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Sklave, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Sklaven · Nominativ Plural: Sklaven
Aussprache
WorttrennungSkla-ve (computergeneriert)
HerkunftSlawisch → Griechisch
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
historisch jmd., der, aller Rechte und Produktionsmittel beraubt, das Eigentum eines Sklavenhalters war
a)
Vertreter der ausgebeuteten Klasse in der Sklavenhaltergesellschaft
Beispiele:
im alten Rom galt der Sklave als Sache
der Besitzer hatte das Recht über Leben und Tod seines Sklaven
Spartacus führte die Sklaven zum Aufstand
Sklaven, das waren die Nachkommen der Ureinwohner, Kriegsgefangene, geraubte und gekaufte, sie wohnten in Ställen, zusammengepfercht, viele in Eisen [Benn1,269]
Selbst in dem sagenhaften Atlantis / Brüllten in der Nacht, wo das Meer es verschlang / Die Ersaufenden nach ihren Sklaven [BrechtLesender Arbeiter]
b)
Angehöriger einer ausgebeuteten Nebenklasse in einer anderen Klassengesellschaft
Beispiel:
die farbigen Sklaven in den USA
2.
abwertend, übertragen jmd., der von etw., jmdm. sehr abhängig ist
Beispiele:
er ist der Sklave seiner Arbeit, des Alkohols, seiner Briefmarkensammlung
sie war zum Sklaven ihres Gartens geworden (= sie gönnte sich um der Wohnung willen keine Erholung)
eine wachsame Rechnerin, die mich bewußt und kühlen Herzens verliebt und zu ihrem Sklaven machen wollte [HesseSteppenw.4,302]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sklave · Sklaverei · sklavisch · versklaven
Sklave m. ‘als Eigentum eines Sklavenhalters aller Rechte (Freiheit, Wohnung, Besitz) Beraubter, Mensch, der von etw., einer Person abhängig ist’. Das Substantiv ist gleichen Ursprungs wie Slawe. Mlat. Sclavus, das sich wie mlat. Slavus aus der Eigenbenennung der slawischen Völker- und Sprachgruppe herleitet (s. ↗Slawist), erscheint in Urkunden der Karolingerzeit, die sich auf bayerische Klöster beziehen, in doppelter Bedeutung. Es dient einerseits zur Bezeichnung von Angehörigen slawischer Stämme und kann dabei in gleicher Weise Freie und Unfreie (bzw. in Abhängigkeit Lebende) meinen (vgl. mlat. Sclavi, liberi et servi, 9. Jh.). Es bezeichnet andererseits Unfreie im Gegensatz zu den Freien (vgl. mlat. homines liberos et Sclavos, 9. Jh.). Auch im Mlat. Italiens entsteht im 10. Jh. die Bedeutung ‘Sklave’. Aus sachlichen Gründen (Entwicklung des Sklavenhandels) vermutet man einen Bedeutungsübergang ‘Slawe’ zu ‘Sklave’ (von dem auch byzant.-griech. Sklábos, Σκλάβος, s. ↗Slawist, betroffen wird) bereits für das 9. oder 10. Jh. auf dem Balkan. Wann sich in mlat. Sclavus, Slavus ‘Unfreier, Höriger’ die Vorstellung des ‘unfreien Slawen’ verliert, läßt sich nicht genau sagen. Das aus dem Mlat. entlehnte mhd. slave ‘Unfreier, Knecht’ kann jedenfalls ohne diesen Nebensinn gebraucht werden. Mhd. sl- entwickelt sich lautgerecht zu nhd. Schl-, daher findet sich seit dem 16. (bis ins 18.) Jh. die Form Schlav(e). Daneben stehen weiterhin mit Sl- anlautende Formen wie Slaf(e), aber auch solche mit Scl-, Skl-. Die endgültige formale und semantische Differenzierung zwischen Slawe und Sklave setzt sich erst im 18. Jh. durch. Zuvor können alle Formen in doppelter Bedeutung auftreten. Andere germ. Sprachen haben auch in den Wörtern für ‘Sklave’ den Anlaut sl-, vgl. mnd. slāve, nd. Slāw(e), engl. dän. slave, nl. slaaf. Sklaverei f. ‘Zustand der Unfreiheit, Rechtlosigkeit und vollständigen Abhängigkeit des Sklaven vom Sklavenhalter, schwere politische Unterdrückung’ (17. Jh.). sklavisch Adj. ‘unbedingt und uneingeschränkt gehorsam, unterwürfig, unfrei, unselbständig’ (16. Jh.). versklaven Vb. ‘zum Sklaven machen, in Sklaverei führen’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Fronarbeiter · Leibeigener · Sklave · ↗Untertan
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Paladin · ↗Vasall · ergebener Anhänger · treuer Gefolgsmann  ●  Ergebener  abwertend · Getreuer  spöttisch · ↗Knecht  abwertend · ↗Hofschranze  ugs., abwertend · ↗Lakai  derb, abwertend · ↗Marionette  ugs., abwertend · Sklave  ugs., abwertend · ↗Trabant  ugs., abwertend
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Marionettenpolitiker · Politmarionette
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abkömmling Diener Elfenbein Freie Freigelassene Hörige Nachfahr Nachfahre Nachkomme Plantage Sklave Sklavenhalter Sklavin Südstaat Vieh Vorfahr afrikanisch aufständisch befreit entflohen entlaufen freigelassen geflohen rechtlos schuften schwarz verschiffen verschleppen verschleppt willenlos

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sklave‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber natürlich könnten die Sklaven auch unterwegs an Bord gekommen sein.
Der Tagesspiegel, 16.04.2001
Die neuen Sklaven sind zumeist wehrlos, sie sind leichtgläubig, und sie leben zum größten Teil in unvorstellbarer Armut.
Süddeutsche Zeitung, 09.04.2001
Höchstes Gut ist für E., den ehemaligen Sklaven, die Freiheit.
Patzig, G.: Epiktet. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 3110
Der Sklave stand neben ihm, bereit, die Schale ihm wieder abzunehmen.
Broch, Hermann: Der Tod des Vergil, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1986 [1945], S. 255
Man hätte dann doch lieber den Bürgern die Rüstung gegeben und die Sklaven rudern lassen.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Erster Teil: Das Altertum, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 841
Zitationshilfe
„Sklave“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sklave>, abgerufen am 19.01.2019.

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