Sittlichkeit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Sittlichkeit · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungSitt-lich-keit (computergeneriert)
Wortzerlegungsittlich-keit
Wortbildung mit ›Sittlichkeit‹ als Erstglied: ↗Sittlichkeitsdelikt · ↗Sittlichkeitsverbrechen · ↗Sittlichkeitsverbrecher · ↗Sittlichkeitsvergehen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Gesamtheit der in einer bestimmten Gesellschaft gültigen moralischen Anschauungen und Verhaltensregeln, Moral
Beispiel:
Sittlichkeit und Moral sind der Ausdruck für Begriffe, welche die Beziehungen der Menschen zueinander und ihre Handlungen regeln [BebelFrau551]
die in der Öffentlichkeit allgemein beachteten Anstandsregeln
Beispiele:
die öffentliche Sittlichkeit wahren, gefährden
die Sache wurde wegen Gefährdung der Sittlichkeit unter Ausschluß der Öffentlichkeit verhandelt [SteinbergUhren127]
2.
jmds. sittliche Anschauungen und Verhaltensweise
Beispiel:
seine Sittlichkeit ist über jeden Zweifel erhaben, ist anrüchig
3.
sittlicher Wert
Beispiel:
Der humanistische Inhalt unserer Militärpolitik gibt den Soldaten ... der Nationalen Volksarmee die tiefe Gewißheit von der Gerechtigkeit und Sittlichkeit ihres Waffendienstes [Tageszeitung1965]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sitte · Unsitte · sittlich · Sittlichkeit · unsittlich · sittsam · Sittenlehre
Sitte f. ‘Brauch, Gewohnheit, (moralischer) Anstand’, ahd. situ (8. Jh.), mhd. site ‘Art und Weise, wie man lebt und handelt, Volksart, -brauch, Gewohnheit, Beschaffenheit, Anstand’ (ursprünglich m., durch häufigen pluralischen Gebrauch bereits spätmhd. f.), asächs. sidu, mnd. sēde, sedde, mnl. sēde, nl. zede, afries. side, aengl. sidu, anord. siðr, schwed. sed, got. sidus (germ. *sedu- m.). Herkunft nicht geklärt. Die übliche Herleitung vergleicht aind. svadhā́ ‘Eigenheit, Eigenkraft, Charakter, gewohnte Art, Gewohnheit’, griech. éthos (ἔθος, aus *ϝέθος, ie. *su̯édhos) ‘Gewohnheit, Brauch, Übung’, lat. sodālis ‘Genosse, Kamerad, Gefährte, Mitglied einer Gemeinschaft’ und geht von ie. *su̯ē̌dh- aus, in dem eine Bildung zum Pronominalstamm ie. *seu̯e- (s. ↗sich) gesehen wird. Dagegen erklärt Wissmann in: Münchener Studien zur Sprachwiss. 6 (1955) 129 das stammhafte i in aengl. sidu und anord. siðr für alt (also nicht aus e hervorgegangen). Aus dem gleichen Grunde lehnt Trier Lehm (1951) 41 die oben vorgetragene Etymologie (also auch die Verbindung mit griech. éthos) ab und schließt die germ. Formen von Sitte an die unter ↗Saite und ↗Seil (s. d.) behandelten Substantive an, so daß Sitte (im Ablaut zu Saite stehend) als ‘Verbindendes, Bindung’ gedeutet werden kann. Unsitte f. ‘Anstand und Benehmen Zuwiderlaufendes’, ahd. unsitu (9. Jh.), mhd. unsite ‘üble Gewohnheit, Aufgebrachtheit, Zorn, unfeines oder grobes Benehmen’. sittlich Adj. ‘der Sitte, Moral entsprechend, moralisch’ (15. Jh.), ahd. situlīh (um 800), mhd. sitelich ‘dem Brauch gemäß, ruhig, milde, bescheiden, anständig’. Sittlichkeit f. ‘Wohlanständigkeit, Moral’ (Anfang 16. Jh.). unsittlich Adj. ‘unanständig, anstößig, unmoralisch’, ahd. unsitulīh (um 800), mhd. unsitelich ‘ungehörig, unziemlich, unpassend’. sittsam Adj. ‘brav, ehrbar, geziemend’ (15. Jh.), ahd. situsam ‘passend, geeignet’ (8. Jh.). Sittenlehre f. ‘Lehre von den Sitten, der Moral und Ethik, Moralphilosophie’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ethik · ↗Moral · Moralvorstellungen · Sittlichkeit · ↗Wertesystem · Wertmaßstäbe · Wertvorstellungen · moralische Werte · sittliche Werte
Assoziationen
Synonymgruppe
Anstand · ↗Anständigkeit · ↗Lauterkeit · ↗Moral · ↗Sitte · Sittlichkeit
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anstand Frömmigkeit Gebot Gefährdung Glauben Glückseligkeit Hebung Hüter Imperativ Kriminalität Laster Lust Menschenwürde Moral Moralität Norm Religion Religiosität Sinnlichkeit Sitte Vergehen Vernunft Wohl christlich elementar gelebt human innerweltlich substantiell verstoßen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sittlichkeit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zudem hat diese Moral weit weniger mit Sittlichkeit zu tun.
Süddeutsche Zeitung, 31.07.1999
Der christliche Glaube ist gewiß noch etwas anderes als die menschliche Sittlichkeit.
Hermann, R.: Rechtfertigung. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 5274
Ich stelle dann den Antrag, die Öffentlichkeit auszuschließen, da hier geschlechtliche Dinge zur Sprache kommen werden, die geeignet sind, die öffentliche Sittlichkeit zu gefährden.
Friedländer, Hugo: Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z.D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der »Zukunft« Maximilian Harden. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1920], S. 3938
Die Sittlichkeit ist »die Idee der Freiheit, als das lebendige Gute«.
Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1912], S. 12196
Bildlos, unkörperlich, unvergleichlich ist Gott, die tiefste Vernunft und höchste Sittlichkeit.
Die Welt, 15.01.2000
Zitationshilfe
„Sittlichkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sittlichkeit>, abgerufen am 13.12.2019.

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