Schwerenöter, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungSchwe-re-nö-ter (computergeneriert)
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich, scherzhaft Mann, der Frauen gegenüber besonders keck, liebenswürdig und galant ist
Beispiel:
ein schöner Mann ... der Typ, den man 1913 Schwerenöter genannt und vor dem Mütter ihre Töchter vergeblich gewarnt hätten [BöllDie Spurlosen20]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwer · Schwere · schwerlich · Schwermut · schwermütig · Schwerenot · Schwerenöter · Schwerkraft · Schwerpunkt · schwerfällig · schwerhörig
schwer Adj. ‘von großem Gewicht, von hohem Schwierigkeitsgrad’, ahd. swār (8. Jh.), swāri (9. Jh.) ‘schwer, drückend, schmerzlich’, mhd. swær(e), swār ‘wehtuend, schmerzlich, unangenehm, beschwerlich, betrübt, von großem Gewicht, vornehm’, asächs. mnd. swār, mnl. swaer, swāre, nl. zwaar, afries. swēr, aengl. swǣr, swār, auch ‘träge, schwach’, anord. svārr, schwed. svår, got. swērs ‘geachtet, geehrt’, eigentlich ‘schwerwiegend’ (germ. *swēra-, *swēri-) lassen sich vergleichen mit lit. sver̃ti ‘etw. wägen (um das Gewicht zu bestimmen), wiegen, Gewicht haben’, svarùs ‘schwer’, russ. (älter) osvér, osvír (освер, освир) ‘Hebel’, osvérit’, osvírit’ (осверить, освирить) ‘neigen, einer Seite das Übergewicht geben’, vielleicht auch mit griech. hérma (ἕρμα) ‘Stütze, Klippe, Stein, Ballast’ (falls eigentlich ‘schweres Gewicht, schwerer Stein, Steinblock’) und lat. sērius ‘ernsthaft, ernstlich’ (eigentlich ‘schwer, gewichtig’), so daß von einer auch mit anlautendem s- auftretenden Wurzel ie. *u̯er- ‘binden, anreihen, aufhängen’, auch zum Wägen, daher ‘schwer, Schnur, Strick’, ausgegangen werden kann. Schwere f. ‘Gewicht, Schwierigkeit’, ahd. swārī (8. Jh.), mhd. swære ‘Leid, Schmerz, Kummer, Bedrängnis, großes Gewicht’. schwerlich Adv. ‘kaum’ (16. Jh.), ahd. swārlīhho (9. Jh.), mhd. swærlīche ‘auf schwere Weise, mit Mühe, in hohem Grade’, neben ahd. swārlīh (8. Jh.), mhd. swærlich Adj. Schwermut f. ‘gedrückte Gemütsverfassung, Melancholie’ (16. Jh.), Rückbildung aus schwermütig Adj. ‘gedrückt, depressiv, melancholisch’, mhd. swærmüetic; doch vgl. bereits vereinzeltes mhd. swārmueti (13. Jh.). Schwerenot Interjektion (18. Jh.), eigentlich mhd. swære nōt, nhd. schwere Not ‘körperlicher Schmerz, Krankheit’, auch ‘Geburtswehen’, besonders aber ‘Fallsucht, Epilepsie’ (17. Jh.), von der man glaubte, daß sie einem Menschen durch teuflische Beschwörung angehext werden könne; daher erklären sich Wendungen wie die Schwerenot soll euch regieren, die Schwerenot kriegen (18. Jh.), danach elliptisch daß dich die Schwerenot! und als Ausruf der Verwünschung, Überraschung, Beteuerung Schwerenot! Vgl. nd. swärnötern ‘fluchen’. Schwerenöter m. ‘verfluchter Kerl’ (18. Jh.), ‘Schalk, durchtriebener Kerl, Schürzenjäger’ (19. Jh.). Schwerkraft f. ‘Anziehungskraft der Erde’ (18. Jh.). Schwerpunkt m. ‘Mittelpunkt (der Masse)’, übertragen ‘wichtigster Punkt’ (18. Jh.). schwerfällig Adj. ‘langsam, unbeweglich’ (18. Jh.), vgl. bereits mnd. swārvellich ‘nicht leicht beweglich’. schwerhörig Adj. ‘mit schlechtem Hörvermögen’ (Anfang 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Filou · ↗Frauenheld · ↗Frauenjäger · ↗Gigolo · ↗Hallodri · ↗Herzensbrecher · ↗Playboy · ↗Schlawiner · Schwerenöter · ↗Witwentröster · ↗Wüstling · jedem Weiberrock hinterherlaufen  ●  ↗Ladykiller  scherzhaft · ↗Schürzenjäger  Hauptform · ↗Suitier  veraltet · ↗Womanizer  engl. · ↗Aufreißer  ugs. · Mann für alle Gelegenheiten  ugs., ironisch · ↗Süßholzraspler  ugs. · ↗Weiberheld  ugs. · einer, der nichts anbrennen lässt  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Charme alt alternd notorisch unverbesserlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schwerenöter‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber Darling Bill ist nicht der einzige Schwerenöter in der Stadt.
Süddeutsche Zeitung, 05.09.1998
Jetzt liegt er da, der alte Schwerenöter, ganz braun, ganz verschrumpelt und ganz hässlich.
Der Tagesspiegel, 03.01.2005
Sie setzen durch ihre Zwanglosigkeit oft Schwerenöter von reichster Erfahrung in Erstaunen.
Rafaeli, Max u. Le Mang, Erwin: Ueber die Liebe. In: Das große Aufklärungswerk für Braut- und Eheleute, Dresden: Buchversand Gutenberg o.J. 1933 [1927], S. 120
Die Männer haben es jedenfalls schwerer, sich noch als die tollen Hechte und Schwerenöter aufzuführen.
konkret, 1983
Kann man sich einen verehelichten Schwerenöter oder gar Dionysos vorstellen?
Die Zeit, 25.11.2013, Nr. 47
Zitationshilfe
„Schwerenöter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schwerenöter>, abgerufen am 15.12.2019.

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