Seemannsgarn, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungSee-manns-garn
WortzerlegungSeemannGarn
eWDG, 1976

Bedeutung

übertriebene, oft nicht mit der Wahrheit übereinstimmende Erzählung eines Seemanns
Beispiele:
ein tolles Seemannsgarn!
Seemannsgarn spinnen (= übertriebene, unwahre Geschichten erzählen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Garn · umgarnen · Seemannsgarn
Garn n. ‘aus Fasern gesponnener Faden’, ahd. (9. Jh.), mhd. garn, mnd. gāren, mnl. garen, gaern, nl. garen, aengl. gearn, engl. yarn, anord. schwed. garn (germ. *garna-) bezeichnet ursprünglich die ‘aus getrockneten Därmen gedrehte Schnur’. Die alte Bedeutung ‘Darm’ zeigt sich noch in den Zusammensetzungen ahd. mittigerni (8. Jh.), asächs. midgarni, mhd. mittiger, aengl. micgern ‘in der Mitte der Eingeweide sitzendes Fett’ und im Femininum anord. gǫrn, Plur. garnar ‘Eingeweide’. Sie gilt auch für die außergerm. Verwandten griech. chordḗ (χορδή) ‘Darm(saite), Wurst’ (s. ↗Kordel), lat. hernia ‘Eingeweidebruch’, lit. žárna ‘(Dünn)darm, Schlauch’, aind. híraḥ ‘Band, Streifen’, hirā́ ‘Ader’, die eine Wurzel ie. *g̑her- ‘Darm’ voraussetzen. Bezeichnet Garn zunächst den ‘tierischen Darm’, mit dem man Felle und dgl. zusammennäht, so wird das Wort später auf den einfachen gesponnenen Faden übertragen, während der verstärkte, zweifach gedrehte Faden ↗Zwirn (s. d.) heißt. Schon in mhd. Zeit bedeutet Garn auch das ‘Netz zum Fangen von Wild, Vögeln und Fischen’, heute noch in der Jäger- und Fischersprache; daraus die Wendung ins Garn gehen ‘hereinfallen’, ferner die Ableitung umgarnen Vb. ‘durch Schmeichelei, List für sich und seine Zwecke zu gewinnen suchen, betören’, eigentlich ‘mit Netzen einfangen’ (17. Jh.). Seemannsgarn n. ‘abenteuerliche, nicht mit der Wahrheit übereinstimmende Erzählung’, von Seeleuten beim Spinnen von Garn aus zerfasertem Tauwerk vorgetragen (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ammenmärchen · ↗Aufschneiderei · ↗Bluff · ↗Erdichtung · ↗Erfindung · ↗Lügengeschichte · ↗Münchhauseniade · ↗Münchhausiade · ↗Räuberpistole · ↗Schwindel · ↗Schwindelei · Seemannsgarn · ↗Windei  ●  ↗Märchen  fig. · ↗Anglerlatein  ugs. · ↗Flunkerei  ugs. · ↗Geflunker  ugs. · ↗Jägerlatein  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

gesponnen spinnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Seemannsgarn‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Seemannsgarn, das an diesen Tischen versponnen wurde, reicht mindestens zwölfmal um den Äquator.
Der Tagesspiegel, 01.06.2004
Es bietet eine günstige Übernachtungsmöglichkeit in bester Lage - Seemannsgarn inklusive.
Die Welt, 16.08.2000
Tatsächlich wirken viele Wendungen und Lösungen der Geschichten wie feinst ersponnenes Seemannsgarn, das liegt jedoch auch am literarischen Verfahren.
Die Zeit, 07.06.2012, Nr. 20
Man ist im Norden viel Seemannsgarn gewohnt, war diesmal aber mit Belletristik überfordert.
Süddeutsche Zeitung, 07.10.2002
Der Kult-Kult ist harmloses Indiz für die Unkultur der Übertreibung, die um uns wächst, gehört zum Seemannsgarn des "Narrenschiffes".
Bild, 28.03.1998
Zitationshilfe
„Seemannsgarn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Seemannsgarn>, abgerufen am 17.02.2019.

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