Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Sein, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Seins · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Grundformsein3
Wortbildung  mit ›Sein‹ als Erstglied: Seinsart · Seinsbegriff · Seinsbereich · Seinsform · Seinsfrage · Seinsgeschichte · Seinsgrund · Seinsordnung · Seinsverfassung · Seinsverständnis · Seinsweise · seinsmäßig
 ·  mit ›Sein‹ als Letztglied: Anderssein · Angewiesensein · Beteiligtsein · Bewusstsein · Dasein · Deutschsein · Eingebundensein · Nacktsein · Nichtsein · Personsein · Subjektsein
eWDG

Bedeutung

das Existieren, die Existenz
Beispiele:
das menschliche Sein (= Dasein, Leben)
Die Bewohnbarkeit eines Himmelskörpers ist eine Episode in seinem kosmischen Sein [ Th. Mann11,303]
Schlaf ist eine Weise des Seins, wie auch das Wachen und Wirken eine Weise des Seins ist. Schlaf ist Leben [ Tageszeitung1965]
Wordelmann war gerade auf dem Gipfel seines Seins angelangt [ G. HermannWordelmann373]
Nach seiner Stofflichkeit unterscheidet es [das organische Leben] sich durch nichts von allem übrigen materiellen Sein [ Th. Mann11,304]
Philosophie Kategorie in zahlreichen philosophischen Strömungen
Beispiel:
eine materialistische, idealistische Auslegung des Begriffs des Seins
selten, Marxismus das materiell Existierende, die Materie, die objektive Realität   als indifferent zur Grundfrage der Philosophie stehender Begriff ohne den Charakter einer Kategorie
Beispiele:
das gesellschaftliche Sein (= philosophische Kategorie)
Die Grundformen alles Seins sind Raum und Zeit, und ein Sein außer der Zeit ist ein ebenso großer Unsinn, wie ein Sein außerhalb des Raums [ EngelsAnti-Dühring61]
Das Bewußtsein kann nie etwas andres sein als das bewußte Sein, und das Sein der Menschen ist ihr wirklicher Lebensprozeß [ Marx-EngelsDt. Ideologie22]
die materiellen gesellschaftlichen Verhältnisse, Komplex der objektiven, unabhängig vom Bewusstsein existierenden Faktoren und Verhältnisse, in denen die Menschen handeln
Beispiele:
die Gesetze der Veränderung des gesellschaftlichen Seins
die Produktionsverhältnisse als wichtigster Bestandteil des gesellschaftlichen Seins
Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt [ MarxPolit. Ökonomie13]
Die außerordentlich rasch zunehmende Konzentration der Produktion und des Kapitals unter den Bedingungen der wissenschaftlich‑technischen Revolution hat ohne Zweifel auf das gesellschaftliche Sein der Arbeiterklasse und aller anderen Werktätigen ihre Auswirkungen [ Banaschak-VorholzerMensch206]

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) Existieren · (das) Sein

Typische Verbindungen zu ›Sein‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sein‹.

Verwendungsbeispiele für ›Sein‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erst seine Gründung im Sein stellt es dem Willen gegenüber. [Jonas, Hans: Das Prinzip der Verantwortung, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1979, S. 153]
Im Tun, im Handeln herrsche freilich Determination, hier gebe es keine Freiheit, wohl aber im Sein. [Mann, Thomas: Der Zauberberg, Gütersloh: Bertelsmann 1998 [1924], S. 957]
Läßt sich auf sie der Begriff des ästhetischen Erlebnisses überhaupt anwenden, ohne ihr wahres Sein zu verkürzen? [Gadamer, Hans-Georg: Wahrheit und Methode, Tübingen: Mohr 1960, S. 70]
Wir haben es zu tun mit einer Deutung des Seins durch anthropomorphe Begriffe. [Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1948], S. 2481]
Der Dialekt dagegen ist mehr die Sprache des Herzens, er entspricht unserem affektiven Sein. [Der Spiegel, 11.10.1993]
Zitationshilfe
„Sein“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sein>.

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