Schwinge, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schwinge · Nominativ Plural: Schwingen
Aussprache
WorttrennungSchwin-ge (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Schwinge‹ als Erstglied: ↗-schwingig  ·  mit ›Schwinge‹ als Letztglied: ↗Adlerschwinge · ↗Futterschwinge · ↗Kornschwinge · ↗Sturmesschwinge · ↗Sturmschwinge · ↗Vogelschwinge
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
gehoben Flügel eines meist größeren Vogels
Beispiele:
der Adler breitete, spannte seine (starken, kräftigen, gewaltigen) Schwingen aus und erhob sich in die Lüfte
der Raubvogel hatte seine Schwingen entfaltet, geöffnet
die silbernen, stählernen, glänzenden Schwingen (= Tragflächen) eines Flugzeugs
silberne Schwingen (= Abzeichen in der Form eines stilisierten Vogels) auf den blauen Kragenspiegeln der Luftstreitkräfte
Ein Sperber zog, ohne die Schwingen zu rühren, seine Kreise unter dem Himmel [UhsePatrioten1,72]
dichterisch, bildlich
Beispiele:
der Dichter ließ sich von den Schwingen der Fantasie tragen
durch den Erfolg, die Freude, Hoffnung wuchsen ihm Schwingen (= d. Erfolg, Freude, Hoffnung beflügelte ihn)
mit einer samtenen Schwinge bedeckte er [der Alkohol] alle meine Sorgen und Kümmernisse [FalladaTrinker23]
Der Föhn entfaltete seine gewaltigen Schwingen [H. LebertinÖsterr. Erzähler2,156]
2.
landschaftlich flaches Gefäß
österreichisch flacher, ovaler Korb
Beispiele:
eine Schwinge voll Pferdefutter, Kleinholz
eine geflochtene Schwinge mit Pflaumen [KlepperKahn134]
3.
Technik Abstützung eines Rades gegen den Rahmen meist mit Hilfe von zwei Spiralfedern, besonders bei Motorrädern
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwingen · Schwinge · beschwingt · Schwingung · erschwingen · erschwinglich
schwingen Vb. ‘weit ausholend hin- und herbewegen’, ahd. swingan (8. Jh.), mhd. swingen ‘schwingen, schütteln, fliegen, schweben, sich bewegen’, asächs. swingan ‘sich schwingen, stürzen’, mnd. swingen, mnl. swinghen ‘schlingern, drehen, werfen’, aengl. swingan ‘sich schwingen, fliehen, schlagen, züchtigen, treiben’, engl. to swing (germ. *swing(w)an). Außergerm. Verwandte sind spärlich und unsicher. Wenn sich air. seng ‘schlank’ und vielleicht aind. svájatē ‘umarmt, umschlingt, umfaßt’, páriṣvakta- ‘eng umschlungen’ vergleichen lassen, ist ein Ansatz ie. *su̯eng-, *su̯enk- ‘biegen, drehend schwingen, schwenken’ möglich. Dazu stellen sich auch ↗Schwanz, ↗Schwang, ↗Schwank, ↗schwanken, ↗schwenken und ↗schwach (s. d.). Als Grundbedeutung für das Verb ist ‘weit ausholend hin- und herbewegen’ anzunehmen. Schwinge f. ‘Vogelflügel’ (16. Jh.), asächs. swinga ‘Knüppel, Prügel, Keule’ (11. Jh.), spätmhd. swinge ‘Gerät zum Schwingen, Flachs-, Hanfschwinge, Getreide-, Futterschwinge’, verächtlich auch ‘Schwert’. beschwingt Part.adj. ‘beflügelt, unbeschwert’ (18. Jh.), zu beschwingen Vb. ‘in Bewegung setzen, beflügeln’ (17. Jh.). Schwingung f. ‘schwingende Bewegung, das Schwingen’ (17. Jh.), ‘sich wiederholende, zwischen zwei Grenzwerten stattfindende Bewegung’, auch als Terminus der Physik (18. Jh.). erschwingen Vb. ‘aufbringen, bezahlen’, eigentlich wohl sich erschwingen ‘sich aufschwingen zu etw.’ (16. Jh.), mhd. erswingen ‘schwingend in Bewegung setzen, aufschwingen, abstreifen, schwingend erreichen’. erschwinglich Adj. ‘finanziell tragbar’ (18. Jh.).

Thesaurus

Zoologie
Synonymgruppe
Fittiche · ↗Flügel · Schwinge
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Flügelschlag
  • Afterschwinge · Alula · Daumenfittich · Eckfittich
  • Schwingkölbchen  ●  ↗Haltere  lat., griechisch
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adler Engel Feder Federbein Oberarmhang Raubvogel Rauschen Schnabel Vogel ausbreiten ausgebreitet ausladend breiten entfaltet feucht flattern gebrochen gelähmt gespreizt gestutzt gläsern hinter mächtig rauschend schweben segeln silbern spreizen stutzen stählern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schwinge‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im Rhythmus der Füße, im Schwingen der Arme scheint das geheimnisvolle Aufblühen der Sprache im Kopf zu pulsieren.
Die Welt, 27.11.1999
Doch auch dort blieb die Anzeige gegen Schwinge ohne Erfolg.
konkret, 1986
Schon werde ich kurzfristig überschwenglich gut unter den ruhig schlagenden, einer Bestimmung folgenden Schwingen.
Kronauer, Brigitte: Die Frau in den Kissen, Stuttgart: Klett-Cotta 1990, S. 416
Die Schwingen, die ihn tragen, glühen rot und leuchten grün und haben auch das Braun der Erde umfangen, in die er herabgeschickt ist.
Weismantel, Leo: Die höllische Trinität, Berlin: Union-Verl.1966 [1943], S. 321
Was zunächst geeignet war, seine Schwingen zu entfalten, hat sie dann doch wieder gelähmt.
Steiner, Rudolf: Mein Lebensgang, Eine nicht vollendete Autobiographie. In: Oliver Simons (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1925], S. 146
Zitationshilfe
„Schwinge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schwinge>, abgerufen am 19.03.2019.

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