Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Sklaverei, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Sklaverei · Nominativ Plural: Sklavereien
Aussprache 
Worttrennung Skla-ve-rei
Wortzerlegung Sklave -erei
Wortbildung  mit ›Sklaverei‹ als Letztglied: Haussklaverei · Schuldsklaverei
Herkunft zu Sklave
eWDG

Bedeutungen

1.
historisch Zustand der Unfreiheit und Rechtlosigkeit, vollständige Abhängigkeit des Sklaven vom Sklavenhalter, besonders in der Sklavenhaltergesellschaft
Grammatik: nur im Singular
Beispiel:
im Feudalismus wurde die Sklaverei durch das System der Leibeigenschaft ersetzt
2.
abwertend, übertragen schwere politische Unterdrückung, Fremdherrschaft
Beispiel:
die Sklaverei des bulgarischen Volkes unter der Herrschaft der Türken
besonders drückend empfundene Arbeitsbelastung
Beispiel:
Denn soweit ich nach deinen Erzählungen … urteilen kann, ist das hier kein Dienst, sondern eine Sklaverei [ KafkaAmerika316]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sklave · Sklaverei · sklavisch · versklaven
Sklave m. ‘als Eigentum eines Sklavenhalters aller Rechte (Freiheit, Wohnung, Besitz) Beraubter, Mensch, der von etw., einer Person abhängig ist’. Das Substantiv ist gleichen Ursprungs wie Slawe. Mlat. Sclavus, das sich wie mlat. Slavus aus der Eigenbenennung der slawischen Völker- und Sprachgruppe herleitet (s. Slawist), erscheint in Urkunden der Karolingerzeit, die sich auf bayerische Klöster beziehen, in doppelter Bedeutung. Es dient einerseits zur Bezeichnung von Angehörigen slawischer Stämme und kann dabei in gleicher Weise Freie und Unfreie (bzw. in Abhängigkeit Lebende) meinen (vgl. mlat. Sclavi, liberi et servi, 9. Jh.). Es bezeichnet andererseits Unfreie im Gegensatz zu den Freien (vgl. mlat. homines liberos et Sclavos, 9. Jh.). Auch im Mlat. Italiens entsteht im 10. Jh. die Bedeutung ‘Sklave’. Aus sachlichen Gründen (Entwicklung des Sklavenhandels) vermutet man einen Bedeutungsübergang ‘Slawe’ zu ‘Sklave’ (von dem auch byzant.-griech. Sklábos, Σκλάβος, s. Slawist, betroffen wird) bereits für das 9. oder 10. Jh. auf dem Balkan. Wann sich in mlat. Sclavus, Slavus ‘Unfreier, Höriger’ die Vorstellung des ‘unfreien Slawen’ verliert, läßt sich nicht genau sagen. Das aus dem Mlat. entlehnte mhd. slave ‘Unfreier, Knecht’ kann jedenfalls ohne diesen Nebensinn gebraucht werden. Mhd. sl- entwickelt sich lautgerecht zu nhd. Schl-, daher findet sich seit dem 16. (bis ins 18.) Jh. die Form Schlav(e). Daneben stehen weiterhin mit Sl- anlautende Formen wie Slaf(e), aber auch solche mit Scl-, Skl-. Die endgültige formale und semantische Differenzierung zwischen Slawe und Sklave setzt sich erst im 18. Jh. durch. Zuvor können alle Formen in doppelter Bedeutung auftreten. Andere germ. Sprachen haben auch in den Wörtern für ‘Sklave’ den Anlaut sl-, vgl. mnd. slāve, nd. Slāw(e), engl. dän. slave, nl. slaaf. Sklaverei f. ‘Zustand der Unfreiheit, Rechtlosigkeit und vollständigen Abhängigkeit des Sklaven vom Sklavenhalter, schwere politische Unterdrückung’ (17. Jh.). sklavisch Adj. ‘unbedingt und uneingeschränkt gehorsam, unterwürfig, unfrei, unselbständig’ (16. Jh.). versklaven Vb. ‘zum Sklaven machen, in Sklaverei führen’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
Ausbeuterei · Ausnutzung · Halsabschneiderei · Sklaverei  ●  Ausbeutung  Hauptform · Ausplünderei  ugs., selten

Typische Verbindungen zu ›Sklaverei‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sklaverei‹.

Verwendungsbeispiele für ›Sklaverei‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn für diesen Lohn verkaufen sie sich sozusagen in die Sklaverei. [Pöhlmann, Robert von: Geschichte der sozialen Frage und des Sozialismus in der antiken Welt - Zweites Buch. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 6695]
Das dreizehnte Amendment unterdrückte die Sklaverei auf dem gesamten Gebiete der Union. [Mann, Golo: Politische Entwicklung Europas und Amerikas 1815-1871. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 17149]
Ich selber preise immer wieder meinen Schöpfer, der Sklaverei entgangen zu sein. [Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1921. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1921], S. 257]
Besonders schwierig ist der Kampf gegen Sklaverei aus religiöser Tradition. [Die Zeit, 26.04.1996, Nr. 18]
Sklaverei ist zwar mittlerweile in fast allen Ländern der Welt verboten, allerdings werden die Gesetze kaum durchgesetzt. [Die Zeit, 29.10.2013, Nr. 43]
Zitationshilfe
„Sklaverei“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sklaverei>.

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