Sitzfleisch, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Nebenform seltenSitzefleisch · Substantiv (Neutrum)
WorttrennungSitz-fleisch ● Sitze-fleisch (computergeneriert)
WortzerlegungsitzenFleisch
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich, scherzhaft kein Sitzfleisch haben (= keine Ausdauer haben (bei einer oder für eine Arbeit), nicht lange an einem Ort (sitzen) bleiben können)
Beispiele:
für langwierige schriftliche Arbeiten hat er kein Sitzfleisch
sonst ist er die Ruhe selbst, aber heute hat er kein Sitzfleisch
Sitzfleisch haben (= bei einem Besuch zu lange bleiben, nicht rechtzeitig wieder aufbrechen)
Beispiel:
diese Leute laden wir nicht wieder ein, sie haben zu viel Sitzfleisch
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sitzen · Sitz · Sitzung · Sitz(e)fleisch · vorsitzen · Vorsitzender · Vorsitzer · Vorsitz
sitzen Vb. ‘mit aufrechtem Oberkörper auf dem Gesäß ruhen’, ahd. sizzan (8. Jh.), mhd. sitzen, auch ‘wohnen, regieren, besitzen, sich aufhalten, steckenbleiben’, asächs. sittian, mnd. mnl. sitten, nl. zitten, afries. sitta, aengl. sittan, engl. to sit, anord. sitja, schwed. sitta (germ. *setjan), got. (mit Verlust des präsensbildenden j) sitan (germ. *setan) führt mit aind. sī́dati ‘setzt sich, sitzt’, air. sa(i)did ‘sitzt’, griech. hézesthai (ἕζεσθαι) ‘sich setzen, sitzen’, lat. sedēre, lit. sėdė́ti, aslaw. sěděti, russ. sidét’ (сидеть) ‘sitzen’ auf eine Wurzel ie. *sed- ‘sitzen’, an die sich auch ↗Satz, ↗setzen, ↗Sessel, ↗seßhaft, ↗siedeln sowie ↗Ast und ↗Nest (s. d.) anschließen. Sitz m. ‘Platz, auf dem man sitzt, Ort des Wohnens, Ansässigseins’, mhd. siz. Ursprünglich nur im Hd. vorkommendes, zum Verb gebildetes Substantiv (daraus entlehnt mnd. mnl. sit, nl. zit). Sitzung f. ‘beratende Zusammenkunft, Versammlung’ (15. Jh.), anfangs auch ‘das Sichniedersetzen’. Sitz(e)fleisch n. (17. Jh.), fast nur in der Wendung kein Sitzfleisch haben ‘nicht ruhig sitzen können, nicht ausdauernd arbeiten können’, entsprechend Sitzfleisch haben ‘sich für längere Zeit niederlassen, nicht gleich wieder weggehen’. vorsitzen Vb. ‘die erste Stelle einnehmen, eine Verhandlung, eine Versammlung leiten, führen’ (15. Jh.); dazu Vorsitzender m. ‘wer in einer Vereinigung, in einer Partei die Führung und Verantwortung hat’ (2. Hälfte 18. Jh.), älteres Vorsitzer m. (15. Jh.) verdrängend. Vorsitz m. ‘oberster, vorrangiger Platz, Leitung, leitendes Amt einer Versammlung oder Gesellschaft’ (16. Jh.), anfangs wohl Übersetzung von lat. praesidium.

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Gesäß · ↗Hinterteil · ↗Steiß  ●  ↗Kehrseite  scherzhaft · verlängerter Rücken  euphemistisch · (das) hintere Ende (von jemandem)  geh. · Allerwertester  ugs. · ↗Arsch  derb · Clunium  fachspr., lat. · Fott  ugs., rheinisch · Fudi  ugs., schweiz. · Futt  ugs., rheinisch · Füdli  ugs., schweiz. · Glutealregion  fachspr., lat. · Hinterbacken  ugs. · ↗Hintern  ugs. · ↗Kiste  ugs. · Nates  fachspr., anatomisch, lat. · ↗Po  ugs. · Pobacken  ugs. · ↗Podex  ugs. · ↗Popo  ugs. · Pöter  ugs. · Regio glutea  fachspr., lat. · Regio glutealis  fachspr., lat. · ↗Schinken  ugs. · Sitzfleisch  ugs. · vier Buchstaben  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • attraktives Hinterteil · schöner Hintern  ●  ↗Knackarsch  ugs.
  • (einen) dicken Hintern (haben)  ●  (einen) Hintern wie ein Brauereipferd (haben)  ugs., variabel
  • Bein · ↗Lauf (Wildtiere)  ●  Kackstelze(n)  derb · Pinn(e)  ugs., norddeutsch · hintere Extremität  fachspr. · untere Extremität  fachspr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Geduld Stachel beweisen brauchen erfordern mitbringen nötig strapazierfähig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sitzfleisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sein Sitzfleisch reichte nur für etwas mehr als 17 Stunden.
Die Welt, 17.05.2002
Sozialdemokratisches Sitzfleisch zählt doch mehr als jede von außen angetragene fachliche Kompetenz.
Süddeutsche Zeitung, 25.10.1995
Kohl verläßt sich auf sein dickes Fell und auf sein Sitzfleisch.
Der Spiegel, 04.06.1984
Was ich dafür gehalten hatte, war eine gewisse Bequemlichkeit und Mangel an Sitzfleisch bei der Arbeit.
Bode, Wilhelm von: Mein Leben, 2 Bde. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1930], S. 1956
Leute, die dauernd mit ihrem Rücktritt kokettieren, haben meistens das dickste Sitzfleisch.
Tange, Ernst Günter: Zitatenschatz zur Politik, Frankfurt a. M.: Eichborn 2000, S. 23
Zitationshilfe
„Sitzfleisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sitzfleisch>, abgerufen am 22.04.2019.

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