Schwulst, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schwulstes · Nominativ Plural: Schwülste
Aussprache
Wortbildung mit ›Schwulst‹ als Erstglied: ↗Schwulstperiode · ↗Schwulststil · ↗Schwulstzeit
 ·  mit ›Schwulst‹ als Letztglied: ↗Redeschwulst
eWDG, 1976

Bedeutung

abwertend übermäßige Verzierung, Überladenheit, Überschwänglichkeit
Beispiele:
prägnant und ohne Schwulst schreiben, reden, formulieren
ein Brief, eine Ansprache ist frei von Schwulst und Geschwätz
der mystische Schwulst einer Theaterinszenierung, eines Romans
der Schwulst des Spätbarocks
die Poesie von der Verwahrlosung und dem Schwulst zu befreien [BecherPoet. Konfession141]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schwulst · schwulstig · schwülstig
Schwulst m. ‘überschwengliche, hochtrabende Rede- und Schreibweise, überreicher Schmuck, Überladenheit’, ahd. swulst f. ‘Geschwulst’ (Hs. 12. Jh.), spätmhd. swulst f. ‘Schwiele, Schwellung, geschwollene Körperstelle’ ist (wie früher bezeugtes ↗Geschwulst, s. d.) mit st-Suffix ablautend zu dem unter ↗schwellen (s. d.) behandelten Verb gebildet. Es wird jedoch in dieser Bedeutung bereits von frühnhd. Zeit an durch Geschwulst verdrängt; Reste des alten Gebrauchs reichen kaum über das 18. Jh. hinaus. Dagegen ist Schwulst seit dem 18. Jh. in der übertragenen Bedeutung ‘Aufgeblähtheit, Überladenheit’ geläufig, zuerst bei Hagedorn (1757), dann bei Lessing, Wieland, Winckelmann, Schiller, Herder, die auch das heute in dieser Verwendung übliche maskuline Genus durchsetzen. schwulstig Adj. ‘krankhaft geschwollen’ (16. Jh.). Daneben übertragener Gebrauch wie bei umgelautetem schwülstig (16. Jh., ab 18. Jh. in diesem Sinne allein üblich) ‘aufgeblasen, hochtönend, formal überladen, überreich verziert’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bombast Kitsch Pathos Pomp barock befreien ideologisch rhetorisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schwulst‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Durch all die angelesene Soziologie, Psychologie, Philosophie schimmert der alte Schwulst.
Die Zeit, 29.03.1968, Nr. 13
Aber zu übersetzen sind sie kaum, es bleiben nur Leere und Schwulst.
Majumdar, A. K.: Indien im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 1090
Das hat den damaligen Mainstream-Intellektuellen nicht etwa laut auflachen lassen über so viel gekonnten Schwulst.
Die Welt, 09.03.2002
Auch lag es im schartigen Wesen des Arztes, war er mit seinem Latein zu Ende, keinen trostreichen Schwulst von sich zu geben.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 299
Sein Schwulst beruht viel weniger auf Klang und Bild als auf der Wortzusammensetzung, der Wortstellung.
Benjamin, Walter: Ursprung des deutschen Trauerspiels. In: Tiedemann, Rolf u. Schweppenhäuser, Hermann (Hgg.) Gesammelte Schriften, Bd. 1,1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1980 [1928], S. 375
Zitationshilfe
„Schwulst“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schwulst>, abgerufen am 16.12.2018.

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