Schwund, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schwund(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Schwund‹ als Erstglied: ↗Schwundausgleich · ↗Schwundsatz  ·  mit ›Schwund‹ als Letztglied: ↗Artenschwund · ↗Begabungsschwund · ↗Besucherschwund · ↗Bevölkerungsschwund · ↗Gedächtnisschwund · ↗Gehirnschwund · ↗Haarschwund · ↗Hautschwund · ↗Kaufkraftschwund · ↗Knochenschwund · ↗Konsonantenschwund · ↗Mitgliederschwund · ↗Mitgliedsschwund · ↗Muskelschwund · ↗Organschwund · ↗Pigmentschwund · ↗Publikumsschwund · ↗Teilnehmerschwund · ↗Tonschwund · ↗Vertrauensschwund · ↗Zahnbettschwund · ↗Zahnfleischschwund · ↗Zuschauerschwund
eWDG, 1976

Bedeutung

das Schwinden, die Abnahme, Verminderung, Verringerung
a)
Beispiele:
ein merklicher, allmählicher, rapider Schwund setzt ein, wird festgestellt
der Schwund der Kaufkraft in den kapitalistischen Ländern
bei dem Kranken trat ein völliger Schwund des Interesses an seiner Umwelt ein
b)
Medizin Verminderung, Schrumpfung, Atrophie
Beispiel:
der Schwund gelähmter Muskelgruppen
c)
fachsprachlich unter bestimmten physikalischen Bedingungen eintretender Verlust an Rauminhalt
Beispiel:
der Schwund beim trocknenden Holz
d)
Rundfunk Fading
e)
Kaufmannssprache durch verschiedenartige Ursachen hervorgerufener Verlust an Menge, Masse von Waren beim Transport, Verkauf, bei der Lagerung
Beispiele:
der Schwund bei Eiern
den Schwund berechnen
es wurde ein Schwund von neun Prozent festgestellt
Schwund durch beschädigte Verpackung, verdorbene Waren
der natürliche Schwund (= durch natürliche Einflüsse, besonders Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Licht, beim Verarbeitungsprozess und bei der Zirkulation bestimmter Warenarten entstehender Verlust an Menge, Masse von Waren)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwinden · Schwund · verschwinden · Schwindsucht
schwinden Vb. ‘sich vermindern, aufhören zu existieren’, ahd. swintan ‘abmagern, welken, bewußtlos werden’ (um 800), mhd. swinden ‘abnehmen, vergehen, abmagern, welken, bewußtlos werden’, asächs. farswindan, aengl. swindan (westgerm. *swendan; s. auch ↗schwindeln und ↗verschwenden). Herkunft unsicher. Vergleichbar sind aslaw. uvędati ‘verwelken’, russ. vjánut’, uvjadát’ (вянуть, увядать) ‘welken’ und (ablautend) kslaw. ǫditi ‘räuchern’, vielleicht auch armen. k‛andel ‘zerstören, ruinieren, abbrechen’, so daß eine Wurzel ie. *(s)u̯endh- ‘schwinden’ angenommen werden könnte. Auffällig ist hingegen semantisch nahestehendes ahd. swīnan ‘schwinden, abnehmen’ (um 800), mhd. swīnen, auch ‘abmagern, welken, in Ohnmacht fallen’, mnd. swīnen ‘träge sein’, isl. (ohne n-Erweiterung) svía ‘nachlassen’ zu der unter ↗schweigen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *su̯i- ‘schwinden, nachlassen, schweigsam werden’; ein lautgerechter Anschluß von germ. *swenda-, nhd. schwinden ist hier freilich nicht möglich. Schwund m. ‘Zustand der Verminderung, das Sichvermindern’, junge Bildung zum Verb (zuerst bei Campe). verschwinden Vb. ‘völlig aufhören zu existieren’, ahd. firswintan ‘verschmachten, verschwinden’ (9. Jh.), mhd. verswinden ‘unsichtbar, unwirklich werden, vergehen, umkommen, sterben’. Schwindsucht f. ‘Auszehrung, Krankheit, bei der der Körper sich verzehrt’, Bezeichnung für Tuberkulose (15. Jh., swintsucht). Daneben gleichbed. swīnsuht, schweinsuht (ebenfalls 15. Jh.) zu ahd. swīnan, mhd. swīnen ‘abnehmen, dahinschwinden, abmagern, bewußtlos werden’ (s. oben). Übersetzungen von griech. phthísis (φθίσις) ‘Auszehrung, Schwindsucht’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) Entweichen · (das) Verschwinden · ↗Verlust · ↗Verminderung  ●  Schwund  Hauptform · ...schlupf  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
Abfall · ↗Abnahme · ↗Dämpfung · ↗Einbuße · Nachlassen · ↗Regression · ↗Rückgang · Schwund · ↗Verringerung  ●  ↗Degression  fachspr. · ↗Dekreszenz  fachspr.
Assoziationen
Medizin
Synonymgruppe
Abbau · ↗Degeneration · Schwund · ↗Verfall  ●  ↗Mangelernährung  medizinisch · ↗Kachexie  fachspr., medizinisch · ↗Marasmus  fachspr., medizinisch · ↗Phthise  fachspr., medizinisch · Phthisis  fachspr., medizinisch
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Schwund‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schwund‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schwund‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In den vergangenen 25 Millionen Jahren sei es aber zu keinem wesentlichen Schwund mehr gekommen.
Die Zeit, 23.02.2012 (online)
Nur so lässt sich der massive Schwund - fast um zwei Drittel - erklären.
Die Welt, 29.05.2001
Die J. ihrerseits mußte durch die bis 1961 anhaltende Massenflucht einen steten Schwund von Teilnehmern hinnehmen, den sie nur schwer verkraften konnte.
Herbst, Andreas u. a.: Lexikon der Organisationen und Institutionen - J. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 2387
Üblicherweise ist der Schwund in Orientierungsrichtung größer als senkrecht dazu.
Menges, Georg u. Mohren, Paul: Anleitung für den Bau von Spritzgießwerkzeugen, München: Hanser 1974, S. 68
Aber mit dem Schwund eschatologischer Vorstellungen ist eine Verstärkung der T. wesentlich verknüpft.
Blumenberg, H.: Teleologie. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 38800
Zitationshilfe
„Schwund“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schwund>, abgerufen am 20.09.2020.

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