Selbstsucht, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungSelbst-sucht (computergeneriert)
Wortzerlegungselbst1Sucht
eWDG, 1976

Bedeutung

nur die eigenen Belange verfolgendes, triebhaftes Verhalten, Ichsucht, Egoismus
Beispiel:
Selbstsucht und Geltungsbedürfnis zeichneten ihn aus
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

selb · selber · selbst · selbständig · selbstisch · selbstgefällig · Selbstlaut · selbstlos · Selbstmörder · Selbstmord · Selbstsucht · selbstsüchtig · selbstverständlich · Selbstverwaltung
selb Dem.pron. Als selbständiges Wort heute nur noch nach einer mit dem Artikel verschmolzenen Präposition (vgl. zur selben Zeit, im selben Haus, vom selben Stoff), sonst in der Zusammenrückung derselbe und in anderen unten genannten Formen. Das gemeingerm. Demonstrativpronomen ahd. selb (8. Jh.; flektiert selbēr, selbiu, selbaʒ bzw. selbo, selba), mhd. selp, asächs. afries. self, mnd. sülve, mnl. self, nl. zelf, aengl. engl. self, anord. sjālfr, schwed. själv, got. silba (germ. *selba-) hat keine sicheren außergerm. Vergleichsmöglichkeiten. Man zieht gewöhnlich venet. sselboi-sselboi Plur. ‘sich selbst’ (vgl. ahd. der selbselbo ‘der sich selbst gleiche’) heran und denkt an eine Verbindung des Pronominalstamms ie. *se- (s. ↗sich) mit dem in Pronominalbildungen auftretenden l-Formans (vgl. lat. tālis ‘so beschaffen, solcher’, quālis ‘wie beschaffen, von welcher Art’), die um das Suffix ie. -bho- ‘von der Art des Grundworts seiend, dessen Qualität habend’ (s. ↗Sippe) erweitert ist. Die Zusammenrückung des mit dem bestimmten Artikel verbundenen Pronomens zu der-, die-, dasselbe setzt im Spätmhd. ein und ist etwa im 16. Jh. abgeschlossen. Dabei werden beide Kompositionsglieder flektiert, selb- vom 17. Jh. an nur schwach. selber Dem.pron. erstarrte Form des stark flektierten Nominativs Sing. Mask., die vom 12. Jh. an für alle Kasus eintreten kann. Sie gilt im Nhd. als umgangssprachlich für die indeklinable Pronominalform selbst, entstanden aus dem Genitiv Sing. Mask. selbes unter Anfügung eines unorganischen -t, zuerst (um 1300) im Omd. in der Verbindung dā selbest, seit dem 15. Jh. auch einsilbig selbst. selbständig Adj. ‘für sich bestehend, unabhängig, ohne Anleitung oder Hilfe von außen, allein’ (16. Jh.); vgl. selbstendiglich Adv. (Ende 15. Jh.), mhd. selbstēnde (14. Jh., md.); daneben auch (zu selbs-) selbsstendig (16. Jh.) und (zu selbst-) selbstständig (17. Jh.). selbstisch Adj. ‘egoistisch, nur an sich denkend, selbstsüchtig’ (18. Jh.), gebildet nach gleichbed. engl. selfish. selbstgefällig Adj. ‘überheblich, eitel’ (18. Jh.). Selbstlaut m. ‘Vokal’, vgl. stimmer odder selbstlauten (1531), Gegenbildung zu ↗Mitlaut (s. d.). selbstlos Adj. ‘frei von Selbstsucht’ (18. Jh.), heute Gegenwort von egoistisch. Selbstmörder m. ‘wer sich selbst tötet’ (Ende 16. Jh.), aus Luthers sein selbs mörder (1527) entstanden? Dazu Selbstmord m. (17. Jh.), für gleichbed. medizin.-lat. suicīdium. Selbstsucht f. ‘Egoismus’ (18. Jh.); selbstsüchtig Adj. ‘egoistisch’ (18. Jh.). selbstverständlich Adj. ‘von selbst, aus sich selbst zu verstehen, so daß ein Kommentar überflüssig ist’ (18. Jh.). Selbstverwaltung f. ‘Verwaltung durch eigene, vom Staat anerkannte Institutionen’ (Anfang 19. Jh.), nach engl. self-government.

Thesaurus

Synonymgruppe
Egoismus · ↗Egozentrik · ↗Eigensucht · Selbstsucht
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Egoismus · ↗Eigennutz · ↗Eigennützigkeit · ↗Eigensinn · Eigensüchtigkeit · ↗Ichsucht · ↗Selbstbezogenheit · Selbstsucht · eigenes Interesse
Assoziationen
Synonymgruppe
Egomanie · ↗Ich-Sucht · Selbstsucht
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arroganz Dummheit Egoismus Ehrgeiz Eigennutz Eitelkeit Feigheit Gier Gleichgültigkeit Grausamkeit Habgier Haß Ignoranz Korruption Leidenschaft Lüge Rache Rücksichtslosigkeit kleinlich krass natürlich rücksichtslos zerstören Überwindung überwinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Selbstsucht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wirklich gedeihen sehen die Kritiker dieser Entwicklung aber vor allem die Selbstsucht.
Süddeutsche Zeitung, 20.11.2004
Er hat doch die Papsträume nicht aus Selbstsucht beansprucht, sie drücken die Stellung des Heiligen Vaters in der Kirche aus.
Die Zeit, 16.12.2013, Nr. 50
Ohne Falsch, ohne Selbstsucht, in rückhaltlosem Zutrauen, in zärtlichster Innigkeit liebten wir uns.
Suttner, Bertha von: Autobiographie. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 8012
Das "Leben" ist das Reich der Selbstsucht, der nahen und engen Not mit ihren praktischen Forderungen.
Blättner, Fritz: Geschichte der Pädagogik, Heidelberg: Quelle & Meyer 1961 [1951], S. 148
Und dieses Wort durchflog die Wälle seiner Selbstsucht und schlug da eine schwere Bresche.
Meisel-Hess, Grete: Die Intellektuellen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 10964
Zitationshilfe
„Selbstsucht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Selbstsucht>, abgerufen am 18.11.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Selbststudium
Selbststilisierung
Selbststeuerung
Selbststeller
Selbstständigkeit
selbstsüchtig
Selbstsuggestion
selbsttätig
Selbsttätigkeit
Selbsttäuschung