Selbstverwaltung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungSelbst-ver-wal-tung (computergeneriert)
Wortzerlegungselbst1Verwaltung
Wortbildung mit ›Selbstverwaltung‹ als Letztglied: ↗Mieterselbstverwaltung
eWDG, 1976

Bedeutungen

a)
Verwaltung eines Gemeinwesens, Staatswesens durch eine von den Bewohnern gebildete, gewählte Regierung
Beispiele:
die Selbstverwaltung der freien Reichsstädte im Mittelalter
das Recht auf Selbstverwaltung für Minderheiten
b)
Verwaltung einer Körperschaft durch ihre eigenen Vertreter
Beispiele:
die studentische Selbstverwaltung
Die Gewerkschaften leiten die Sozialversicherung der Arbeiter und Angestellten auf der Grundlage der Selbstverwaltung der Versicherten [Verfassung DDR34]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

selb · selber · selbst · selbständig · selbstisch · selbstgefällig · Selbstlaut · selbstlos · Selbstmörder · Selbstmord · Selbstsucht · selbstsüchtig · selbstverständlich · Selbstverwaltung
selb Dem.pron. Als selbständiges Wort heute nur noch nach einer mit dem Artikel verschmolzenen Präposition (vgl. zur selben Zeit, im selben Haus, vom selben Stoff), sonst in der Zusammenrückung derselbe und in anderen unten genannten Formen. Das gemeingerm. Demonstrativpronomen ahd. selb (8. Jh.; flektiert selbēr, selbiu, selbaʒ bzw. selbo, selba), mhd. selp, asächs. afries. self, mnd. sülve, mnl. self, nl. zelf, aengl. engl. self, anord. sjālfr, schwed. själv, got. silba (germ. *selba-) hat keine sicheren außergerm. Vergleichsmöglichkeiten. Man zieht gewöhnlich venet. sselboi-sselboi Plur. ‘sich selbst’ (vgl. ahd. der selbselbo ‘der sich selbst gleiche’) heran und denkt an eine Verbindung des Pronominalstamms ie. *se- (s. ↗sich) mit dem in Pronominalbildungen auftretenden l-Formans (vgl. lat. tālis ‘so beschaffen, solcher’, quālis ‘wie beschaffen, von welcher Art’), die um das Suffix ie. -bho- ‘von der Art des Grundworts seiend, dessen Qualität habend’ (s. ↗Sippe) erweitert ist. Die Zusammenrückung des mit dem bestimmten Artikel verbundenen Pronomens zu der-, die-, dasselbe setzt im Spätmhd. ein und ist etwa im 16. Jh. abgeschlossen. Dabei werden beide Kompositionsglieder flektiert, selb- vom 17. Jh. an nur schwach. selber Dem.pron. erstarrte Form des stark flektierten Nominativs Sing. Mask., die vom 12. Jh. an für alle Kasus eintreten kann. Sie gilt im Nhd. als umgangssprachlich für die indeklinable Pronominalform selbst, entstanden aus dem Genitiv Sing. Mask. selbes unter Anfügung eines unorganischen -t, zuerst (um 1300) im Omd. in der Verbindung dā selbest, seit dem 15. Jh. auch einsilbig selbst. selbständig Adj. ‘für sich bestehend, unabhängig, ohne Anleitung oder Hilfe von außen, allein’ (16. Jh.); vgl. selbstendiglich Adv. (Ende 15. Jh.), mhd. selbstēnde (14. Jh., md.); daneben auch (zu selbs-) selbsstendig (16. Jh.) und (zu selbst-) selbstständig (17. Jh.). selbstisch Adj. ‘egoistisch, nur an sich denkend, selbstsüchtig’ (18. Jh.), gebildet nach gleichbed. engl. selfish. selbstgefällig Adj. ‘überheblich, eitel’ (18. Jh.). Selbstlaut m. ‘Vokal’, vgl. stimmer odder selbstlauten (1531), Gegenbildung zu ↗Mitlaut (s. d.). selbstlos Adj. ‘frei von Selbstsucht’ (18. Jh.), heute Gegenwort von egoistisch. Selbstmörder m. ‘wer sich selbst tötet’ (Ende 16. Jh.), aus Luthers sein selbs mörder (1527) entstanden? Dazu Selbstmord m. (17. Jh.), für gleichbed. medizin.-lat. suicīdium. Selbstsucht f. ‘Egoismus’ (18. Jh.); selbstsüchtig Adj. ‘egoistisch’ (18. Jh.). selbstverständlich Adj. ‘von selbst, aus sich selbst zu verstehen, so daß ein Kommentar überflüssig ist’ (18. Jh.). Selbstverwaltung f. ‘Verwaltung durch eigene, vom Staat anerkannte Institutionen’ (Anfang 19. Jh.), nach engl. self-government.

Thesaurus

Synonymgruppe
Autonomie · ↗Selbstbestimmtheit · Selbstverwaltung · ↗Souveränität · ↗Unabhängigkeit
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aushöhlung Autonomie Gesundheitswesen Kasse Krankenkasse Organ Selbstverantwortung Sozialversicherung Stärkung Vorfahrt Westjordanland akademisch aushöhlen autonom beschränkt bezirklich garantiert gemeindlich kommunal lokal nordirisch palästinensisch paritätisch regional studentisch territorial universitär weitgehend ärztlich örtlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Selbstverwaltung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Neben der Kontrolle solle die Selbstverwaltung aber auch an der Gestaltung beteiligt sein.
Der Tagesspiegel, 16.07.2002
Die Verfassung von 1949 gewährte den G. noch das Recht der Selbstverwaltung.
Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch - G. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 25962
Diese Selbstverwaltung entwickelte sich von Fall zu Fall sehr verschieden, so daß die mannigfaltigen Typen hier unmöglich analysiert werden können.
Ganshof, François Louis: Das Hochmittelalter. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 7403
Der Führer hat mir dringend ans Herz gelegt, die Selbstverwaltung der Polen, soweit es irgend möglich ist, sicherzustellen.
o. A.: Einhundertdreizehnter Tag. Mittwoch, 24. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 18902
Können wir in diesen Zeichen den Beginn einer größeren Selbstverwaltung sehen?
Die Zeit, 21.01.1946, Nr. 03
Zitationshilfe
„Selbstverwaltung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Selbstverwaltung>, abgerufen am 23.04.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Selbstvertrauen
Selbstverteidigungstechnik
Selbstverteidigung
selbstversunken
Selbstversuch
Selbstverwaltungskörper
Selbstverwaltungskörperschaft
Selbstverwaltungsorgan
Selbstverwaltungsrecht
Selbstverwirklichung