Seifenblase, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungSei-fen-bla-se
WortzerlegungSeife1Blase1
eWDG, 1976

Bedeutung

durch ein Röhrchen oder einen Strohhalm aus Seifenschaum geblasene und rasch zerplatzende Kugel
Beispiele:
die Kinder machen Seifenblasen
eine große Seifenblase
Seifenblasen wehen in der Luft, zerplatzen
seine Hoffnungen sind wie Seifenblasen zerplatzt (= sind zunichte geworden)
übertragen
Beispiel:
Nichts von dem, was sie erwartet, war in Erfüllung gegangen; es waren Seifenblasen gewesen [Wasserm.Wahnschaffe1,405]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Seife · seifen · abseifen · einseifen · Seifenblase · Seifensieder
Seife f. Die Bezeichnung für das Wasch- bzw. Reinigungsmittel lautet ahd. seifa (8. Jh.), mhd. seife, mnd. mnl. sēpe, nl. zeep, aengl. sāpe, engl. soap und (möglicherweise aus dem Aengl. entlehnt) anord. sāpa, schwed. såpa. Zieht man aengl. sāp ‘Harz, Bernstein’ heran, so kann von der Vorstellung einer zähen, tropfenden Masse ausgegangen und eine Verbindung zu ablautendem mhd. sīfen ‘tropfen, triefen, gleiten, rutschen’, mnd. mnl. sīpen, nl. sijpelen ‘tröpfeln, sickern’, aengl. sīpian ‘fallen, sich senken’ hergestellt werden. Vergleicht man ferner lat. sēbum ‘Talg’, toch. A sep-, sip- ‘salben’ und die unter ↗Sieb (s. d.) genannten Formen, so ist ein Anschluß an ie. *sē(i)b-, *seib-, *seip- ‘ausgießen, seihen, rinnen, tröpfeln’, Erweiterung der Wurzel ie. *sē(i)-, *sei- ‘tröpfeln, rinnen, feucht’, möglich. Seife (lat. sāpo m., aus dem Germ. entlehnt) besteht nach Plinius aus Talg, Asche und Pflanzensäften und dient zunächst, offenbar aus kultischen Gründen, zum Rotfärben der Haare vor dem Kampf. seifen Vb. ‘mit Seife säubern’ (16. Jh.); abseifen Vb. ‘mit Seife und Wasser reinigen’ (in der Färbetechnik 18. Jh., allgemein 19. Jh.); einseifen Vb. ‘mit Seife einschmieren’ (19. Jh.); auch ‘übervorteilen, betrügen’ als volksetymologische Umbildung von rotw. beseibeln, besefeln, zu jidd. sewel ‘Mist, Kot, Dreck’. Seifenblase f. ‘Blase aus Seifenschaum’ (17. Jh.), übertragen für ‘Vergängliches, Trügerisches, ungenügend Durchdachtes’ (18. Jh.). Seifensieder m. ‘wer Seife herstellt’ (15. Jh.), eigentlich ‘kocht’ (s. ↗sieden); zu den Obliegenheiten der Seifensieder gehört auch das Kerzenziehen, daher redensartlich aus der Studentensprache mir geht ein Seifensieder (‘ein Licht’) auf (Anfang 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
leere Versprechungen  ●  Seifenblase  fig. · ↗Windei  fig. · ↗Luftnummer  ugs. · vox et praeterea nihil  geh., lat.
Assoziationen
  • (noch) nicht der Weisheit letzter Schluss · ↗(noch) unfertig · nicht ausgereift · nicht durchdacht · nicht zu Ende gedacht · schlecht vorbereitet (sein) · ↗unausgereift  ●  ↗unausgegoren  abwertend · weder Hand noch Fuß haben  fig. · ↗halbgar  ugs., abwertend
  • (der) Wunsch (ist/war) der Vater des Gedankens · ↗Illusion · ↗Wunschbild · ↗Wunschdenken · ↗Wunschtraum · ↗Wunschvorstellung · falsche Hoffnung · frommer Wunsch  ●  schöner Traum  fig. · zu hoch gegriffen (Ziel)  fig. · ↗Blütentraum  geh.
  • (ganz) groß herauskommen wollen · (noch) (etwas) vorhaben (im Leben) · große Pläne haben · große Pläne machen
  • (eine) wackelige Angelegenheit (sein)  ●  auf Sand bauen  fig. · auf Sand gebaut haben  fig. · auf unsicheren Beinen stehen  fig. · auf unsicheren Füßen stehen  fig. · (eine) wackelige Kiste (sein)  ugs.
  • Ausgeburt der Fantasie · Ausgeburt der Phantasie · ↗Fantasiegebilde · ↗Fantasieprodukt · ↗Fantasterei · Flausen im Kopf · ↗Kopfgeburt · ↗Luftnummer · ↗Phantasiegebilde · ↗Phantasieprodukt · ↗Phantasterei · Produkt der Fantasie  ●  Ausgeburt einer kranken Fantasie  stark abwertend · Ausgeburt einer kranken Phantasie  stark abwertend · ↗Hirngespinst  ugs. · ↗Luftschloss  ugs. · ↗Spinnerei  ugs. · ↗Wolkenkuckucksheim  ugs. · ↗Wolkenschloss  ugs., fig.
  • (sich) verlaufen · ↗(sich) verlieren · im Leeren verlaufen · im Nichts verlaufen · ins Leere laufen (mit) · nicht fruchten (bei jemandem) · nicht vorankommen · nicht weiterkommen (mit) · nicht weiterverfolgt werden · nichts bewirken · nichts herauskommen (bei) · ↗verpuffen · wirkungslos verpuffen · zu nichts führen  ●  wirkungslos bleiben  Hauptform · (sich) in Luft auflösen  ugs. · (sich) in Rauch auflösen  ugs. · (sich) in Wohlgefallen auflösen  ugs. · ↗(sich) totlaufen  ugs. · genauso gut hätte ich (+ absurde Handlung)  ugs. · im Sand verlaufen  ugs. · im Sande verlaufen  ugs. · nicht helfen  ugs. · nichts bringen  ugs. · vergebliche Liebesmüh sein  ugs. · ↗verläppern  ugs. · verplätschern  ugs. · ↗versanden  ugs.
  • (bloße) Phrase · ↗Leerformel · Nebelwort · Wieselei · ↗Worthülse · nur um (überhaupt) (irgend)etwas zu sagen  ●  ↗(leere) Floskel  variabel · inhaltsleeres Geschwätz  variabel · Blähwort  fachspr. · ↗Redeblume  geh., veraltet · ↗Sprechblase (ohne Inhalt)  ugs., fig. · hohle Phrase  ugs., Hauptform · leere Phrase  ugs.
Synonymgruppe
Domino · ↗Kartenhaus  ●  Seifenblase  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Clown Jongleur Konfetti Luftballon New Economy Platzen Traum Zerplatzen aufblasen blasen blubbern bunt eckig entpuppen erweisen geplatzt gigantisch medial platzen pusten rhetorisch riesig schillern schillernd schweben schwebend spekulativ zerplatzen zerplatzend zerplatzt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Seifenblase‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit Seifenblasen kann ich ihm endlich ein kleines Lächeln entlocken.
Süddeutsche Zeitung, 16.04.2004
Das ganze Unternehmen war eine gigantische Seifenblase geworden, die darauf wartete durchstochen zu werden.
Die Zeit, 07.11.1986, Nr. 46
An solche Stiche in seine prächtigen Seifenblasen war hinwiederum er gewöhnt.
Gütersloh, Albert Paris: Sonne und Mond, München: Piper 1984 [1962], S. 149
Oder ist auch das nur eine schillernde Seifenblase, die zerplatzen muß?
Rhein, Eduard: Du und die Elektrizität, Berlin: Ullstein 1956 [1940], S. 343
Und die großen Seifenblasen stoßen sich nicht, trotzdem sie haushoch sind - turmhoch!
Scheerbart, Paul: Immer mutig! In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1902], S. 10274
Zitationshilfe
„Seifenblase“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Seifenblase>, abgerufen am 11.12.2019.

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