Sklave, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Sklaven · Nominativ Plural: Sklaven
Aussprache
WorttrennungSkla-ve
Herkunft Sclavusmlat ‘Sklave, Slawe’, aus Sklábosbyzant-griech (Σκλάβοςbyzant-griech) ‘Slawe, Sklave’, aus *slověninъurslaw ‘Slawe’
Wortbildung mit ›Sklave‹ als Erstglied: ↗Sklavenarbeit · ↗Sklavendienst · ↗Sklavenhalter · ↗Sklavenhandel · ↗Sklavenjäger · ↗Sklavenmarkt · ↗Sklaventum · ↗Sklavin
 ·  mit ›Sklave‹ als Letztglied: ↗Arbeitssklave · ↗Galeerensklave · ↗Negersklave · ↗Rudersklave · ↗Staatssklave
 ·  mit ›Sklave‹ als Grundform: ↗versklaven
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
häufig historisch jmd., der im Eigentum eines anderen Menschen steht und von diesem rechtlich und wirtschaftlich vollkommen abhängig ist, so dass er seiner persönlichen Freiheit weitgehend beraubt ist und wie eine Ware gehandelt werden kann
Beispiele:
Die römische Republik beruhte, nicht anders als die klassische Demokratie in Griechenland, auf der brutalen Ausbeutung von Sklaven. [Süddeutsche Zeitung, 22.06.2010]
[…] In dem westafrikanischen Land [Mauretanien] gebe es noch »erbliche Sklaverei«[…]. Kinder würden dort »als Sklaven geboren« und zur Arbeit im Haushalt oder zur Feldarbeit gezwungen. [Die Zeit, 17.10.2013, Nr. 43]
Die Gewalt des Sklavenhalters über sein Eigentum habe eine absolute zu sein, um die Unterwerfung der Sklaven vollkommen zu machen, formulierte ein Gericht in North Carolina 1829. Doch hinter dieser herrschaftsbetonenden Rhetorik[…] gab es gleichwohl deutliche Grenzen, die die Eigentümer einzuhalten hatten[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.1998]
Insgesamt zählt das Land [St. Vincent und die Grenadinen] etwa 110.000 Einwohner, zumeist Nachkommen afrikanischer Sklaven, die auf die Plantagen des 1498 von Kolumbus entdeckten Eilandes geholt worden waren. [Neues Deutschland, 23.09.1980]
Im 15. Jahrhundert stammten die Sklaven überwiegend aus den Balkanländern, wo die Türken von ihren Feldzügen zahlreiche christliche Kriegsgefangene mitschleppten und an italienische Sklavenhändler verkauften. [Konetzke, Richard: Überseeische Entdeckungen und Eroberungen. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 9643]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein entlaufener, entflohener, freigelassener, befreiter, freigekaufter, aufständischer Sklave; ein afrikanischer, schwarzer, römischer Sklave
als Akkusativobjekt: Sklaven halten, besitzen, kaufen, importieren, verkaufen
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein Nachfahre, Nachkomme von Sklaven; von Sklaven abstammen; ein Heer, eine Schar von Sklaven; der Handel mit Sklaven
in Koordination: Sklaven und Hörige, Leibeigene, Freigelassene, Freie, Sklavenhalter
hat Präpositionalgruppe/-objekt: ein Sklave auf einer Galeere, an Bord [eines Schiffes], auf einer Plantage; Sklaven in den Südstaaten [der USA], in einer Kolonie
als Genitivattribut: die Befreiung, der Aufstand, die Emanzipation der Sklaven
als Aktivsubjekt: die Sklaven arbeiten, schuften
in vergleichender Wort-/Nominalgruppe: jmdn. als Sklaven verschleppen, verkaufen; jmdn. wie einen Sklaven ausbeuten, halten, behandeln
bildlich jmd., der jmdm. wie ein Sklave (1) zu Diensten steht
Beispiele:
Einen »Sklaven Allahs« nennt er sich, nur zu gern bereit, die Ungläubigen zu töten. [Spiegel, 23.04.2005 (online)]
Früher waren Schauspieler Sklaven der Studios und vertraglich dazu verdammt, sich wochenends nicht weiter als 100 Meilen von Hollywood zu entfernen. [Die Zeit, 20.10.2011, Nr. 43]
[…] Stalin besaß viele willfährige Mitarbeiter, Sklaven, deren Aufgabe und deren Vergnügen es war, die anderen, die mißliebigen Sklaven zu quälen. [Süddeutsche Zeitung, 30.01.1995]
Die dreieinhalb Jahre, die er als »Sklave« im Vorzimmer des Staatssekretärs verbrachte, waren eine Schlüsselzeit für ihn. [Die Zeit, 21.04.1978, Nr. 17]
Bezeichnend die zwei Ehemänner in dem Film: ein weicher, hilfloser Sklave seiner Frau – und ein zynisches, steinernes Monstrum. [Die Zeit, 08.03.1974, Nr. 11]
2.
oft abwertend, übertragen jmd., dessen Entscheidungen und Handlungen von etw. in außergewöhnlich starkem Maße abhängen oder (fremd)‍bestimmt werden
Beispiele:
Mir missfällt, wenn sich Menschen zu Sklaven der Mode machen. [Der Standard, 08.11.2016]
Solange du nicht der Sklave von Alkohol, Drogen und Sex wirst, ist alles in Ordnung[…]. [Bild am Sonntag, 25.11.2001]
Schon immer […] wurden die sozialen Folgen des technischen Wandels ambivalent beurteilt. Auf der einen Seite gab es die massive Klage über die […] Stumpfsinnigkeit der Arbeit, die den Menschen im mechanisierten Großbetrieb mit zunehmender Rationalisierung immer stärker zum Sklaven der Maschinen macht. [Die Zeit, 01.07.1988, Nr. 27]
Die zentrale Frage lautet, ob wir den Lauf der Ereignisse meistern, oder ob wir zum Sklaven der Ereignisse werden. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1969]]
Kollokation:
mit Genitivattribut: ein Sklave seines Terminkalenders; ein Sklave seiner Gene, seines Gefühls; ein Sklave der Maschinen, der Technik; ein Sklave des Kapitals, des Geldes, der Macht
3.
umgangssprachlich jmd., der in einem sexuellen Rollenspiel eine unterwürfige, willfährige und duldende Haltung einnimmt
Beispiele:
Der [Typ des Devoten] will Sklave sein, kniet vor der Domina und sagt Sätze wie: »Darf ich sprechen, Herrin?« oder »Danke für die Strafe, Herrin.« [Berliner Zeitung, 14.02.1995]
Weibliche Dominas und männliche Sklaven, das Ganze andersherum, zu zweit, zu dritt, zu viert, eine Menge Orgasmen, alles drin. [Süddeutsche Zeitung, 29.05.2015]
In der Show »Sex, das Spiel ohne Grenzen« traten unter anderen eine Domina, ihr Sklave (in Gummianzug und Gasmaske) und ein als Baby verkleideter Mann in Windeln auf. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2005]
Bei Dora verkehrt ein »Sklave Marcus«, dem am wohlsten ist, wenn die »Herrin« ihn knechtet. [Der Spiegel, 30.03.1981, Nr. 14]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sklave · Sklaverei · sklavisch · versklaven
Sklave m. ‘als Eigentum eines Sklavenhalters aller Rechte (Freiheit, Wohnung, Besitz) Beraubter, Mensch, der von etw., einer Person abhängig ist’. Das Substantiv ist gleichen Ursprungs wie Slawe. Mlat. Sclavus, das sich wie mlat. Slavus aus der Eigenbenennung der slawischen Völker- und Sprachgruppe herleitet (s. ↗Slawist), erscheint in Urkunden der Karolingerzeit, die sich auf bayerische Klöster beziehen, in doppelter Bedeutung. Es dient einerseits zur Bezeichnung von Angehörigen slawischer Stämme und kann dabei in gleicher Weise Freie und Unfreie (bzw. in Abhängigkeit Lebende) meinen (vgl. mlat. Sclavi, liberi et servi, 9. Jh.). Es bezeichnet andererseits Unfreie im Gegensatz zu den Freien (vgl. mlat. homines liberos et Sclavos, 9. Jh.). Auch im Mlat. Italiens entsteht im 10. Jh. die Bedeutung ‘Sklave’. Aus sachlichen Gründen (Entwicklung des Sklavenhandels) vermutet man einen Bedeutungsübergang ‘Slawe’ zu ‘Sklave’ (von dem auch byzant.-griech. Sklábos, Σκλάβος, s. ↗Slawist, betroffen wird) bereits für das 9. oder 10. Jh. auf dem Balkan. Wann sich in mlat. Sclavus, Slavus ‘Unfreier, Höriger’ die Vorstellung des ‘unfreien Slawen’ verliert, läßt sich nicht genau sagen. Das aus dem Mlat. entlehnte mhd. slave ‘Unfreier, Knecht’ kann jedenfalls ohne diesen Nebensinn gebraucht werden. Mhd. sl- entwickelt sich lautgerecht zu nhd. Schl-, daher findet sich seit dem 16. (bis ins 18.) Jh. die Form Schlav(e). Daneben stehen weiterhin mit Sl- anlautende Formen wie Slaf(e), aber auch solche mit Scl-, Skl-. Die endgültige formale und semantische Differenzierung zwischen Slawe und Sklave setzt sich erst im 18. Jh. durch. Zuvor können alle Formen in doppelter Bedeutung auftreten. Andere germ. Sprachen haben auch in den Wörtern für ‘Sklave’ den Anlaut sl-, vgl. mnd. slāve, nd. Slāw(e), engl. dän. slave, nl. slaaf. Sklaverei f. ‘Zustand der Unfreiheit, Rechtlosigkeit und vollständigen Abhängigkeit des Sklaven vom Sklavenhalter, schwere politische Unterdrückung’ (17. Jh.). sklavisch Adj. ‘unbedingt und uneingeschränkt gehorsam, unterwürfig, unfrei, unselbständig’ (16. Jh.). versklaven Vb. ‘zum Sklaven machen, in Sklaverei führen’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Fronarbeiter · Leibeigener · Sklave · ↗Untertan
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Paladin · ↗Vasall · ergebener Anhänger · treuer Gefolgsmann  ●  Ergebener  abwertend · Getreuer  spöttisch · ↗Knecht  abwertend · ↗Hofschranze  ugs., abwertend · ↗Lakai  derb, abwertend · ↗Marionette  ugs., abwertend · Sklave  ugs., abwertend · ↗Trabant  ugs., abwertend
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Marionettenpolitiker · Politmarionette
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abkömmling Diener Elfenbein Freie Freigelassene Hörige Nachfahr Nachfahre Nachkomme Plantage Sklave Sklavenhalter Sklavin Südstaat Vieh Vorfahr afrikanisch aufständisch befreit entflohen entlaufen freigelassen geflohen rechtlos schuften schwarz verschiffen verschleppen verschleppt willenlos

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sklave‹.

Zitationshilfe
„Sklave“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sklave>, abgerufen am 09.12.2019.

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