Sinto, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Sinto · Nominativ Plural: Sinti · wird meist im Plural verwendet
Die Pluralform Sinti wird fälschlicherweise häufig auch für den Singular (als Maskulinum oder Femininum) verwendet; dazu wird oft eine inkorrekte Pluralform Sintis gebildet.
WorttrennungSin-to
Herkunftungeklärt
Wortbildung formal verwandt mit: ↗Sintiza
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutung

Angehöriger einer im Mittelalter ursprünglich wohl aus dem nordwestlichen Indien eingewanderten Volksgruppe, die heute jeweils als Minderheit in verschiedenen europäischen Ländern, vor allem Mittel- und Westeuropas, lebt und überwiegend die gemeinsame Sprache Romani teilt
Die Selbstbezeichnung Sinto (meist im Plural in der Paarformel Sinti und Roma) wird im heutigen, besonders im öffentlichen Sprachgebrauch anstelle des häufig als diskriminierend angesehenen Ausdrucks Zigeuner verwendet.
siehe auch Rom²
Beispiele:
[Der Jazzmusiker] Django Reinhardt wuchs am Stadtrand von Paris als musizierender Manusch auf, als Französisch sprechender Sinto. Mit zwölf Jahren wählte der begabte Jean Baptiste […] die Gitarre aus. [Die Welt, 23.01.2010]
Mein Vater ist Sinto, meine Mutter Deutsche. In der Sprache der Sinti sind alle, die nicht zu ihrem Volk gehören, »Gadsche«: Fremde. [Die Zeit, 10.11.2017 (online)]
»Um es klar zu sagen: Es ist respektlos, einen Sinto oder eine Sinteza Zigeuner zu nennen, wenn diese nicht Zigeuner oder Zigeunerin genannt werden wollen«[…]. [Spiegel, 19.04.2013 (online)]
Die Sinti, die seit 1948 in Stade wohnen, meiden […] die Lokale, in denen dieses [Pferde-]Fleisch angeboten wird. […] Das Pferd ist den Sinti heilig. […] »Wir sind früher mit Pferd und Wagen gereist, waren also auf diese Tiere angewiesen.« [die tageszeitung, 25.10.1997]
Die Zigeuner, die vor fast sechs Jahrhunderten nach Deutschland und nach Österreich und in die benachbarten Regionen (Slowenien, Norditalien, Böhmen, Elsaß und Lothringen) einwanderten, bezeichnen sich selbst als »Sinti« (Einzahl: Sinto). […] Dagegen nennen sich die Zigeuner, die seit dem 19. Jahrhundert aus Ost- und Südeuropa nach Deutschland kamen, »Roma«. [o. A. [ri]: Sinti und Roma. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000. Zitiert nach: Süddeutsche Zeitung, 11.11.1985. orig: Süddeutsche Zeitung, 11.11.1985]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: deutsche, europäische Sinti; [im Nationalsozialismus] verfolgte, ermordete Sinti
in Präpositionalgruppe/-objekt: der Völkermord an den Sinti [und Roma]
Phrasem:
Sinti und Roma (= Bezeichnung der gesamten Bevölkerungsgruppe)
Beispiele:
Minderheitenrechte für Dänen, Friesen, Sinti und Roma stehen in der Verfassung [Schleswig-Holsteins] […]. [Die Zeit, 05.05.2017, Nr. 19]
Sinti und Roma kommen ursprünglich aus dem Nordwesten Indiens. Ihre Vorfahren haben Indien vor 1300 in mehreren unabhängigen Gruppen verlassen. Heute verteilen sich drei große Gruppen über Europa: die Roma in Osteuropa, die Sinti in Mittel- und Westeuropa sowie die Calé auf der Iberischen Halbinsel. [Spiegel, 23.10.2003 (online)]
Von Mai bis Oktober dient der Platz an der Potsdamer Chaussee als provisorischer Stellplatz für die großen Wohnwagen von Sinti und Roma. [Berliner Zeitung, 02.05.2000]
Als Roma bezeichnet sich […] die große Mehrheit der europäischen Zigeuner. […] In der Bundesrepublik hingegen hat sich seit 1979 weitgehend die Bezeichnung »Sinti und Roma« durchgesetzt. [o. A. [ri]: Sinti und Roma. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000. Zitiert nach: Süddeutsche Zeitung, 11.11.1985. orig: Süddeutsche Zeitung, 11.11.1985]
Drei Viertel der deutschen und über die Hälfte der österreichischen Sinti und Roma wurden Opfer der NS-Rassenpolitik. [Der Spiegel, 25.05.1981, Nr. 22]
Zitationshilfe
„Sinto“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sinto>, abgerufen am 15.11.2019.

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