Seilschaft, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Seilschaft · Nominativ Plural: Seilschaften
Aussprache  [ˈzaɪ̯lʃaft]
Worttrennung Seil-schaft
Wortzerlegung Seil-schaft
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Bergsport durch ein Seil verbundene, sich dadurch gegenseitig absichernde und unterstützende Gruppe von Bergsteigern
Kollokationen:
als Aktiv-/Passivsubjekt: eine Seilschaft stürzt ab
Beispiele:
Der 22‑Jährige, der die Seilschaft führte, verlor auf einmal den Halt und fiel rund 60 Meter[…] bevor er ins Seil stürzte. [Der Standard, 03.10.2006]
Am 3263 Meter hohen Gabler in den Zillertaler Alpen geriet eine Seilschaft mit sechs Bergsteigern aus Bayern ins Rutschen und stürzte 200 Meter in die Tiefe. [Süddeutsche Zeitung, 29.08.2017]
Aber aufpassen: wenn sich eine Seilschaft gerade abseilt ist es besser zu warten, bis diese ganz draußen sind, Steinschlag lässt sich hier fast nicht vermeiden! [herbstsun.wordpress.com, 17.09.2012]
Wir legen wieder die komplette Ausrüstung an und gehen in Seilschaft zu den Felsen[,] wo ein Klettersteig direkt auf die Hohenwartscharte führt. [mysummit.wordpress.com, 20.09.2011]
Selbst im Spätwinter besteigen bei günstigen Verhältnissen rund ein bis zwei Dutzend Seilschaften den sanften Riesen [das Breithorn]. [Neue Zürcher Zeitung, 17.07.2008]
Für die Fortbewegung einer Seilschaft gibt es […] ganz bestimmte Seilkommandos[…]. [Seilschaft. In: Aktuelles Lexikon 1974–2000, München: DIZ 2000 [1983]]
übertragen, abwertend durch gemeinsame Interessen verbundene Gruppe von Personen, vor allem in Politik und Berufsleben, die gewisse strategische Positionen besetzen, sich gegenseitig (verdeckt) absichern und unterstützen und sich dadurch unlautere Vorteile verschaffen
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: alte, postkommunistische, parteipolitische, eingeschworene, eingespielte, korrupte, kriminelle, mächtige Seilschaften
als Akkusativobjekt: eine Seilschaft bilden, knüpfen, pflegen, kappen
als Dativobjekt: einer Seilschaft angehören
in Präpositionalgruppe/-objekt: der Kampf gegen Seilschaften
als Aktiv-/Passivsubjekt: eine Seilschaft funktioniert, dominiert etw.
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Seilschaften in der Verwaltung, in der Partei, in der Politik, in der Wirtschaft
Beispiele:
Die alten Seilschaften haben überdauert, sie haben korrupte Netzwerke gebildet. [Der Spiegel, 14.02.2005]
Sie [die Bankenaufsicht] fordert [für die Sparkassen] unabhängigere Aufseher mit deutlich mehr Expertise – aus Sicht der regionalen Seilschaften natürlich ein Affront, der sie in ihrer Existenz bedroht. Bürgermeister und Landräte könnten massenhaft aus den Verwaltungsräten der Sparkassen gedrängt werden, so die Befürchtung. [Welt am Sonntag, 17.06.2018]
Diktaturen und korrupte Staaten hinterlassen hässliche Seilschaften, die sich im Geheimen beistehen. Die Stasi‑Seilschaften sind ebenso berüchtigt wie ehemalige Wehrmachtsmitglieder im neu gegründeten BND. Die Seilschaft des Andenpaktes sollte einst ambitionierte CDU‑Leute bis nach ganz oben bringen. [Die Welt, 29.08.2017]
Dort [an der Eliteuniversität] bilden sich Seilschaften, die über eine ganze Karriere, über ein ganzes Leben hinweg vorhalten. [Neue Zürcher Zeitung, 16.04.2008]
Die große Koalition hat sich unbegrenzt an der Bankgesellschaft bedient. Die Politiker stopften Haushaltslöcher, bereicherten sich selbst, beschafften alten Seilschaften Jobs. [Bild, 28.03.2003]
Bei der Recherche habe er begriffen, »wie die alten Seilschaften von SED/PDS immer noch funktionieren«, und er zitiert einen hochrangigen Mitarbeiter des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) mit der kühnen Behauptung, bundesdeutsche CDU und FDP hätten »die Wendehälse ja gleich blockweise übernommen samt unseren Offiziellen. […]« [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.1994]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Seil · seilen · anseilen · abseilen · Seiler · Seilschaft · Seiltänzer
Seil n. ‘dicker, gedrehter Strick’, ahd. (um 800), mhd. seil ‘Schnur, Seil, Strick, Fessel’, asächs. mnd. sēl, mnl. seel, nl. zeel, afries. sēl aengl. sāl, anord. seil (germ. *saila-) sowie seilen (s. unten) und die ablautenden unter ↗Siele ‘Zugriemen’ (s. d.) genannten Formen stehen mit lit. seĩlas, saĩlas ‘Eimerschnur, Tragbügel’ als Ableitungen mit l-Formans zu der unter ↗Saite und ↗Sehne (s. d.) genannten Wurzel ie. *sē(i)-, *sə(i)-, *sī- und *sei-, *si- ‘binden, Strick, Riemen’, wozu mit Suffix slaw. dlo- (ie. dhlo- oder tlo-) aslaw. silo ‘Seil, Strick, Schlinge’, russ. (landschaftlich) siló (сило) ‘Schlinge, Fangschlinge’, poln. sidło ‘Schlinge, Garn, Vogelnetz’. seilen Vb. ‘mit einem Seil festbinden’, mhd. seilen ‘mit Seilen versehen, binden, fesseln’, asächs. sēlian, mnd. sēlen, aengl. sǣlan; vgl. got. insailjan ‘anseilen, herablassen’, asächs. antsēlian ‘losbinden’ und nhd. anseilen Vb. ‘an einem Seil festmachen’ (14. Jh.), abseilen Vb. ‘einen am Folterseil Hängenden herablassen, vom Seil losbinden’ (17. Jh.), ‘am Seil herunterlassen’ (20. Jh.). Seiler m. ‘wer Seile herstellt’, spätmhd. seiler. Seilschaft f. ‘durch ein Seil verbundene Bergsteigergruppe’ (20. Jh.). Seiltänzer m. ‘auf dem Seil arbeitender Artist’ (17. Jh.), älter Seilgänger, frühnhd. sailganger, -genger (um 1500).

Thesaurus

Politik
Synonymgruppe
Klüngel · ↗Netzwerk  ●  ↗Clique  franz. · ↗Koterie  franz. · Seilschaft  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Seilschaft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Seilschaft‹.

Zitationshilfe
„Seilschaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Seilschaft>, abgerufen am 22.04.2021.

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