Schwung, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schwung(e)s · Nominativ Plural: Schwünge
Aussprache
Wortbildung mit ›Schwung‹ als Erstglied: ↗Schwungbein · ↗Schwungfeder · ↗Schwungkraft · ↗Schwungrad · ↗Schwungseil · ↗Schwungübung · ↗schwunghaft · ↗schwunglos · ↗schwungvoll
 ·  mit ›Schwung‹ als Letztglied: ↗Abschwung · ↗Arbeitsschwung · ↗Aufschwung · ↗Ausfallschwung · ↗Einkehrschwung · ↗Gedankenschwung · ↗Golfschwung · ↗Hüftschwung · ↗Pendelschwung · ↗Redeschwung · ↗Telemarkschwung
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
nur im Singular
schnelle, regelmäßige Bewegung, Pendelbewegung
a)
das Hin- und Herschwingen, die pendelnde Bewegung
Beispiele:
der gleichmäßige, regelmäßige Schwung eines Pendels, Perpendikels
jmd. (ver)setzt, bringt ein Pendel in Schwung
etw. mitten im Schwung anhalten
das Trapez, die Schaukel kam, geriet in Schwung
b)
Beispiele:
eine Maschine, technische Vorrichtung ist in Schwung (= eine Maschine, technische Vorrichtung funktioniert, läuft einwandfrei)
jmd. setzt, bringt ein Fahrzeug in Schwung
c)
umgangssprachlich, übertragen
Beispiele:
der neue Direktor wird den Betrieb schon in Schwung (= in einen guten Zustand, zu reibungsloser, erfolgreicher Arbeit) bringen
salopp Schwung in den Laden bringen
umgangssprachlich soll ich euch auf Schwung bringen? (= soll ich euch erst antreiben?)
umgangssprachlich das Gespräch, der Wettbewerb wollte zuerst nicht in Schwung (= in Gang) kommen
umgangssprachlich war er einmal in Schwung gekommen (= war er angeregt, in Stimmung), konnte er stundenlang Witze erzählen
umgangssprachlich der Sport hat ihn in Schwung (= beweglich, rüstig) gehalten
umgangssprachlich sie hält, hat ihren Haushalt, den Garten tadellos in Schwung (= in Ordnung)
umgangssprachlich der andere Trainer hatte die Mannschaft besser im, in Schwung (= bei dem anderen Trainer war die Mannschaft leistungsfähiger, erfolgreicher)
umgangssprachlich ein Unternehmen, Geschäft ist gut in Schwung (= ist in einem guten Zustand, floriert)
umgangssprachlich die Urlaubssaison ist in vollem Schwung (= im Gange, auf dem Höhepunkt)
2.
nur im Singular
schnelles Tempo einer Bewegung
a)
Beispiele:
der Schwung einer Vorwärtsbewegung, Pendelbewegung
die Schaukel hat Schwung
sie stürzte im Schwung des Tanzes
der Radfahrer fuhr mit Schwung um die Ecke
sie rannte, rutschte aus und fiel mit Schwung hin
der Schlitten hatte bergab großen Schwung
einem Perpendikel, einer Schaukel Schwung geben (= sie in schwingende Bewegung versetzen)
umgangssprachlich ich möchte schaukeln, gib mir doch mal tüchtig Schwung!
am Reck, Barren, beim Schaukeln Schwung holen
b)
übertragen mitreißende Kraft, die einer Sache innewohnt
Beispiele:
der (begeisternde) Schwung eines Appells, Liedes
der rhythmische Schwung eines Marsches
jmds. Worte, Verse haben (keinen) Schwung
dieser Inszenierung fehlt Schwung
eine Show ohne, mit Schwung
eine Ode von höchstem Schwung
mitreißende Begeisterung, Elan, Temperament
Beispiele:
der Schwung eines Redners, Dirigenten
jmds. jugendlicher, schöpferischer Schwung
sein Schwung war unerschöpflich, erlahmte nie
jmdm. fehlt (innerer) Schwung
jmd. redet, rezitiert, musiziert mit Schwung
mit neuem, ohne Schwung machte er sich an die Arbeit
jmd. hat Schwung
etw. gibt, verleiht jmdm. Schwung
er hatte seinen mitreißenden Schwung nicht verloren
sie hatte noch den Schwung der Jugend
3.
bogenförmige, kreisförmige Bewegung
a)
bogenförmige Bewegung eines pendelnden, schaukelnden Gegenstandes
Beispiele:
die Schwünge eines Pendels, Trapezes
die Schwünge wurden immer größer, höher, langsamer
b)
kreisförmige, bogenförmige Bewegung beim Turnen
Beispiele:
die (eleganten, kühnen) Schwünge der Turner am Pferd, Reck
Schwünge mit den Keulen, Armen und Beinen ausführen
c)
bei einer Richtungsänderung beschriebener Bogen
Beispiele:
ein Schwung nach links, rechts
die Schwünge der Skiläufer
d)
einmalige, energische, einen Bogen beschreibende Bewegung (auf ein bestimmtes Ziel zu)
Beispiele:
ein Schwung, und der Reiter saß auf dem Pferd
mit einem Schwung war er aus dem Bett, über den Zaun
mit einem kräftigen, energischen Schwung hob er den schweren Koffer ins Gepäcknetz
übertragen
Beispiel:
umgangssprachlich er hat den Brief, Roman in einem Schwung geschrieben (= er hat den Brief, Roman hintereinander, in einem Zug geschrieben)
4.
gehoben geschwungene Form, bogenförmiger Verlauf
Beispiele:
der Schwung ihrer Augenbrauen
in kühnem Schwung erhebt sich die Brücke fünfzig Meter über dem Fluss
All diese ... Geraden, Schwünge und Geflechte, aus denen sich eine Wohnungseinrichtung zusammensetzt [MusilMann131]
schwungvolle Linienführung
Beispiele:
der Schwung der neuen Rocklinie
ein Hut von modernem Schwung
5.
salopp größere Anzahl, Menge
Beispiele:
wenn nicht bald ein Schwung Regen kommt, vertrocknet alles
ein Schwung Schulkinder, von Schulkindern stieg in den Bus ein
ein Schwung alter Zeitungen lag auf dem Tisch
immer wenn ich so einen Schwung gebügelt habe, tut mir der rechte Arm weh
willst du den ganzen Schwung (= alles zusammen) mitnehmen?
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schwung · schwunghaft · Schwungfeder · Schwungkraft · Schwungrad · schwungvoll
Schwung m. ‘schwingende Bewegung, kraftvolle, rasche Bewegung, Stoßkraft’, übertragen ‘Antrieb, Begeisterung’. Das zu dem unter ↗schwingen (s. d.) behandelten Verb gebildete Abstraktum mhd. swunc ist anfangs nur wenig gebräuchlich, setzt sich aber im 18. Jh. allgemein durch und drängt dabei Schwang und Schwank in ihrer Verwendung für ‘schwingende Bewegung’ zurück (zur Bedeutungsdifferenzierung s. ↗Schwang). Redensartlich in Schwung kommen ‘in Gang kommen, in einen guten, vielversprechenden Zustand gelangen, vorankommen’ (um 1800), Schwung (‘Elan’) haben (19. Jh.). schwunghaft Adj. ‘mit Schwung, lebhaft, erfolgreich’ (Anfang 19. Jh.), schwunghaften Handel treiben. Schwungfeder f. ‘Hauptflügelfeder der Vögel’ (18. Jh.). Schwungkraft f. ‘Kraft eines schwingenden Körpers, in schnelle, schwingende Bewegung versetzende Kraft’ (18. Jh.). Schwungrad n. schweres Maschinenrad, das eine gleichmäßige Drehbewegung halten soll (18. Jh.). schwungvoll Adj. ‘voller Antrieb, Begeisterung, Elan’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Beschwingtheit · ↗Kraft · ↗Lebenskraft · Schwung · ↗Temperament · ↗Vitalität
Antonyme
Physik
Synonymgruppe
Drall · ↗Drehimpuls · Eigendrehimpuls  ●  ↗Effet (Ballsport, Billard)  franz. · Impulsmoment  veraltet · Schwung  veraltet · ↗Spin  engl.
Oberbegriffe
  • physikalische Größe  ●  reale Größe  fachspr. · tatsächliche Größe  fachspr.
Assoziationen
  • Bananenflanke · Querpass mit Effet
  • Drehgeber · Drehimpulsgeber · Inkrementaldrehgeber · Inkrementalgeber
  • Drallsatz · Drehimpulssatz
Synonymgruppe
Antrieb · ↗Auftrieb · ↗Drive · ↗Elan · ↗Pep · ↗Schub · Schwung · ↗Verve
Assoziationen
Synonymgruppe
Energie · ↗Kraft · ↗Leistung · ↗Leistungsabgabe · ↗Leistungsfähigkeit · Schwung  ●  ↗Dampf  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Gewalt · ↗Heftigkeit · ↗Kraft · Schwung · ↗Ungestüm · ↗Vehemenz · ↗Wucht  ●  ↗Karacho  ugs. · Musik dahinter  ugs. · ↗Schmackes  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Anhäufung · ↗Anzahl · ↗Ballung · ↗Batzen · ↗Fülle · ↗Haufen · ↗Heer · ↗Legion · ↗Masse · ↗Menge · ↗Reihe · ↗Schar · ↗Schwall · ↗Schwarm · Schwung · ↗Serie · ↗Unmasse · ↗Unmaß · ↗Unmenge · ↗Unzahl · ↗Vielheit · ↗Vielzahl · ↗Wust · ↗Übermaß  ●  ↗Armee  ugs. · ↗Flut  ugs. · ↗Latte  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Erregung · Schwung · ↗Wallung
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Lieferung · ↗Partie · ↗Posten  ●  ↗Charge  franz. · ↗Konvolut  geh., bildungssprachlich · ↗Los  fachspr. · ↗Lot  fachspr. · Schwung  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Schwung  ●  ↗Momentum  engl.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Begeisterung Elan Konjunktur Kreislauf anfänglich bremsen bringen elegant erhofft erlahmen frisch hinreißend jugendlich kommen kühn mitnehmen mitreißend nachlassen nachlassend nötig revolutionär rhetorisch rhythmisch sanft sorgen verhelfen verleihen verlieren wiederbringen wiederkommen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schwung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die deutsche Wirtschaft werde ohne großen Schwung in das kommende Jahr starten.
Der Tagesspiegel, 23.11.2004
Ich muss zwar noch besser spielen, aber ich versuche, den positiven Schwung mitzunehmen.
Süddeutsche Zeitung, 18.08.2004
Auch die Kunst dieser Zeit, von der freilich wenig erhalten ist, verrät denselben schöpferischen Schwung.
Majumdar, A. K.: Indien im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 2418
Er bejaht das Leben in seiner Fülle, seinem Schwung, seiner sieghaften Kraft.
Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1948], S. 2966
Und nun geht Dein Ernst mit einem Schwung ins Bett.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 22.11.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„Schwung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schwung>, abgerufen am 16.02.2019.

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