daß dich die Schwerenot! und als Ausruf der Verwünschung, Überraschung, Beteuerung Schwerenot! Vgl. nd. swärnötern ‘fluchen’. Schwerenöter m. ‘verfluchter Kerl’ (18. Jh.), ‘Schalk, durchtriebener Kerl, Schürzenjäger’ (19. Jh.). Schwerkraft f. ‘Anziehungskraft der Erde’ (18. Jh.). Schwerpunkt m. ‘Mittelpunkt (der Masse)’, übertragen ‘wichtigster Punkt’ (18. Jh.). schwerfällig Adj. ‘langsam, unbeweglich’ (18. Jh.), vgl. bereits mnd. swārvellich ‘nicht leicht beweglich’. schwerhörig Adj. ‘mit schlechtem Hörvermögen’ (Anfang 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bedenklichkeit · ↗Gesetztheit · Schwere
Physik
Synonymgruppe
Anziehungskraft · ↗Gravitation · Schwere · ↗Schwerkraft
Oberbegriffe
  • Grundkraft der Physik · fundamentale Wechselwirkung
Unterbegriffe
  • Schwarzes Loch  ●  Quantensingularität  fachspr. · Schwerkraftmonster  ugs.
Assoziationen
  • Gravitationsdruck · Schweredruck · hydrostatischer Druck
  • durch Schwerkraft bedingt · durch die Gravitation · gravitativ · unter Einfluss der Gravitation
  • Gravitationsanomalie · ↗Schwereanomalie
Synonymgruppe
Ernsthaftigkeit · Schwere · ↗Schweregrad · ↗Schärfegrad
Physik
Synonymgruppe
Fallbeschleunigung · Schwere · Schwerebeschleunigung
Unterbegriffe
  • Erdbeschleunigung · Erdschwere · Erdschwerebeschleunigung · Gravitationsbeschleunigung · Ortsfaktor  ●  Gravitationsfeldstärke  fachspr.

Typische Verbindungen zu ›Schwere‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aufschluß Behinderung Blessur Dauer Delikt Erkrankung Feststellung Häufigkeit Leichte Leichtigkeit Schuld Straftat Tat Tatvorwurf Verbrechen Verfehlung Vergehen Verletzung bejahen besonder bleiern entgegenstehen ermessen feststellen irdisch lasten lastend teutonisch wiegen wägen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schwere‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schwere‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Moor ist ausgetrocknet, der Schwere ist endgültig leicht geworden.
Die Welt, 16.06.2000
Eine hinreichende Sicherheit für künftig straffreies Verhalten sah das OLG ohne nähere Prüfung schon wegen der Schwere der Tat nicht für gegeben.
Der Tagesspiegel, 04.11.1999
Dies setzt jedoch bisher unter anderem drei selbständige vorsätzliche Taten von bestimmter Schwere voraus.
o. A. [M.-M., M.-M-jr.]: Sicherungsverwahrung. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1977]
Dann kommt in die Tat das ganze Gewicht, die ganze Schwere seiner Überzeugung hinein.
o. A.: Dreiunddreißigster Tag. Montag, 14. Januar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 8750
Wie halfen solche Worte über manches Schwere im Leben fort.
Bismarck, Hedwig von: Erinnerungen aus dem Leben einer 95jährigen. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 7302
Zitationshilfe
„Schwere“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schwere>, abgerufen am 21.01.2020.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Schwerchemikalie
Schwerchemie
schwerblütig
schwerbewölkt
schwerbeweglich
Schwereanomalie
Schwerefeld
Schweregrad
schwerelos
Schwerelosigkeit