Schwulität, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schwulität · Nominativ Plural: Schwulitäten
Aussprache
WorttrennungSchwu-li-tät
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich, scherzhaft schwierige, peinliche Situation, Unannehmlichkeit
Beispiele:
jmd. befindet sich, ist in (größter) Schwulität
jmd. gerät, kommt in Schwulitäten
Du hast mich ganz schön in Schwulitäten gebracht [SeegerFernsehspiele216]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwül · schwul · Schwüle · Schwulität
schwül Adj. ‘feuchtwarm, drückend heiß, beklemmend’. Im 17. Jh. wird nd. swōl, swūl ‘drückend und ermattend warm oder heiß, drückend oder ängstlich beklommen’ in der md. Form schwul in die Literatursprache übernommen. Unter Einfluß des Antonyms ↗kühl (s. d.) setzt sich gegen Anfang des 18. Jhs. die umgelautete Form schwül durch. Das Adjektiv steht mit nl. zwoel ‘drückend warm’ und aengl. swol n. ‘das Brennen, Hitze’ ablautend zu den unter ↗schwelen (s. d.) angeführten Verben. Ältere Bildungen begegnen in omd. geschwule ‘ängstlich’ (Ende 16. Jh.), obd. gschwilig (16. Jh.), swilch ‘schwül, ängstlich’ (16. Jh.), swilich ‘lau’ (15. Jh.). In der Umgangssprache nimmt die umlautlose Form schwul die Bedeutung ‘homosexuell’ an (um 1900), vgl. die auf einer ähnlichen Vorstellung beruhende Fügung warmer Bruder für ‘Homosexueller’. Schwüle f. ‘drückende, feuchte Hitze’ (18. Jh.). Schwulität f. ‘Schwierigkeit, Verlegenheit’, scherzhafte latinisierende Bildung der Studentensprache (2. Hälfte 18. Jh.) für ‘heiß machende, beklemmende Verlegenheit’. Heute meist in Schwulitäten (‘in Verlegenheit, in Schwierigkeiten’) sein, kommen.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So viel Schwulität in den Medien wirft unweigerlich die Frage nach den Ursachen dieser mit einem Mal so heftig grassierenden Mode auf.
Süddeutsche Zeitung, 29.10.2004
Und wie kleingeistig wirken im Vergleich ein paar Schwulitäten in unserer Politik.
Die Zeit, 15.10.2003, Nr. 42
Darum gerät er in Schwulitäten und muß die Hosen runterlassen, sinnbildlich gemeint.
Bild, 10.12.1998
Wir wußten, heute saßen die Herren Offiziere in Schwulitäten, und dies Bewußtsein erfüllte manchen mit heimlicher Schadenfreude.
Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 44870
Joseph Cotten gerät in Nachkriegs-Schiebereien und andere Schwulitäten, und dem Produzenten David Selznick war die ganze Geschichte, die Graham Greene da ausgetüftelt hatte, sehr suspekt.
Süddeutsche Zeitung, 23.06.1995
Zitationshilfe
„Schwulität“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schwulität>, abgerufen am 18.03.2019.

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