Sippe, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Sippe · Nominativ Plural: Sippen
Aussprache
WorttrennungSip-pe (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Sippe‹ als Erstglied: ↗Sippenamt · ↗Sippenhaft · ↗Sippenhaftung · ↗Sippenkunde · ↗Sippenordnung · ↗Sippenverband
 ·  mit ›Sippe‹ als Letztglied: ↗Wortsippe  ·  mit ›Sippe‹ als Grundform: ↗versippen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Gemeinschaft von Familien oder Individuen gleicher Abstammung
a)
Ethnologie Gruppe von Großfamilien, die in der Urgesellschaft eine (Siedlungsgemeinschaft und) Wirtschaftsgemeinschaft bildete und auf dem Gemeineigentum an den wichtigsten Produktionsmitteln basierte
Beispiele:
die Sippen der Jäger, Sammler und Fischer
außerhalb der Städte leben viele Afrikaner heute noch in Sippen und Stämmen
sie blieben auch als Ehefrauen im Schoß der Sippe [Th. MannJoseph3,251]
b)
Biologie im System der Lebewesen nicht exakt bestimmte Gruppe von verwandten Pflanzen oder Tieren
Beispiele:
die Sippe des Pirols
Die 800 dort kultivierten Sippen umfassen vor allem heimische Gehölze [Urania1969]
2.
veraltet Gesamtheit der Familienmitglieder, Verwandtschaft, Familie
Beispiele:
scherzhaft ihre ganze Sippe kam zu Besuch
von der Sippe der Polenta, die den Dante hier aufnahm, lebt keiner mehr [GoesAber im Winde283]
scherzhaft, spöttisch so mehr Spaß hatte er selber an der Vorstellung, der hochmütigen Sippe der Albas den Maler wegzunehmen [Feuchtw.Goya263]
salopp, abwertend, übertragen Sippschaft, Bagage
Beispiele:
mit dieser Sippe will ich nichts mehr zu tun haben
er wünschte die ganze hochadlige Sippe zum Teufel
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sippe · Sippschaft · versippt
Sippe f. ‘Gesamtheit der (Bluts)verwandten’, ahd. sibba (8. Jh.), mhd. sippe ‘Blutsverwandtschaft, Verwandtschaftsgrad, angeborene Art’, asächs. sibbia, mnd. mnl. nl. sibbe, aengl. sibb ‘Verwandtschaft, Liebe, Freundschaft’, anord. sifjar (Plur.) ‘Verwandtschaft’, got. sibja ‘Verwandtschaft’ (germ. *sebjō); vgl. aengl. godsibb, engl. (älter) gossip, anord. guðsifi ‘Pate’, eigentlich ‘gute(r) Verwandte(r)’. Außergerm. Vergleichsmöglichkeiten sind unsicher. Man kann die germ. Formen zusammen mit aslaw. osobь ‘vereinzelt, für sich allein, besonders’, russ. osóba (особа) ‘Person’, osóbyj (особый) ‘besonders’ auf ie. *sebh-, *sobh-, daneben *su̯ebh-, *su̯obh- ‘von eigener Art’ zurückführen, also auf Bildungen mit bh-Formans zu den Pronominalstämmen ie. *se-, *seu̯e- (s. ↗sich), eigentlich ‘abseits, getrennt, für sich’. Ebenfalls unsicher ist der Versuch, hier die Namen der germanischen bzw. italischen Völkerstämme ahd. Swāba, Swābi, nhd. Schwaben, lat. Suēbī, Semnonēs, Sabīnī anzuschließen. Im Germ. bezeichnet Sippe anfangs wohl die ‘durch ein Bündnis begründete Verwandtschaft’, dann die ‘Zugehörigkeit durch Abstammung und Verwandtschaft’. Sippe wird im 16. Jh. ungebräuchlich, vielleicht durch Familie verdrängt, im 19. Jh. aber als umfassendere Bezeichnung neu belebt. Sippschaft f. ‘Verwandtschaft’, mhd. sippeschaft ‘(Bluts)verwandtschaft, Verwandtschaftsgrad’; seit dem 18. Jh. oft geringschätzig. versippt Part.adj. ‘verwandt’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(die) Linie der · ↗Angehörige · ↗Anhang · ↗Familie · ↗Familienverband · ↗Geschlecht · Kind und Kegel · ↗Klan · Sippe · vom Stamm der  ●  ↗Mischpoke  abwertend · Muschpoke  abwertend · ↗Verwandtschaft  Hauptform · ↗(ganze) Bagage  ugs., abwertend · ↗Blase  ugs., abwertend · ↗Clan  ugs. · ↗Sippschaft  derb · bucklige Verwandtschaft  ugs., abwertend, scherzhaft · die Unseren  geh., variabel
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Sippe · ↗Stamm · ↗Stammesverband · ↗Volksstamm
Unterbegriffe
  • Elbslawen · Slawen  ●  Venedi  lat. · Wenden  veraltet
  • Aromunen · Mazedoromanen · Mazedorumänen
  • Wes · ↗Wesen · Wessen
  • Dorer · Dorier
  • Suawen · Sueben · Sueven · Sweben
  • Salfranken · ↗Salier · Westfranken · salische Franken
  • Liutizen · Luitizen · Lutitzen · Lutizen
  • Samaiten · Zemaiten  ●  Samogiten  historisch
  • Hunno-Bulgaren · Protobulgaren · Ur-Bulgaren
  • Sachse
  • Alamannen · Alemannen
  • Haschemiten · Haschimiten
  • Kölner Franken · Rheinfranken · Ripuaren · Ripuarier · ripuarische Franken
  • Aukschtaiten · Oberlitauer
  • Histrier · Istrier
  • Jadwingen · Jadwinger · Jatwinger · Jatwägen · Jotwinger · Pollexaner · Sudauer
  • Bataver  ●  Batavier  veraltet
  • Dsungaren · Oiraten
  • Aduatuker · Atuatuker
Assoziationen
Synonymgruppe
Familienbande · ↗Geblüt · ↗Geschlecht · ↗Haus · Sippe · ↗Stamm  ●  ↗Familie  Hauptform · ↗Mischpoke  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Biberacher Blutrache Clan Fehde Gliederung Großfamilie Hausgemeinschaft Oberhaupt Patriarch Psychogramm Sippe Sproß Stamm Stammvater Zusammenhalt adlig ausrotten germanisch heilig königlich rivalisierend verfeindet verwandt verzweigt vielköpfig vornehm wehrhaft weitverzweigt zerstritten Älteste

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sippe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur der weise Führer der Sippe ist befugt, diesen animistischen Akt durchzuführen.
Die Welt, 29.08.2003
Diesen Rat an seine Sippe hat Sepp M. (47) selber stets beherzigt.
Süddeutsche Zeitung, 24.10.1995
Genau wie der Mann stand die Frau in ihrer Sippe.
Welt und Wissen, 1927
Gehören die Kinder von einer bestimmten Generation an nicht mehr zur Sippe?
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Zweiter Teil: Die Germanen, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1921], S. 6477
Nach klassischem Ritual durfte die Adoption nur innerhalb der Sippe erfolgen.
Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Weber, Marianne (Hg.), Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. I, Tübingen: Mohr 1920 [1916-1919], S. 369
Zitationshilfe
„Sippe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sippe>, abgerufen am 20.11.2018.

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