Seitensprung, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungSei-ten-sprung (computergeneriert)
WortzerlegungSeiteSprung
Wortbildung mit ›Seitensprung‹ als Erstglied: ↗Seitensprungagentur
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Sprung zur Seite
Beispiele:
das Pferd erschrak vor einem Stein im Wege und tat einen Seitensprung
[ein] Windstoß riß ihm den Hut vom Kopfe, den er mit einem verzweifelten Seitensprunge gerade noch erhaschte [C. F. MeyerJenatsch1,23]
bildlich
Beispiel:
Sich merkwürdig unterrichtet gezeigt über den kleinen Seitensprung (= über die kleine Reise) nach Württemberg [A. ZweigEinsetzung273]
2.
übertragen (kleine) Ausschweifung
Beispiel:
er übersah die kleinen Seitensprünge des jungen Mannes
umgangssprachlich, verhüllend einen Seitensprung machenein Liebesabenteuer außerhalb der Ehe haben
Beispiele:
sie machte ganz gern mal einen Seitensprung
er hat sich [Dativ] schon immer Seitensprünge erlaubt
das war nur ein kleiner Seitensprung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Seite · -seits · seitlich · beseitigen · seitens · Seitensprung
Seite f. ‘Flanke, begrenzende Linie einer Fläche, Grenzfläche eines Körpers’, ahd. sīta (9. Jh.), mhd. sīt(e), asächs. sīda, mnd. sīde, sīt, mnl. sīde, nl. zijde, afries. aengl. sīde, engl. side, anord. sīða, schwed. sida (germ. *sīdōn) sind als Substantivierungen eines in ahd. sīto Adv. ‘schlaff’ (9. Jh.), asächs. sīd ‘weit’, mnd. sīt, mnl. sīde ‘niedrig, weit’, aengl. sīd ‘weit, breit, ausgedehnt, lang’, anord. sīðr ‘herabhängend, weit, groß’ belegten germ. Adjektivs anzusehen. Wenn dieses mit kymr. hyd ‘Länge, Fortdauer, Weile’, air. sīr ‘langdauernd, ewig’, mir. sith- ‘lang, andauernd’, lit. sietuvà ‘tiefe Stelle im Fluß’ und den unter ↗seit (s. d.) genannten Formen verbunden und an die dort angeführte Wurzel in ihrer abgeleiteten Bedeutung angeschlossen werden kann, ist Seite als ‘das sich räumlich lang Hinziehende’ zu deuten, zuerst in bezug auf die menschliche (dann auch tierische) Körperseite, die sich vom Arm aus lang nach unten hinzieht. Danach übertragen ‘begrenzende Gerade einer geometrischen Figur’ (15. Jh.), ‘Buchseite’ (Anfang 16. Jh.), ‘entgegenstehende Gruppierung, Partei’ (16. Jh., bereits mhd. von gegeneinander kämpfenden Heeren). -seits mit sekundärem, adverbiellem -s versehenes Grundwort in Komposita, denen akkusativische Verbindungen vorausgehen, vgl. andererseits ‘auf der anderen Seite’ (17. Jh.), mhd. andersīt; diesseits ‘auf dieser Seite’ (14. Jh.), mhd. dissīt; jenseits ‘auf der anderen Seite’ (16. Jh.), mhd. jensīt; ↗abseits (s. d.). Danach produktiv als Ableitungssilbe für Adverbien, vgl. mütterlicherseits, väterlicherseits (18. Jh.). seitlich Adj. ‘auf der Seite gelegen’ (19. Jh.), danach auch Präp. mit Genitiv; vgl. älteres mhd. sītelīchen Adv. ‘nach der Seite hin’. beseitigen Vb. ‘(zur Seite) wegschaffen, entfernen, verschwinden lassen, töten’ (18. Jh.), zu frühnhd. beseit Adv. ‘zur Seite’, mhd. besīt, besīte (aus der Fügung mhd. bī sīt, bī sīte). seitens Präp. (19. Jh.) für älteres von seite(n) (18. Jh.) mit sekundärem, adverbiellem -s. Seitensprung m. ‘Sprung in seitlicher Richtung’, übertragen ‘Abweichung von einer festen Linie, von der Sache’ (18. Jh.), dann auch (zuerst öst.) in moralischer Hinsicht (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Affäre · Fremdgehen · ↗Liaison · ↗Liebelei · ↗Liebesverhältnis · ↗Liebschaft · Nebenbeziehung · Seitensprung · ↗Verhältnis · amouröses Abenteuer  ●  ↗Buhlerei  veraltet · ↗Gspusi  österr. · ↗Liebesaffäre  Hauptform · Frauengeschichten (nur Plur.)  ugs. · Krösken  ugs., ruhrdt., veraltend · ↗Techtelmechtel  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Betrug · ↗Ehebruch · Fremdgehen · Seitensprung · ↗Treulosigkeit (von Ehepartnern) · ↗Untreue
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Affäre Bräutigam Dreiecksbeziehung Ehebruch Ehemann Eifersucht Enthüllung Gatt Gatte Gattin Gemahl Partnerin Scheidung Sex außerehelich beichten bereuen ehelich entstammen ertappen erwischen folgenreich gelegentlich gestehen neigen rächen verführen vertuschen verzeihen zurückliegend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Seitensprung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In einer Koalition bestätigt man seine Treue durch Seitensprünge von begrenztem Radius.
Tange, Ernst Günter: Zitatenschatz zur Politik, Frankfurt a. M.: Eichborn 2000, S. 58
Tatsächlich blieb ihnen auch gar nichts anderes übrig, als großzügig mit sogenannten Seitensprüngen umzugehen.
Engler, Wolfgang: Die Ostdeutschen, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1999], S. 250
Hall hatte die Seitensprünge ihres Mannes nicht mehr akzeptieren wollen.
Der Tagesspiegel, 11.12.1997
Sie haben zwei Söhne und in Interviews beide öffentlich eingestanden, Seitensprünge gemacht zu haben.
Süddeutsche Zeitung, 13.05.1996
Häufige Seitensprünge auf vergleichend anatomisches Gebiet knüpften die Verbindungen zum Tierreich.
Frisch, Karl von: Erinnerungen eines Biologen, Berlin: Springer 1957, S. 18
Zitationshilfe
„Seitensprung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Seitensprung>, abgerufen am 20.10.2018.

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