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Sintflut, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Sintflut · Nominativ Plural: Sintfluten
Aussprache 
Worttrennung Sint-flut
Wortbildung  mit ›Sintflut‹ als Erstglied: sintflutartig · sintflutlich
eWDG

Bedeutung

im Alten Testament erwähnte Überschwemmung der Erde durch lang anhaltenden Regen, die Gott als Strafe für die Menschen herbeigeführt haben soll
Beispiel:
umgangssprachlichdas ist ja die reinste Sintflut (= es regnet überaus stark)
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlichnach mir die Sintflut (= sagt jmd., dem es gleichgültig ist, welche negativen Folgen sich aus seinem Handeln ergeben können)
[…] eine Sintflut von Denunziationen wegen […] Majestätsbeleidigungen […] [ BebelAus meinem Leben596]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sintflut · Sündflut · vorsintflutlich
Sintflut f. Ahd. sinfluot (9. Jh.), mit Gleitlaut sintfluot (11. Jh.), mhd. sinvluot, seit dem 13. Jh. in der Regel sintvluot bezeichnet eine ‘große allgemeine Flut oder Überschwemmung’, besonders aber nach biblischer Überlieferung (1. Mos. 6, 17 ff.) die als Strafe für die sündige Menschheit von Gott bewirkte Überschwemmung der Erde durch einen vierzigtägigen Regen. Die Zusammensetzung enthält neben ahd. fluot, mhd. vluot (s. Flut) germ. *sin- (mit ursprünglichem Wurzelauslaut *sim-) ‘in einem, immerwährend, groß’, das in Komposita begegnet wie ahd. singruoni, mhd. singrüene, aengl. singrēne, anord. sīgrœnn ‘immergrün’ (s. Singrün), asächs. sinnahti, aengl. sinnihte ‘ewige Nacht’, ahd. sin(a)wel, mhd. sin(e)wel, asächs. sinuwell, aengl. sinewealt, anord. sīvalr ‘ganz rund, kugelig’, got. sinteins ‘täglich’, aengl. sinhere ‘großes Heer’. Es gehört (wie got. simlē ‘einst, vormals’, ahd. simb(a)les, simb(u)lum, asächs. simbla, simlun, aengl. simble(s) ‘immer, fortwährend’, lat. semper ‘immer’) zu der unter samt (s. d.) genannten Wurzel ie. *sem- ‘ein(s), in eins zusammen, einheitlich, samt, mit’ (wozu auch -sam, sanft, sammeln, s. d.). Bereits vor 1500 wird dieses erste Glied volksetymologisch umgedeutet und an Sünde angelehnt, wodurch der alleinige Bezug auf die in der Bibel beschriebene Überschwemmung hergestellt wird, vgl. (obd.) Sündfluß, Süntfluß, Sundfluß, dann Sündflut f. (1. Hälfte 16. Jh.). Erst seit der sprachwissenschaftlichen Deutung des Wortes im 19. Jh. nimmt der Gebrauch der Form Sintflut wieder zu. Die Verwendung von -fluß neben -flut vom 15. bis zum 17. Jh. beruht auf der Synonymie von mhd. vluot und vluʒ (s. Fluß). vorsintflutlich Adj. ‘völlig veraltet, modernen Anforderungen nicht entsprechend’ (19. Jh.), eigentlich ‘(wie) vor der Sintflut’; älter vorsündflutisch ‘zeitlich vor der biblischen Flut’ (16. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Sintflut‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sintflut‹.

Verwendungsbeispiele für ›Sintflut‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dieses unerbittliche Blau schien schon seit den Zeiten der Sintflut keinen Regen mehr gekannt zu haben. [Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 300]
Die Sintflut in der Genesis haben die Juden auch nicht erfunden. [Die Zeit, 22.02.2010, Nr. 08]
Nach uns die Sintflut – diese Einstellung ist am Rhein längst nicht mehr hoffähig. [Die Zeit, 02.09.2002, Nr. 35]
Vor uns die Sintflut – erst nach der reinigenden Überschwemmung kann so etwas wie das Leben beginnen. [Die Zeit, 25.03.2002, Nr. 12]
Es regnet wie zu Zeiten der Sintflut, und politisch stehen die Zeichen auf Sturm. [Die Zeit, 10.12.1993, Nr. 50]
Zitationshilfe
„Sintflut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sintflut>.

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